Der große Zinstest Test

Der Leitzins ist in zwölf Monaten um stattliche 1,25 Prozentpunkte gestiegen und viele Banken bieten höhere Zinsen. Doch Finanzminister Peer Steinbrück verdirbt den Sparern die Freude darüber: Der Sparerfreibetrag wird ab 2007 fast halbiert. Nun müssen viele Sparer zumindest einen Teil ihrer Zinseinkünfte versteuern.

Die fünf Zinsschritte der Europäischen Zentralbank haben Schwung in den Markt gebracht. Finanztest stellt die besten Sparangebote für kurze und mittlere Laufzeiten vor.

Es gibt wieder mehr fürs Geld. Nach fünf Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) können sich Sparer jetzt über deutlich höhere Zinsen freuen.

Die letzte Zinserhöhung war am 5. Oktober. Die EZB schraubte den Leitzins an diesem Tag auf 3,25 Prozent. Damit ist das Zinsniveau um stattliche 1,25 Prozentpunkte höher als noch vor einem Jahr.

Für Anleger heißt dies: Die Durststrecke, in der Tagesgeld oder Festgeld eine mickrige zwei oder eins vor dem Komma hatten, ist erst einmal vorbei. Sparer, die bei den Spitzenreitern am Markt anlegen, erhalten für Tagesgeld bis zu 3,50 Prozent pro Jahr. Einmalanleger bekommen für eine Laufzeit von drei Jahren ohne vorzeitige Ausstiegsmöglichkeit bis zu 4,25 Prozent pro Jahr (siehe Tabelle).

Sparer sollten in der aktuellen Zinssituation ihr Geld nicht länger als drei Jahre fest anlegen. Denn die Zinsen für länger laufende Angebote sind kaum höher.

Das zeigt unsere Untersuchung: Wir haben 75 Banken befragt und die besten Angebote für Tages- und Festgeld und für Einmalanlagen mit sowie ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten ermittelt (siehe Tabellen).

Die wenigsten Banken zogen mit

Der große Zinstest Test

Die Europäische Zentralbank legt die Zinsen für das Geld fest, das Geschäftsbanken bei ihr ausleihen oder einzahlen. Diesen Leitzins hat sie fünfmal ­erhöht, doch die Banken haben die Erhöhung nur teilweise an ihre Kunden weitergegeben.
Vor der Zinswende verharrte der Leitzins rund 30 Monate lang bei 2 Prozent. Die durchschnittliche Rendite unserer Top-20-Tabelle für Tagesgeld lag Anfang November 2005 mit 2,28 Prozent deutlich über diesem Referenzzins. Jetzt nach fünf Zinserhöhungen ist es umgekehrt: Die Durchschnittsrendite unserer Top-20-Tabelle liegt um 0,34 Prozentpunkte unter dem Leitzins.

Die Europäische Zentralbank legt die Zinsen für das Geld fest, das Geschäftsbanken bei ihr ausleihen oder einzahlen. Diesen Leitzins hat sie fünfmal ­erhöht, doch die Banken haben die Erhöhung nur teilweise an ihre Kunden weitergegeben.
Vor der Zinswende verharrte der Leitzins rund 30 Monate lang bei 2 Prozent. Die durchschnittliche Rendite unserer Top-20-Tabelle für Tagesgeld lag Anfang November 2005 mit 2,28 Prozent deutlich über diesem Referenzzins. Jetzt nach fünf Zinserhöhungen ist es umgekehrt: Die Durchschnittsrendite unserer Top-20-Tabelle liegt um 0,34 Prozentpunkte unter dem Leitzins.

Aber längst nicht alle Banken geben die Zinserhöhungen der EZB in vollem Umfang an die Sparer weiter. Das betrifft Tagesgeldkunden genauso wie Sparer, die länger anlegen wollen. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Laufzeit, desto weniger haben die Banken die Zinsen erhöht.

Für Tagesgeld lag der durchschnittliche Zinssatz aller Banken aus dem Dauertest Ende Oktober nur 0,58 Prozentpunkte höher als vor zwölf Monaten und das, obwohl sich in dieser Zeit der Leitzins um 1,25 Prozentpunkte bewegt hat.

Für Sparanlagen mit einer Laufzeit von drei Jahren erhöhten die Banken im gleichen Zeitraum die Zinsen immerhin schon durchschnittlich um rund 1 Prozent. Diese Geschäftspolitik lässt sich derzeit bei den meisten Banken beobachten.

Dennoch ist es möglich, Tagesgeldangebote zu finden, die im Bereich des Leitzinses von 3,25 Prozent liegen. Sie kommen meist von Direktbanken wie der Akbank oder der Denizbank, die kein kostenaufwendiges Filialsystem unterhalten und sich auf ein schmales Produktangebot beschränken. Mit ihren überdurchschnittlichen Zinsangeboten versuchen sie, auf dem umkämpften deutschen Privatkundenmarkt Fuß zu fassen.

ING-Diba erhöht auf 2,75 Prozent

Die ING-Diba, die in Deutschland die meisten Tagesgeldkonten verwaltet, hat Mitte Oktober ihre Zinsen auf 2,75 Prozent pro Jahr erhöht. Damit liegt sie im oberen Drittel unseres Zinsdauertests. Doch allein zwölf Angebote für Tagesgeld liegen darüber.

Die aktuelle Zinshöhe ist aber nur ein Kriterium. Wer auf der Jagd nach dem aktuellen Topzins nicht ständig die Bank wechseln will, sollte sich nach einem Institut umsehen, das in der Vergangenheit kontinuierlich unter den Top-Anbietern war. Das gilt zum Beispiel für die ING-Diba, die Santander Consumer Bank und die Denizbank (siehe Tabelle).

Stabile und hohe Zinsen lassen auf eine kundenfreundliche Zinspolitik der Bank schließen. Es gibt aber Banken, die hohe Zinsen bieten, um am Markt bekannt zu werden und neue Kunden zu gewinnen. Doch nach kurzer Zeit senken sie die Zinsen dann wieder.

Kinder helfen beim Steuernsparen

So ganz unbeschwert können sich Anleger über die Entwicklungen auf dem Zinsmarkt jedoch nicht freuen. Denn im Sommer 2006 hat der Bundesrat der Senkung des Sparerfreibetrags zugestimmt. Damit hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dafür gesorgt, dass auch die Zinsen von Kleinsparern ab 2007 steuerpflichtig werden – sofern sie über dem Freibetrag liegen (siehe „Sparerfreibetrag: Ab 2007 fast halbiert“).

Ab 2007 dürfen Ehepaare nur noch 1 602 (Alleinstehende 801) Euro Zinsen inklusive Werbungskostenpauschale jährlich steuerfrei kassieren. Beträge darüber hinaus müssen sie mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern.

Die Steuerpflicht vermeiden können vor allem Anleger mit Kindern, indem sie auch deren Sparerfreibetrag und steuerfreien Grundbetrag nutzen.

Kinder gelten als vollwertige Steuerzahler und verfügen über einen eigenen Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro (mit Werbungskostenpauschale). Außerdem haben sie, wie jeder andere Steuerzahler auch, einen steuerfreien Grundbetrag von 7 664 Euro. Er bleibt im kommenden Jahr unverändert. Kinder können also mit der Sonderausgabenpauschale (36 Euro) ab 2007 steuerfreie Einnahmen von insgesamt 8 501 Euro im Jahr haben.

Dabei können Kinder mehr Zinsen steuerfrei kassieren als ihre Eltern – ohne dass die Bank Zinsabschlagsteuer abzieht, wenn die Zinsen höher als 801 Euro sein sollten. Und so funktioniert es: Im ersten Schritt eröffnen die Eltern auf den Namen ihrer Kinder die Sparkonten. Anschließend beantragen sie beim Finanzamt für ihre Sprösslinge eine Nichtveranlagungs­bescheinigung, im Amtsdeutsch Vordruck NV 1A genannt.

Sie bestätigt, dass die Einnahmen des Kindes nicht höher als 8 501 Euro (2006: 9 121 Euro) im Jahr sind und es nicht steuerpflichtig ist. Das Finanzamt stellt sie für bis zu drei Jahre aus. Wenn die Eltern die Nichtveranlagungsbescheinigung bei der Bank vorlegen, zahlt diese ihnen die Zinsen steuerfrei aus, auch wenn der Sparerfreibetrag schon überschritten ist.

Den gesamten steuerfreien Betrag der Kinder auszuschöpfen, ist aber nicht immer empfehlenswert: Denn wenn ihre Gesamteinkünfte über 350 Euro im Monat liegen, dürfen sie nicht mehr beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichert sein.

Das erlaubt die gesetzliche Krankenvers.
12 x 350 Euro Freigrenze: 4 200 Euro
+ Sparerfreibetrag 2007: 750 Euro
+ Werbungskostenpauschale: 51 Euro
Summe: 5 001 Euro

Kinder können also problemlos Zinsen in Höhe von 5 001 Euro steuerfrei erhalten, wenn sie darüber hinaus keine weiteren Einkünfte haben.

Eltern müssen sich aber klar darüber sein, dass mit der Kontoeröffnung den Kindern das Geld gehört. Sind sie älter als 18, können sie darüber frei verfügen. Bevor sie volljährig sind, dürfen die Eltern das Geld nur im Rahmen des elterlichen Sorgerechts und nicht für eigene Anschaffungen verwenden. Kaufen sie bald nach dem Übertrag von dem Geld ein Auto, wird das Finanzamt skeptisch und könnte sie auffordern, die Zinsen für die entnommene Summe nachzuversteuern.

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