Der Fall Meldung

Im Frühjahr 2000 versäumte Dirk Duddeck es, regelmäßig seine Visacard-Abbuchungen von der Allgemeinen Deutschen Direktbank (Diba) zu prüfen. Dann schaute er die Auszüge doch noch durch und fand dabei seltsame Buchungen: 94,66 Mark im Januar, 73,70 Mark im Februar und 29,06 Mark im März – immer zugunsten von „Visaamerica Onl“.

Duddeck fragte am 31. Mai 2000 per Fax bei der Diba nach dem Zahlungsempfänger. Keine Reaktion. Am 16. Juli hakte er nach, doch erst einen Monat später kam die Antwort. Wegen der späten Reklamation seien alle Fristen für eine mögliche Rückbelastung des beanstandeten Betrags abgelaufen. Die Bank verwies auf ihre Vertragsbedingungen, wonach Reklamationen nur binnen eines Monats ab Rechnungsdatum möglich seien. Wer das Geld kassiert hatte, wurde nicht mitgeteilt.

Noch ein Jahr gingen Briefe und Faxe hin und her, bis die Diba-Beschwerdestelle abschließend mitteilte, dass Prüfung und Rückerstattung der reklamierten Buchungen wegen der späten Reklamation unmöglich seien. Duddeck müsse den Schaden selbst tragen.

Dirk Duddeck beschwerte sich bei Finanztest. Wir fragten die Diba nach dem Grund der zögerlichen Bearbeitung und vor allem der Ablehnung. Schließlich dürfen Banken nur vom Kunden angewiesene Abbuchungen einziehen. Buchen sie gefälschte Rechnungen ab, kann der Kunde das Geld noch Jahre später zurückfordern. Bis zum 31. Dezember 2001 lag die Frist bei 30 Jahren, seitdem verjähren solche Forderungen in drei Jahren ab Ende des Jahres, in dem der Kontoauszug zuging.

Diba-Pressesprecher Ulrich Ott entschuldigt die „inakzeptable Verzögerung“ bei der Bearbeitung mit Engpässen durch das im Jahr 2000 besonders rasante Wachstum. Zudem würden solche Buchungsprüfungen durch die notwendige Beteiligung von Kreditkartenunternehmen und Vertragshändler gebremst.

Sollte es zum Missbrauch gekommen sein, verspricht Ott eine Erstattung des Fehlbetrags. Die Vierwochenfrist laut Vertragsklausel würde bei Missbrauch tatsächlich nicht greifen.

Ob Dirk Duddecks Kreditkartenabbuchungen tatsächlich auf Betrug beruhen, werde nun abschließend geklärt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 596 Nutzer finden das hilfreich.