Der Fall Meldung

Die Familie Kühl hätte lieber ihren ­Staffelmietvertrag zurück.

Anke Kühl wünscht sich, sie hätte den Staffelmietvertrag für ihre Wohnung in Berlin behalten. Der Vertrag, den sie und ihr Mann 1999 beim Einzug unterschrieben hatten, legte fest, dass die Nettokaltmiete fünf Jahre lang jährlich um 3 Prozent steigen sollte. Im Schnitt etwa 13 Euro pro Jahr.

Anke Kühl ging Anfang 2000 für zwei Jahre in den Erziehungsurlaub. In dieser Zeit lebte die Familie nur von einem Gehalt. Deswegen baten sie den Vermieter, die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin GSW, die im Staffelmietvertrag festgelegte Mieterhöhung einzufrieren.

Dazu war die GSW schnell bereit. In einem Brief an die Familie Kühl verzichtete sie auf den Staffelmietvertrag und bot ihr dafür einen „günstigeren Dauermietvertrag“ an. Die Wohnung kostete danach sogar knapp 20 ­Euro pro Monat weniger.

Die Kühls stimmten begeistert zu. Doch nach gut einem Jahr erhöhte die GSW die Miete. Ab April 2003 kostete die Wohnung satte 88 ­Euro mehr im Monat. Wären sie bei ihrem Staffelmietvertrag geblieben, hätten sie 2003 lediglich rund 14 Euro drauflegen müssen.

Keine Frage, die GSW hat sich bei der Erhöhung durchaus an die rechtlichen Spielregeln gehalten: Mieterhöhungen sind nur alle 15 Monate zulässig und die Miete darf innerhalb von drei Jahren nur um 20 Prozent steigen. Doch die gemeinnützige Vermieterin hat bei der allerersten Gelegenheit die erlaubten 20 Prozent voll ausgeschöpft.

Die GSW hat nach einem empörten Schreiben der Familie die Erhöhung um die Hälfte reduziert – doch nach 15 Monaten kann die nächste Mieterhöhung drohen.

Tipp: Staffelmietverträge sind manchmal besser als normale Verträge. Staffelmieten steigen zwar unvermeidlich, dafür bleiben überraschende Sprünge aber aus.

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