Der Fall Meldung

Das Angebot des Ravensburger Computerhändlers CSE Schauties in der Internetauktion von ebay klang mehr als verlockend: Ein Canon-Drucker mit zwanzig Tintenpatronen und einem USB-Kabel – neu und originalverpackt für nur 1 Euro.

Zu haben war das 1-Euro-Schnäppchen durch einen Klick auf „Sofort kaufen“. Mit dieser Funktion können Käufer bei Ebay Auktionen vor Ablauf der Auktionsfrist beenden, wenn der Verkäufer diese Möglichkeit zuvor eingestellt hat.

Kunde Peter Faller* ließ sich nicht lange bitten. Er klickte auf das Feld und zahlte den Euro. Die Ware aber kam nicht. CSE Schauties stellte sich auf den Standpunkt, es sei doch klar, dass der Preis nicht realistisch sein könne, auch wenn er in der Überschrift gestanden habe. Gültig sei der Preis von 199 Euro, der weiter unten im langen Text des Angebots erwähnt worden sei.

Doch Peter Faller blieb stur und zog vor Gericht. Vor dem Amtsgericht Syke erstritt der Anwalt Lars Kasulke aus der Kanzlei Klein & Partner in Hannover für ihn ein Urteil: CSE Schauties musste für 1 Euro liefern (Az. 24 C 988/04). Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Das Einstellen der Ware mit „Sofort kaufen“-Option für 1 Euro sei ein verbindliches Angebot und es sei ein gültiger Kaufvertrag zustande gekommen, entschied das Gericht. Es verwarf damit das Argument des Anbieters, aufgrund der missverständlichen Preisangaben sei gar kein Vertrag ­zustande gekommen.

Tipp: Wenn es offensichtlich ist, dass falsche Preise zu Lockzwecken eingesetzt werden, sollten Sie auf Lieferung bestehen.

Hat sich ein Händler beim Angebot aber lediglich vertippt oder durch einen Softwarefehler einen falschen Preis angegeben, kann er sein Angebot später wegen Irrtums anfechten. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az. VIII ZR 79/04). Als Käufer können Sie dann jedoch Schadenersatz verlangen, wenn Sie Einbußen erlitten haben, weil Sie auf das vermeintliche Schnäppchen vertraut haben.

* Name von der Redaktion geändert.

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