Der Fall Meldung

Wehr­hafter Eigentümer: Ludwig Wald­mann.

Was tun, wenn man als Wohnungs­eigentümer der eigenen Verwaltungs­firma nicht über den Weg traut? Man fragt nach und handelt, so wie es Eigentümer Ludwig Wald­mann getan hat. Er hat dafür gesorgt, dass seine Immobilie nun von einer anderen Firma verwaltet wird – gegen den Widerstand der alten Verwaltung, die sogar vor Gericht zog. Finanztest schildert seinen Fall.

Plötzlich mehr Kosten für Versicherung

Ludwig Wald­mann aus Frank­furt am Main prüfte die Jahres­abrechnung für seine Eigentums­wohnung und stutzte: Warum bezahlte die Eigentümer­gemeinschaft in Frank­furt am Main rund 6 000 Euro pro Jahr für die Gebäude­versicherung? Waren es zuvor nicht rund 3 400 Euro gewesen? Der ehren­amtliche Beirat fragte darauf­hin die Verwalterfirma, die Impuls Immobilien-Verwaltungs GmbH. Die musste einräumen, dass sie die alte Versicherung gekündigt und einen neuen Vertrag abge­schlossen hatte – ohne Beteiligung des Beirats. Der Bruder des Geschäfts­führers, ein Versicherungs­makler, hatte die neue Police vermittelt.

Verwaltung wird abge­setzt

Wald­mann fühlte sich getäuscht. Eine Versicherung muss die Verwaltung „in Abstimmung“ mit dem gewählten Beirat abschließen. Das steht im Anhang des Verwalter­vertrags. Gemein­sam mit 16 weiteren Eigentümern forderte Wald­mann eine außer­ordentliche Eigentümer­versamm­lung. Tages­ordnungs­punkt Nummer eins: die vorzeitige Abberufung des Verwalters. Eine Mehr­heit stimmte im Februar dieses Jahres dem Antrag zu.

Verwaltungs­firma zieht vor Gericht

Die geschasste Verwaltungs­firma zog gegen die Abberufung vor Gericht – und unterlag. Das Vertrauens­verhältnis zum Beirat sei zerstört und eine weitere Zusammen­arbeit für die Eigentümer nicht zumut­bar, attestierte das Amts­gericht Frank­furt am Main (Az. 33 C 1123/12 (26), nicht rechts­kräftig). Der Geschäfts­führer der Firma war für eine Stellung­nahme nicht erreich­bar.

Kein Einzel­fall

Schon einmal ist ein Verwalter über den aufmerk­samen Eigentümer Wald­mann gestolpert. Dieser Amts­träger hatte wieder­holt eine falsche Jahres­abrechnung vorgelegt. Wald­mann forderte immer wieder eine Korrektur. Als die Verwalter­bestellung auslief, wollte der Verwalter nicht mehr antreten.

Tipp: Prüfen Sie, ob die Jahres­abrechnung nach­voll­zieh­bar ist und vergleichen Sie die Zahlen mit den Angaben aus dem Vorjahr. Sprechen Sie mit dem gewählten Verwaltungs­beirat, falls Ihnen etwas auffällt. Sie können auch selbst nach­forschen: Im Büro des Verwalters darf jeder Eigentümer die Unterlagen einsehen, urteilt der Bundes­gerichts­hof (Az. V ZR 66/10).

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