Der Fall Meldung

Mit dem Eimer müssen sich Mieter notfalls Wasser anderswo besorgen, wenn der Vermieter das Wassergeld nicht zahlt. Die Wasserbetriebe dürfen die Leitung sperren.

Das Schreiben der Berliner Wasserbetriebe an Lars Wenk* hatte es in sich: Wenks Vermieter schulde den Wasserbetrieben über 34 000 Euro und die laufenden Rechnungen zahle er auch nicht. Wenk solle deshalb mit den Mitmietern eine Notgemeinschaft bilden und das Wassergeld künftig direkt zahlen.

Zudem solle die Notgemeinschaft einen Teil der alten Vermieterschuld begleichen. „Sollte keine Notgemeinschaft gebildet werden und sollte auch keine Zahlung erfolgen, beabsichtigen wir (...) die Wasserlieferung einzustellen.“

Ein starkes Stück. Wie seine Mitmieter hatte Wenk stets den Betriebskostenvorschuss an den Vermieter gezahlt. Doch dieser hatte den für das Wasser bestimmten Teil nicht weitergeleitet.

Dass Mieter ohne eigenes Verschulden von der Wasserversorgung ausgeschlossen werden können, ist schwer zu glauben. Doch so steht es im Gesetz. Wasserbetriebe dürfen den Hahn zudrehen, wenn ihr Vertragspartner – außer in Hamburg ist das stets der Vermieter – nicht zahlt.

Zeigt sich der Versorger nicht kulant und springt auch die Gemeindeverwaltung nicht ein, um soziale Missstände zu verhindern, müssen Mieter im schlimmsten Fall zweimal zahlen. Sie können nicht einmal verlangen, dass die Wasserwerke vorher gerichtlich gegen den säumigen Vermieter vorgehen.

In Berlin sind diese Fälle bislang stets glimpflich ausgegangen. Die Wasserbetriebe berichten von rund 160 Mietshäusern, in denen in den vergangenen Jahren eine Sperre vorbereitet wurde. Langfristig durchgezogen wurde sie aber nie – auch nicht im Fall von Lars Wenk.

Er hat mit seinen Mitmietern eine Notgemeinschaft gebildet und zahlt nun für Wasser direkt an den Versorger. Wenk hat mit den Wasserbetrieben verhandelt und sich nicht von den Drohungen beeindrucken lassen. Für alte Außenstände seines Vermieters müssen er und die Mitmieter nun doch nicht zahlen.

Tipp: Betroffene Mieter sollten sich organisieren und die Beratung der Wasserbetriebe nutzen. So finden sie heraus, wie die Wasserkosten am gerechtesten verteilt werden. Ihre Nebenkostenvorauszahlungen an den Vermieter können sie dann natürlich kürzen. Um bei dieser Minderung nichts falsch zu machen, ist eine Beratung beim Mieterverein ratsam.

*Name von der Redaktion geändert.

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