Der Fall Meldung

Christiane Boldin musste bis vors Finanzgericht ziehen, damit das Finanzamt ihr häusliches Arbeitszimmer anerkennt.

Den jüngsten Geburtstag ihrer kleinen Tochter wird Christiane Boldin nicht so schnell vergessen. Während der Kinderparty bekam sie unerwartet Besuch. Eine Mitarbeiterin vom Finanzamt Berlin-Reinickendorf wollte Frau Boldins häusliches Arbeitszimmer ohne Vorankündigung in Augenschein nehmen.

Christiane Boldin kann das Arbeitszimmer als Lehrerin steuerlich mit bis zu 1 250 Euro im Jahr geltend machen, weil sie in der Schule keinen Arbeitsplatz zur Vorbereitung ihres Unterrichts hat. Das Zimmer ist wie ein typischer Arbeitsraum mit Schreibtisch, Schreibtischstuhl und Bücherregal eingerichtet.

Doch die Kontrolleurin vom Amt bemängelte, dass auf dem Sofa im Arbeitszimmer Bettzeug lag. Ausnahmsweise hatte dort eine Freundin des Geburtstagskindes übernachtet. „Das ist schädliche Nutzung“, erklärte die Prüferin und lehnte den Steuerabzug ab.

Dagegen legte die Lehrerin Einspruch ein, denn sie nutzt sonst das Zimmer ausschließlich beruflich. Das Kind hatte nur ausnahmsweise eine Nacht dort geschlafen. Doch das Finanzamt blieb stur. Erst im Verfahren vor dem Finanzgericht erkannte es die kurze Fremdnutzung als Ausrutscher an.

Warum die Reinickendorfer Beamten gegenüber Frau Boldin derart misstrauisch waren, ist unverständlich. Seit Jahren macht sie Werbungskosten aus ihrer Berufstätigkeit als Lehrerin geltend, die das Finanzamt – häufig nach Einspruch – akzeptiert hat. Die Lehrerin hat stets ihre Aufwendungen genau aufgelistet und begründet.

Auch dass die Prüfer unangemeldet nach Hause kommen, ist bei Arbeitnehmern ungewöhnlich. Laut Anweisung der Oberfinanzdirektion Köln dürfen die Ämter nur ausnahmsweise und in der Regel nach vorheriger Ankündigung das häusliche Arbeitszimmer besichtigen (S 2354 - 18 - St 12).

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