Der Fall Meldung

Fast 700 Euro hat Herbert Mayer verloren, trotz Kaskoschutz seines Fonds.

Das Angebot: Herbert Mayer war sich sicher: Der „Europa Aktien-Kasko“ ist eine sinnvolle Anlage. Der Fonds orientierte sich am Euro-Stoxx-50-Aktienindex, der die 50 größten Unternehmen der Eurozone umfasst. Bei Kursverlusten würde die Bank die ersten 20 Prozent ausgleichen. Dafür stand das Wörtchen „Kasko“.

Der Mann aus Koblenz hatte das Angebot der Berliner Bank im Jahr 2000 per Post bekommen und investierte rund 5 100 Euro. Als ADAC-Mitglied bekam er die Hälfte des Ausgabe­aufschlags für den Fonds erlassen.

Die Auszahlung: Kürzlich erhielt Mayer seine Auszahlung: Er hatte knapp 700 Euro Verlust gemacht. Der Anleger protestierte, schließlich war er versichert. Doch die Bank blieb hart.

Der Hintergrund: Schon ein Jahr nach Mayers Einstieg begann eine Talfahrt an der Börse. Nach vier Jahren lag der Euro Stoxx 50 mit 48 Prozent im Minus. Die Bank schlug nun die Verlängerung der zuvor begrenzten Laufzeit vor. Mayer widersprach nicht und gab damit sein Einverständnis. Zum neuen Auszahlungszeitpunkt 2008 lag der Index noch leicht unter dem Einstiegswert. Als Mayer weniger erhielt als seine Einlage, forderte er die Bank auf, den Kaskoschutz einzulösen.

Die erste Tücke: Die Berliner Bank teilte Mayer mit, der Kaskoschutz sei zum Ende der ersten Laufzeit gewährt worden. In der zweiten Laufzeit sei der Kurs gestiegen und der Kaskofall nicht eingetreten. Formal hat die Bank recht.

Die zweite Tücke: Mayer stand auch deshalb schlechter da, weil er vom Kursanstieg nur einen Teil bekam. Jedes Garantieprodukt hat eine Partizipationsrate: Durch eine verminderte Beteiligung am Gewinn zahlen die Kunden für die Verlustversicherung. Das hatte Mayer im Angebot übersehen.

Dort ist die Rede von einer „nach oben unbegrenzten Teilnahme an der Kursentwicklung“. Die Partizipationsrate, die „erst am Tag der Auflegung festgestellt wird“, taucht nur am Rande auf. In Mayers Fall lag die Beteiligung am Kursanstieg des Euro Stoxx bei 68,5 Prozent.

Jetzt fühlt sich Mayer übervorteilt – acht Jahre lag das Geld fest und statt Zinsen gab es am Ende Verluste.

Tipp: Lassen Sie sich bei komplexen Geldanlagen umfassend beraten. Dann haben Sie nach einer Falschberatung eventuell Anrecht auf Schadenersatz.

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