Der Fall Meldung

Brigitte Kuchel soll für die Misswirtschaft der Märkischen Baugenossenschaft zahlen. Setzt diese sich durch, verliert die Exgenossin 4 100 Euro.

Geht es einer Wohnungsgenos­sen­schaft wirtschaftlich schlecht, hängen auch die Mitglie­der manchmal mit drin. So wie Brigitte Kuchel aus Berlin.

Von 1984 bis 2002 war sie Mitglied und Mieterin der Märkischen Baugenossenschaft. 2 050 Euro Genossenschaftseinlage hatte sie eingezahlt. Als sie im Jahr 2002 austrat, fehlten rund 13 Millionen Euro in der Bilanz der Märkischen. Frau Kuchel bekommt ihre Einlage bis heute nicht zurück. Aber weitaus schlimmer: Sie wurde aufgefordert, 2 050 Euro nachzuzahlen.

Die Baugenossenschaft beruft sich auf Paragraf 73 des Genossenschaftsgesetzes. Dort steht sinngemäß: Tritt ein Genosse aus und ist zu diesem Zeitpunkt die Bilanz der Genossenschaft negativ, muss sich der Austretende am Minus beteiligen – wenn die Satzung eine Nachschusspflicht für den Fall einer Insolvenz vorsieht. So etwas steht tatsächlich im Statut der Märkischen.

Brigitte Kuchel versteht die Welt nicht mehr. Auf die gesetzliche Nachschusspflicht ist sie niemals hingewiesen worden. Hätte sie denn 1984 das ganze Genossenschaftsgesetz lesen müssen?

Vor dem Amtsgericht Oranienburg läuft nun Kuchels Verfahren. Wie es aussieht, ist die Forderung der Märkischen grundsätzlich rechtens. Frau Kuchel kann nur noch hoffen, dass das Gericht ihren Fall als verjährt ansieht, weil die Genossenschaft erst Mitte 2005 Klage eingereicht hat.

Tipp: Erwägen Sie, Genosse der Märkischen zu bleiben, wenn Sie aus der Genossenschaftswohnung ausziehen. Dann müssen Sie keinen Nachschuss leisten, solange die Genossenschaft nicht insolvent wird.

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