Der Fall Meldung

Verurteilt: Die Raiffeisenbank in Altusried darf den attraktiven Sparplan nicht kündigen.

Hermann Riebler aus Dietmannsried sieht dem Alter wieder gelassen entgegen. Der Grund ist ein Richterspruch, der ihm attraktive Zinsen auf sein Sparvermögen sichert. Diese Zinsen hatte ihm die Raiffeisenbank im Allgäuer Land 2002 gestrichen. Das Landgericht Kempten rückte die Sache nun gerade.

Mitte der neunziger Jahre hatte Riebler - wie über 500 andere Kunden – bei der Raiffeisenbank einen Vermögensaufbauplan abgeschlossen. 20 Jahre wollte er zur Altersvorsorge monatlich einen festen Betrag einzahlen. Dafür sollte es Zinsen geben, die schrittweise von erst mageren 4,5 Prozent bis auf 6,25 Prozent ab dem 13. Jahr steigen sollten. „Flexibel, sicher, ertragreich“, so warb die Bank für das Sparen mit Zinstreppe.

Doch die Bank ließ die Kunden im Regen stehen. Im Jahr 2002 kündigte sie den Sparvertrag. Er sei für die Bank nicht rentabel genug. Riebler war enttäuscht. „Man hatte uns gesagt, auch die Bank sei an den Plan gebunden.“ Mit einer Hand voll anderer Betroffener widersprach er, doch die Bank mauerte.

Sie überwies das schon gesparte Geld und machte ein neues, unattraktives Sparangebot.

Die Kunden zogen vor Gericht – mit Erfolg.

Die Richter stellten fest, dass der Sparplan weiter gelte. Der Vertragszweck, mit festen Zinsen ein Vermögen aufzubauen, sei nicht erreichbar, wenn die Bank einfach aussteigen könnte. Der Kunde sei dann auf Gedeih und Verderb auf ihr Wohlwollen angewiesen. Das könne nicht sein, meinten die Richter im Fall eines Leidensgenossen von Hermann Riebler (Landgericht Kempten, Az. 2 O 1601/02).

So erschienen die Bankvertreter auch gar nicht mehr vor Gericht, als Rieblers Fall an der Reihe war. Riebler bekam ohne Verhandlung Recht und sorgt nun wie geplant für das Alter vor. „Schade nur, dass viele andere Kunden nichts gegen die Bank unternahmen“, findet Riebler. Die hingegen meint immer noch, fair zu den Kunden gewesen zu sein. „Immerhin hatten mehr als 90 Prozent Verständnis und nahmen unser Nachfolgeprodukt an“, sagt Vorstand Herbert Hackspacher. Trotz der eindeutigen Urteile glaubt er, dass er in weiteren Gerichtsverfahren gewinnen würde.

Dieser Artikel ist hilfreich. 535 Nutzer finden das hilfreich.