Der Fall Meldung

Charlotte Franz konnte den Hinflug nicht antreten. Da kassierte die Lufthansa für den bereits bezahlten Rückflug erneut. Charlottes Vater klagte erfolgreich.

Auf die Lufthansa ist der Berliner Dr. Ulrich Franz nicht gut zu sprechen. Im Sommer vergangenen Jahres hatte er für sich und seine Familie fünf Tickets Berlin–Köln samt Rückflügen gekauft. Am Abflugtag zeigte sich, dass Tochter Charlotte den Hinflug nicht nutzen konnte. Sie kam auf eigene Faust nach Köln und wollte mit der Familie zumindest wieder zurückfliegen. Doch da machte die Lufthansa nicht mit.

Da Charlotte den Hinflug verfallen ließ, untersagte man ihr die Nutzung des Rückflugtickets. Ihr Vater musste erneut für sie zahlen.

Das Geld (174,43 Euro) forderte er zurück, bekam von der Lufthansa aber nur rund 115 Euro – aus Kulanz. Daraufhin klagte er vor dem Amtsgericht Köln, wo die Lufthansa einknickte und erklärte, den Rest zu zahlen. Das Gericht erließ ein Anerkenntnisurteil (Az. 114 C 612/05).

Die Lufthansa-Juristen haben wohl geahnt, wie das Gericht entschieden hätte: Es hatte die Lufthansa-Praxis in einem anderen Fall bereits 2005 für rechtswidrig erklärt (Az. 117 C 269/04).

Das hält die Fluggesellschaft aber offenbar nicht davon ab, ihren Kunden weiter das Leben schwer zu machen. Sie erklärt, dass sie so Scheinbuchungen verhindern und vertragstreue Kunden schützen wolle. Niemand soll sich Vorteile verschaffen, indem er günstige Hin- und Rückflugtickets statt teurer Einwegflüge bucht. In plausibel begründeten Einzelfällen könnten Mehrkosten ja erstattet werden.

Warum Familie Franz dann erst vor Gericht ziehen musste, bleibt ein Rätsel. Dass sie nicht mittels einer Scheinbuchung Euro schinden wollte, liegt auf der Hand. Zudem hat es die Lufthansa selber in der Hand, über die Preispolitik Scheinbuchungen zu verhindern.

Tipp: Rechnen Sie in solchen Fällen mit einer harten Haltung der Lufthansa. Sie behauptet aber, „plausible Gründe“ für einen ausgefallenen Hinflug zu akzeptieren. Pochen Sie darauf!

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