Schlosser Erwin M.* wollte fürs Alter vorsorgen und folgte dem Rat eines Vermittlers der Europäischer Versicherung Service KG (EVS) in Heilbronn. Er zahlte 600 000 Mark in eine Lebensversicherung der britischen Gesellschaft Clerical Medical (CMI) ein. Davon waren 100 000 Mark Eigenkapital, für 500 000 Mark brauchte er einen Kredit. Der Vertrag sollte zehn Jahre laufen. Bei Fälligkeit sollte M. seine Einlage und eine stattliche Rendite erhalten, die der Lebensversicherer vor allem mit dem Fonds Euro-Pool erwirtschaften wollte.

Der Vermittler versprach eine Rendite von mindestens 9 Prozent im Jahr. Die Finanzierung der 500 000 Mark durch die Sydbank sei deshalb kein Problem. Den Kredit samt 7,14 Prozent Zinsen könne M. bei Fälligkeit der Lebensversicherung leicht tilgen. Die übrige Rendite sollte in seine Tasche fließen.

Tatsächlich finanzierte die Flensburger Filiale der dänischen Sydbank alles anstandslos. Gleichzeitig ließ sie sich die Lebensversicherung als Sicherheit abtreten und vereinbarte, dass der Kredit jährlich anhand des aktuellen Werts der CMI-Police neu beurteilt werde. Sinke der Wert unter 90 Prozent, sei allerdings ein Nachschuss fällig, heißt es im Vertrag.

Dieser Fall trat jetzt ein. Der Fonds der CMI-Police erwirtschaftete deutlich weniger als vom Vermittler versprochen. Umgerechnet etwa 70 000 Mark fordert die Bank und droht mit Kreditkündigung, falls Erwin M. nicht zahlt.

Doch M. kann nicht zahlen. Die Bank verhalte sich nicht fair, sagt der Berliner Finanzsachverständige Markus Splisteser. Da die Versicherung zehn Jahre laufe, könne sich der Fonds jederzeit erholen. Die Bank müsse also nur warten. Doch die beruft sich auf ihre Vertragsklausel und besteht auf dem Geld.

Auch Clerical Medical ist verwundert über das Verhalten der Sydbank. Zwar sei der Fonds im Vorjahr hinter den Erwartungen zurückge­blie­ben. Über die Gesamtlaufzeit sei aber ein Ergebnis von im Schnitt 8,5 Prozent Jahresrendite realistisch. Auch 3,5 Prozent Rendite für die CMI-Police seien garantiert. M. will die Bankenpraxis nun vor Gericht prüfen lassen.

* Name der Redaktion bekannt.

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