Der Fall Meldung

Der Berliner Musiker Jochen Neurath fühlte sich schon sicher – doch die Betrüger legten erst Monate später los.

Im April 2003 stahlen Diebe dem Musiker Jochen Neurath die Brieftasche mit Personalausweis, ec- und Kreditkarte. Neurath ließ die Karten umgehend sperren, bekam neue Karten und einen neuen Ausweis. Monate später, im Januar 2004, ermahnte ihn plötzlich die Royal Bank of Scotland, warum er seinen Adresswechsel nicht gemeldet habe und außerdem möge er die ausstehenden 1 300 Euro umgehend begleichen.

Neurath war weder umgezogen, noch war er Kunde dieser Bank. Wenige Tage später schluckte der Geldautomat seine Maestro-Karte (ehemalige ec-Karte). Umgehend wandte er sich an sein Kreditinstitut, die Postbank. Dort erfuhr er, dass er einen negativen Schufa-Eintrag habe und man ihm daher nicht helfen könne. Die Bank sperrte ihm dann den Dispositionskredit.

Neurath forderte bei der Schufa eine Eigenauskunft an und konnte den Inhalt kaum fassen: Auf seinen Namen wurden dort acht Kreditkarten geführt, nur eine besitzt er tatsächlich. Name und Geburtsdatum stimmten in allen Fällen, nur unter der Adresse „Allee der Kosmonauten 200“ hat er nie gewohnt.

Als er Strafanzeige gegen unbekannt stellt, erfährt er von der Polizei, dass es sich wahrscheinlich um eine gut organisierte Bande handelt. Nachdem die Schufa-Einträge gelöscht sind, muss Neurath bei der Postbank schriftlich um Wiederherstellung der alten Konditionen bitten. Er hört eine weitere Woche nichts. Dann kommt der erlösende Anruf der Postbank — gleich nachdem Finanztest die Bank um Stellungnahme gebeten hat.

Dieser Artikel ist hilfreich. 139 Nutzer finden das hilfreich.