Der große Zinstest: Mut zum neuen Konto

Der große Zinstest Test

Baris Türkes, Direktor der Frankfurter Filiale der Denizbank aus Wien. Sein Institut gehört bei Tages- und Festgeld seit Jahren zu den Topanbietern.

Mit Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen fahren Anleger zurzeit besser als mit Anleihen. Sie sollten sich nur nicht scheuen, bei einer neuen Bank ein Konto zu eröffnen.

Die Ungewissheit ist für Sparer zurzeit das größte Problem. Einerseits wollen sie so viel Rendite wie möglich herausholen, andererseits fürchten sie, in eine Zinsfalle zu geraten.

Wer jetzt in Anleihen mit langer Laufzeit einsteigt, um sich die höchste Rendite zu sichern, hat bei einem kräftigen Zinsanstieg das Nachsehen. Die Anleihen verlieren dann an Kurswert und können nur mit Verlust vorzeitig verkauft werden. Aber der Verkauf wäre wiederum die einzige Lösung, um von dem gestiegenen Zinsniveau zu profitieren.

Doch es gibt einen Ausweg. Finanztest hat die Geldangebote von Banken untersucht und dabei viele Schnäppchen entdeckt. Sparer können ihr Geld dort ohne Reue anlegen und auf noch bessere Zinszeiten warten.

Hauptsache flexibel

Der große Zinstest Test

Mete Altin leitet die Frankfurter Niederlassung der niederländischen Finansbank. Bei den Einmalanlagen ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit ist sie zurzeit mit an der Spitze.

Die einfachste und gewiss nicht die schlechteste Möglichkeit ist die Eröffnung eines Tagesgeldkontos, auf dem das Geld täglich verfügbar ist. Solche Konten finden Anleger auch bei ihrer Hausbank. Um attraktive Zinsen zu bekommen, müssen sie aber meist fremdgehen. Zum Beispiel zu einem der niederländischen oder österreichischen Institute, die in unserer Rangliste ganz vorn stehen.

DHB Bank, Denizbank und Akbank bieten für Tagesgeld zurzeit 3,25 bis 3,50 Prozent und erreichen etwa das Niveau von Bundesschatzbriefen mit vier Jahren Laufzeit. Anleger sollten bei diesen ausländischen Banken aber nicht mehr als 20 000 Euro anlegen, denn darüber hinausgehende Beträge sind nicht abgesichert.

Nur wenige Banken, die in unseren Toplisten vorn stehen, haben ein Filialnetz. Der Sparer muss sich also telefonisch oder per Computer mit ihnen in Verbindung setzen und den Antrag zur Kontoeröffnung anfordern. Nach dem Ausfüllen der Formulare muss er zur Post, wo anhand des Personalausweises oder Reisepasses seine Identität überprüft wird (Post-Ident-Verfahren). Seine Kontounterlagen samt der Geheimzahl bekommt er einige Tage später zugeschickt.

Die Kunden von Banken ohne Filialnetz erhalten keine persönliche Betreuung. Die werden viele für ein Tagesgeldkonto aber auch nicht vermissen.

Finanztest nimmt in seine Tabellen nur Konten auf, die den Anleger nichts kosten. Er könnte also ohne weiteres mehrere Konten parallel führen oder immer dann den Anbieter wechseln, wenn ein anderer deutlich höhere Zinsen bietet. Den damit verbundenen Papierkram und die unvermeidliche Lauferei kann ihm aber niemand ersparen.

Regelmäßig kontrollieren

Die Banken können den Zinssatz von Tagesgeldkonten jederzeit verändern. Es ist deshalb ratsam, regelmäßig zu kontrollieren, wie er sich entwickelt. Bei Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus prüfen die Kunden am besten, ob und wie schnell ihre Bank auf diese Entwicklung reagiert.

Wie unser Vergleich des aktuellen Zinsniveaus mit den Zinsen von vor einem Jahr zeigt, scheren sich die meisten Banken wenig um die aktuelle Marktentwicklung. Kein Anbieter gab die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank um insgesamt 1,25 Prozent angemessen weiter, die meisten speisten ihre Kunden mit einem Aufschlag von 0,3 bis 0,5 Prozent ab.

Anlegern, die sich damit nicht abfinden wollen, bleibt nur der Anbieterwechsel. Die aktuell höchsten Zinsen bietet mit der Akbank eine Bank, die vor einem Jahr noch kein Tagesgeldkonto angeboten hat.

Hauptsache rentabel

Die Akbank gehört auch bei Festgeldanlagen zu den besten Anbietern. Wir haben Anlagen ohne Kündigungsmöglichkeit von drei Monaten bis zu drei Jahren untersucht. Für drei Monate gibt es kaum mehr als für Tagesgeld. Die DAB Bank und die Denizbank bieten als 3,29 Prozent. Wer sich dagegen für drei Jahre bindet, kann bis zu 4,25 Prozent (Akbank) herausholen.

Für die meisten Sparer am günstigsten sind Einmalanlagen, bei denen die Zinsen steuerlich jährlich verrechnet werden. Die Alternative sind abgezinste oder aufgezinste Sparbriefe. Hier werden die Zinsen am Ende der Laufzeit auf einen Schlag ausgeschüttet. In der Tabelle auf Seite 36 stehen nur Angebote mit jährlicher Zinsverrechnung.

Bei einigen von ihnen gibt es die Möglichkeit der Zinsansammlung. Der jährlich gutgeschriebene Zins wird zu gleichen Konditionen wieder angelegt. Für den Vermögensaufbau ist das die beste Variante.

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