Der Fall Meldung

Streit ums Gepäck: Bernd Adam ließ sich von Air Berlin nicht abwimmeln.

Eine Woche Marrakesch kann schön sein. Doch ohne Gepäck macht sie nur halb so viel Spaß. Das musste Bernd Adam erleben, als er im Dezember mit seiner Frau und einer Bekannten verreiste. Als der Flug mit Air Berlin am Zwischenstopp in München verspätet eintraf, schafften es die Reisenden zwar gerade noch zum Weiterflug mit Royal Air Maroc. Das Gepäck aber blieb in München.

Nach drei Tagen ohne Gepäck rief die Gruppe bei Air Berlin an und bekam den Rat, sich das Nötigste zu kaufen und die Belege bei Air Berlin einzureichen. Bernd Adam und seine Mitreisenden kauften etwas Wäsche und Hygieneartikel, meldeten sich nach der Reise bei Air Berlin und fragten nach ihrem Gepäck und der Erstattung. Doch Air Berlin wiegelte plötzlich ab. Zuständig sei Air Maroc.

Als Finanztest bei Air Berlin nachfragte, bekräftigte die Fluglinie ihren Standpunkt. Zuständig sei die letzte Fluglinie, also Air Maroc. Im Montrealer Abkommen, den internationalen Haftungsregeln für den Flugverkehr, steht das aber anders. Danach dürfen sich Reisende auch an die Fluglinie wenden, die wegen einer Verspätung den Gepäckverlust verantwortet. Absprachen der Fluglinien untereinander, auf die sich Air Berlin beruft, können die Haftung nicht aushebeln. Offenbar hat das auch Air Berlin eingesehen: Bernd Adam berichtet, dass die Fluglinie den Fall nun doch bearbeitet.

Tipp: Melden Sie Gepäckverluste sofort am Zielflughafen. Wenn Sie eine Pauschalreise machen, müssen Sie möglicherweise auch den örtlichen Mitarbeiter der Reisefirma informieren.

Bleiben Sie ruhig: Die meisten Koffer tauchen binnen zwei Tagen wieder auf.

Müssen Sie kurze Zeit ohne Gepäck sein, helfen manche Fluglinien mit sogenannten Overnight-Kits.

Sind Sie gezwungen sich Dinge wie Unterwäsche oder Hygiene-Artikel zu kaufen, wenden Sie sich an die Fluglinie. Sie haben einen Erstattungsanspruch, den das Kleingedruckte der Fluglinie aber beschränken kann. Ist Ihr Gepäck endgültig weg oder beschädigt, können Sie pro Gepäckstück maximal 1 130 Euro fordern. Das hat der Europäische Gerichtshof klargestellt und darauf verwiesen, dass Passagiere beim Check-in gegen Aufpreis höhere Haftungsgrenzen vereinbaren können (Az. Rs C-63/09).

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