Die freundliche Frau am Telefon stellte sich als Mitarbeiterin der Firma Platonja GmbH aus Schweinfurt vor, berichtet Finanztest-Leser Thomas Beyer*. Sie bat ihn, an einer Umfrage zum Thema Steuerreform teilzunehmen. Der Leser machte mit. Nach etwa vier oder fünf Fragen ließ die Frau die Katze aus dem Sack. Platonja könne ihm helfen, Steuern zu sparen, erklärte sie dem Leser. Näheres solle ein Berater bei einem Hausbesuch erläutern.

Der Anruf überrumpelte Beyer, sodass er tatsächlich einen Beratungstermin vereinbarte. „Dabei hatte ich mit der Firma vorher noch nie Kontakt“, versichert er. Diese Taktik der überraschenden Geschäftsanbahnung per Telefon heißt „Cold calling“. Sie ist in Deutschland verboten.

Platonja-Chef Werner Jonas versichert, dass seine Mitarbeiter das Verbot kennen und nach seiner Anweisung ausschließlich gewerbliche Telefonteilnehmer anrufen. Das ist nicht verboten. Fehler könnten aber immer einmal vorkommen, wie bei Thomas Beyer. Zu der Masche mit der „Umfrage“ sagt Jonas auf Anfrage von Finanztest nichts.

Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben Finanzdienstleistungen von Versicherungen bis Investmentfonds an. Beyer bat um schriftliche Unterlagen, um sich ein Bild von Platonja zu machen. „Mir wurde gesagt, das ginge nicht, das sei zu teuer“, erzählt er.

Auf Anfrage von Finanztest schickte Jonas einige Prospekte von Produkten, die seine Firma vertreibt. Material über Platonja selbst gab es aber nicht. Alle beratenden Mitarbeiter seien selbstständig und wiesen die entsprechende fachliche Qualifikation auf, erklärt Jonas lediglich. Bis Redaktionsschluss war das Unternehmen auch nicht im Handelsregister zu finden. Auf unsere Frage nach einem Eintrag antwortete Jonas nicht.

Als der Berater bei Beyers im Wohnzimmer saß, war wieder die Rede vom Steuernsparen. Der Berater erklärte, Platonja könne bessere Dienste leisten als ein Steuerberater. Denn der müsse beim Finanzamt einen Eid ablegen, dass er seine Mandanten nicht über alle Steuersparmöglichkeiten aufklärt.

Diese Information war nicht nur für Beyer überraschend, sondern auch für den Deutschen Steuerberaterverband, den Finanztest damit konfrontierte.

Platonja erklärte, dass keiner der Mitarbeiter so etwas behaupten würde. Wenn doch, hätte das für den Berater ernste Folgen. Beyer jedenfalls verzichtet auf weitere Beratungen.

*Name der Redaktion bekannt.

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