Ihrer Bank vertraute Eva Toll*, bis die Finanzierung ihrer Immobilie zum Albtraum wurde. Heute klagt die langjährige Kundin der Commerzbank wegen Falschberatung.

Anfang 2000 konnte die Existenzgründerin ihre bisher gemietete Immobilie in Berlin inklusive Nebenkosten für rund 325 000 Euro kaufen: Im Erdgeschoss hatte sie ein Yogastudio eingerichtet und oben wohnte sie mit ihren zwei Kindern.

Sie hatte 227 000 Euro Eigenkapital und wollte davon 180 000 Euro zur Finanzierung einsetzen, den Rest als Rücklage für ihre Firma haben. Sie hätte nur noch einen Kredit über 145 000 Euro aufnehmen müssen.

Der Berater der Commerzbank empfahl ihr jedoch, vier Kreditverträge über insgesamt 272 000 Euro abzuschließen und ihr Eigenkapital lieber anzulegen. Die Geldanlage würde ausreichend Rendite bringen. Davon ließen sich die Kreditzinsen von 6,75 Prozent und die Restschuld locker finanzieren.

Darauf unterschrieb Frau Toll* die Verträge. Zugleich schloss der Berater mit ihr zwei Lebensversicherungen bei der DBV-Winterthur ab. Die Käuferin zahlte sofort 51 100 Euro in ihr Beitragsdepot ein. Ihr restliches Eigenkapital übernahm die Commerzbank in die Vermögensverwaltung.

Doch das Versprechen der Commerzbank ging bis heute nicht auf. Nicht nur, dass die Frau jeden Monat 1 575 Euro Kreditzinsen abzahlen muss, sie muss auch um die Tilgung ihrer Kredite bangen.

Richtig wäre es gewesen, die Belastung so gering wie möglich zu halten. Hätte sie wie geplant mit mehr Eigenkapital die Immobilie finanziert, müsste sie nur rund 785 Euro Zinsen jeden Monat zahlen. Auch die Restschuld wäre wesentlich geringer. Finanztest bat die Bank um Stellungnahme: Diese wies die Vorwürfe wegen Falschberatung zurück. Jetzt geht die Sache vor Gericht.

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