Mit den Worten: „Ich komme vom Kinderdienst und möchte mir mal den kleinen Friedrich* anschauen“, erschlich sich eine Mitarbeiterin der Darmstädter Finanzvermittlungsfirma Euroversa GmbH einen Besuchstermin bei der Familie Meier*. Während ihres Besuchs versuchte sie dann, der Familie Geldanlagen aufzuschwatzen.

Zunächst war die Frau unangemeldet bei der Familie erschienen. Nachdem sie nur einen Bruder des Familienvaters angetroffen hatte, meldete sie sich später erneut telefonisch. Beide Male erklärte sie, dass sie vom „Kinderdienst“ komme, sagt Vater Meier.

„Nur weil wir wussten, dass das Jugendamt bei Neugeborenen vorbeischaut, um das häusliche Umfeld zu begutachten, haben wir der Frau überhaupt einen Termin gegeben“, sagt Meier. Bei ihrem Besuch habe die Frau dann erklärt: „Ich komme vom Euroversa-Kinderservice und betreue viele Muttis.“ Sie habe sich erkundigt, wie es denn so mit dem Stillen klappe und ob sie wüssten, wo man billig Windeln kaufen könne.

Erst als die Frau von einer Ausbildungsversicherung für den Nachwuchs sprach und den Abschluss eines Ansparplans empfahl, erkannte das Ehepaar, dass die Frau Finanzvermittlerin ist, und brach daraufhin das Gespräch ab.

Die Euroversa bestritt auf Nachfrage, dass sich Mitarbeiter unaufgefordert bei Familien melden und dabei angeben, dass sie vom „Kinderdienst“ kommen. Auf ihrer Homepage bewirbt die Firma allerdings unter „Euro­versa-Kinderservice“ „individuelle Vorsorgekonzepte“ für junge Familien.

*Namen von der Redaktion geändert.

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