Der große Zinstest: Nur keine Umstände

Sparer müssen sich nicht den Kopf über die künftige ­Zinsentwicklung zerbrechen. Sie können auch mit den Top-Angeboten von heute vorlieb nehmen.

Zinspapiere sind so unterschiedlich gestrickt, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Sparangebote mit oder ohne Kündigungsmöglichkeit, für kurze oder lange Laufzeiten oder aber doch lieber einen Fonds? Alles geht.

Anleger, die wissen, wie lange sie ihr Geld entbehren können, erhalten mehr Zinsen als solche, die eine kündbare Anlage wollen. Die besten Angebote für Laufzeiten von einem bis fünf Jahren machen die GarantiBank, die Finansbank und die Kocbank – alle aus den Niederlanden

Alle drei zahlen die Zinsen jährlich aus. Das gilt für die meisten Bank­angebote ohne Kündigungsmöglichkeit. Besser für den Vermögensaufbau sind Sparverträge, bei denen die Zinsen wieder angelegt werden. Sie werden dann im nächsten Jahr mitverzinst und der Anleger profitiert vom Zinseszinseffekt.

Unabhängig davon, ob die Zinsen aus­geschüttet oder angesammelt werden, ist es steuerlich wichtig, dass die Zinsen aus Sicht des Finanzamts dem Anleger jedes Jahr zufließen. Fließen die Zinsen jedoch wie beim Bundesschatzbrief Typ B erst am Ende der Laufzeit zu, können sie im letzten Jahr den Freibetrag übersteigen. In unserer Untersuchung haben wir nur Angebote berücksichtigt, bei denen die Zinsen jährlich ausgewiesen werden.

Mit Kündigungsmöglichkeit

Wer flexibel bleiben will und sich die Laufzeit offen halten möchte, dem gibt Finanztest zwei Empfehlungen: Er kann entweder verschiedene Produkte und Laufzeiten mischen oder er wählt aus den Sparangeboten der Kreditinstitute eines mit vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit.

Mit den Sparangeboten der Banken sind Anleger derzeit am besten bedient. Sie schließen einfach einen Vertrag und kassieren regelmäßig Zinsen. Alle Angebote lassen sich, ähnlich wie der Bundesschatzbrief, spätestens nach zwölf Monaten kündigen. Meist kann man dann mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten über das Geld verfügen.

Um die Anleger trotz Kündigungsoption lange an sich zu binden, haben die Banken die Sparanlagen mit einer Zinstreppe ausgestattet. Jährlich steigt der Zins: beim „Topzins“ der BHW Bank zum Beispiel von 2,75 Prozent im ersten Jahr auf 5,25 Prozent im sechsten. Dennoch sollte man sich nicht von den 5,25 Prozent blenden lassen. Denn die durchschnittliche jährliche Rendite beträgt nach sechs Jahren 3,71 Prozent.

Nur die jährliche Rendite garantiert eine Vergleichbarkeit zwischen den Produkten. Die Banken sind jedoch nicht verpflichtet, sie anzugeben. Gerne nennen sie dem Kunden stattdessen den durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs der Anlage. Doch hier rechnen sie die Zinsen der bisherigen Laufjahre mit ein. Durch den Zinseszinseffekt ist der Wertzuwachs jedoch immer höher als die Rendite.

Strafe für Aussteiger

Einige Anbieter versuchen nicht nur mit einer steilen Zinstreppe Anleger an sich zu binden, sie bestrafen auch diejenigen, die vor Laufzeitende kündigen. Das macht beispielweise die SEB Bank mit ihrem „Kapitalsparbuch“. Anleger, die nicht die vereinbarte Laufzeit einhalten, müssen eine Strafgebühr zahlen. Pro 50 angelegte Euro zahlt der Aussteiger 25 Cent.

Ähnlich verfährt die Stadtsparkasse München. Sie zahlt für das Jahr der Kündigung nur den deutlich niedrigeren Sparbuchzins. Anleger sollten solche Produkte meiden.

Bundesschatzbrief unattraktiv

Eine kostenlose Ausstiegsmöglichkeit und sehr gute Zinsen bieten neben der BHW Bank auch noch die Gallinat Bank und der Cosmos Finanzservice (siehe Tabelle „Einmalanlagen mit vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit“). Wer jedoch einen Sparvertrag mit Kündigungsmöglichkeit abschließen will, der länger als sieben Jahre läuft, wird enttäuscht. Keine Bank bietet längere Laufzeiten.

Da Sparprodukte mit Kündigungsmöglichkeit ähnlich funktionieren wie Bundesschatzbriefe, haben wir ihre Ren­diten als Messlatte angelegt. Sparanlagen sollten auf jeder Stufe der Zins­treppe das Bundespapier deutlich übertreffen. Nur so schneidet der Anleger auch bei vorzeitigem Ausstieg nicht zu schlecht ab. Dieses Kriterium erfüllen die meisten der untersuchten Angebote.

Die Renditen für Bundesschatzbriefe sind derzeit schlecht. Wir haben sie am Tabellenanfang („Einmalanlagen mit vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit“) abgedruckt. Interessant sind Bundesschatzbriefe nur für Anleger, die so kleine Summen anlegen, dass sie nicht auf die Mindestanlagebeträge der Banken kommen. Sie liegen meist zwischen 1 000 und 5 000 Euro. Bundesschatzbriefe gibt es dagegen schon ab 50 Euro.

Passend mischen

Anleger, die sich Zinsen sichern und flexibel bleiben wollen, können sich auch einen Mix aus Produkten mit unterschiedlicher Verfügbarkeit zusammenstellen. Dies ist besonders bei großen Anlagesummen sinnvoll.

Solche Anleger splitten ihre Anlagesumme und suchen sich für einen Teil des Geldes aus den Tabellen für Einmalanlagen mit Kündigungsmöglichkeit für ihre Anlagedauer das beste Angebot aus. Einen kleineren Teil sollten sie in Tagesgeld oder Geldmarktfonds investieren. Mit dieser Strategie haben sie immer einen Notgroschen in Reserve, profitieren aber auch von den höheren Zinsen der unflexiblen Sparangebote.

Spitzenreiter für kurze Laufzeiten

Gute Tagesgeldkonten bieten derzeit ähnlich hohe Zinsen wie das beste Festgeldangebot für 180 und 270 Tage. Im Unterschied zum Festgeld dürfen die Banken die Zinsen bei Tagesgeld jedoch täglich ändern. Festgeld bietet also für die entsprechende Laufzeit eine bessere Planungssicherheit.

Auf Tagesgeldkonten sollten Anleger nur den Notgroschen anlegen. Gleiches gilt für Geldmarktfonds. Denn andere Geldanlagen bieten meist einen höheren Ertrag.

Die Renditen verschiedener Geldmarktfonds unterscheiden sich in den zurückliegenden drei Jahre wenig. Zwischen dem besten und schlechtesten Geldmarktfonds liegt gerade mal ein Renditeunterschied von 1,6 Prozentpunkten. Bei kurzen Laufzeiten von einem Jahr sieht es schon anders aus (siehe Fonds im Dauertest, Tabelle „Geldmarktfonds Euro“). Hier bescherte der H&A Universal Geldmarktfonds seinen Anlegern sogar ein Minus von rund ­­­3 Prozent. Das ist zu viel.

Anleger, die sich nicht den Kopf über Zinsänderungen zerbrechen und in das aktuell beste Festzinsangebot investieren, können bei fallenden Zinsen aufatmen. Dann stehen sie sich nämlich gut da, weil sie sich die besseren Zinsen ge­sichert haben.

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