Der Fall Meldung

Rentner Klaus Kaeser aus Weinsberg wollte nicht hinnehmen, dass seine Rente immer erst ein paar Tage nach der Buchung auf seinem Konto verfügbar war. Er reklamierte bei seiner Bank, der Kreissparkasse Heilbronn, und verlangte Zinsen.

Sie wiegelte zunächst ab. Eine Abweichung zwischen dem Tag der Buchungsinformation und dem Tag der Verfügbarkeit sei normal. Das ist sie aber nicht: Banken müssen eingehendes Geld taggleich auf den Konten zinswirksam gutschreiben, hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az. XI ZR 208/96). Auf Nachfrage von Finanztest korrigierte sich die Kreissparkasse Heilbronn. Sie teilte uns mit, ihr Buchungsprogramm geändert zu haben. Buchungstag und Wertstellung seien nun identisch.

Auch alle Sparkassen in Bayern haben ihr Programm ab August 2003 geändert. Das hat seinen Grund: Der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags hatte den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) aufgefordert, bis August zu berichten, in welchen Banken die Rentenzahlung zu spät komme.

Der Bericht liegt inzwischen vor. Demnach folgen von 502 im Verband organisierten Sparkassen 500 den Vorgaben des Bundesgerichtshofs. Seit wann, sagt der Bericht nicht.

Die Kreissparkasse Heilbronn erstattete Klaus Kaeser, der seit Februar 2002 Rentner ist, 6,50 Euro Zinsen. Würden alle rund 10,5 Millionen betroffenen Rentner Verzugszinsen in dieser Höhe reklamieren, müssten Banken und Sparkassen insgesamt mehr als 68 Millionen Euro Zinsen an ihre Kunden zahlen.

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