Der Fall Meldung

Helga Schultze sollte für ihre Zinsen einige hundert Euro Steuern zu viel zahlen, weil sie in der Steuererklärung die Günstigerprüfung übersehen hatte. Ihr fiel auf, dass etwas nicht stimmte. Sie wehrte sich mit einem Einspruch.

Helga Schultze aus Offenbach will ein paar hundert Euro Abgeltungsteuer zurückhaben und hat deshalb ihre Zinsen in der Steuererklärung abgerechnet. „Ich zahle weniger, wenn ich meine Zinseinkünfte mit meinem persön­lichen Steuersatz versteuere“, sagt die Rentnerin. „Der ist niedriger als die 25 Prozent Abgeltungsteuer, die das Finanzamt vergangenes Jahr von meiner Bank erhalten hat.“ Ihr Finanzamt sollte das prüfen und ihr die zu viel kassierten Steuern zurückzahlen.

Als im April ihr Steuerbescheid kam, fiel die Rentnerin aus allen Wolken. Das Finanzamt wollte ihr keinen Cent erstatten, stattdessen sollte sie rund 9 Euro nachzahlen.

Die 73-Jährige wandte sich an Finanztest. Schnell war klar: Das Finanzamt hatte gar nicht geprüft, ob der Steuersatz der Rentnerin günstiger ist als die Abgeltungsteuer. Im Bescheid war nur die Kirchensteuer berechnet, die Helga Schultze noch für ihre Zinsen zahlen muss. So kam es zu der Nachforderung von rund 9 Euro.

Wir holten die Günstigerprüfung nach und siehe da: Die Offenbacherin kann einige hundert Euro Abgeltungsteuer zurückbekommen. Wir wunderten uns, warum das Finanzamt das nicht festgestellt hatte und fragten bei der Rentnerin nach, ob sie die Günstigerprüfung denn in Zeile 4 auf der Anlage KAP beantragt hatte. Das hatte die Anlegerin versäumt. Sie legte Einspruch ein und korrigierte ihren Fehler, denn die Einspruchsfrist von einem Monat lief noch.

Die Rentnerin fragte sich aber, ob der Sachbearbeiter die Günstigerprüfung nicht auch von sich aus hätte machen müssen. Bei dem niedrigen Einkommen, das sie versteuern musste, sei doch klar, dass sie Abgeltungsteuer zurückerhalten kann.

Doch das Finanzamt darf den Vergleich nur vornehmen, wenn ein Antrag vorliegt – auch wenn alle Kapitalerträge in der Einkommensteuererklärung stehen.

Tipp: Anleger sollten die Günstigerprüfung unbedingt in Zeile 4 auf der Anlage KAP beantragen, wenn sie ­Abgeltungsteuer zurückhaben wollen. Im Steuerbescheid kontrollieren sie später, ob die Prüfung erfolgt ist.

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