Der Fall Meldung

„Als der Vermittler uns drängte, bestehende Versicherungsverträge zu kündigen und bei ihm neue abzuschließen, wurde ich misstrauisch“, sagt Bettina Rössler*. Glück für sie und ihren Mann. Hätten die Eheleute aus Eberswalde sich auf das Angebot des Strukturvertriebs AFA (Allgemeine Finanz- & Assekuranzvermittlungs GmbH) eingelassen, wäre das ein schlechtes Geschäft für sie gewesen.

Der AFA-Berater riet, ihre Lebensversicherungen und Bausparverträge aufzulösen und mit dem ausgezahlten Geld vier fondsgebundene Lebensversicherungen bei der AFA abzuschließen. „Über die erheblichen Verluste durch eine vorzeitige Kündigung unserer Verträge und über die Kosten der Neuabschlüsse wurden wir nicht informiert“, so Frau Rössler.

Stattdessen verwies der Versicherungsverkäufer auf die Renditeerwartung der fondsgebundenen Police „PrismaLife“. Tatsächlich verzeichnete der „AFA Global Selection-Fonds Warburg“ (WKN 515 376), der der Police zugrunde liegt, in den eineinviertel Jahren seines Bestehens jedoch einen Wertverlust von rund 28 Prozent.

Für 15 Jahre sollten sie und ihr Mann, für je 35 Jahre die beiden Kinder an die Verträge gebunden sein und monatlich je 50 Euro Beiträge zahlen. Eine Kündigung solcher langfristiger Lebensversicherungsverträge ist nur unter erheblichen Einbußen möglich.

Die Rösslers unterschrieben zunächst die vier Versicherungsanträge, kündigten aber ihre bestehenden Verträge nicht, „obwohl der Herr von AFA schon alles fertig vorbereitet hatte und wir nur noch unterschreiben sollten“, erinnert sich Frau Rössler.

Bei der Verbraucherzentrale ließ sie sich dann beraten – und wurde „richtig wütend“. Sie widerrief alle vier Anträge. Innerhalb von 14 Tagen nach der Unterzeichnung des Antrags ist das problemlos möglich.

AFA-Geschäftsführer Sören Patzig bestreitet, dass seine Vermittler Kunden zum Kündigen bestehender Verträge rieten. „Das ist grundsätzlich untersagt“, erklärte er auf Nachfrage von Finanztest. Auch bei den Gewinnerwartungen der Fondspolice seien die AFA-Berater gehalten, den Kunden zu verdeutlichen, dass Renditen von 12 bis 15 Prozent nur langfristig zu realisieren seien.

AFA ist für Verbraucherschützer allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Der Strukturvertrieb mit Sitz in Cottbus ist vor allem in den neuen Bundesländern aktiv und befindet sich zur Zeit massiv auf Expansionskurs. Erklärtes Ziel für dieses Jahr ist es, Neuverträge im Wert von 500 Millionen Euro zu verkaufen. Die Mitarbeiterzahl soll bis zum Jahr 2005 von derzeit etwa 3 500 auf 20 000 Strukturvertriebler anwachsen.

* Name von der Redaktion geändert.

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