Der Fall Meldung

Frau Pauline Johannes ärgert sich über Air France. Ihr gebuchter Platz war vergeben.

Drei Wochen Paris sind für eine 86-Jährige kein Pappenstiel. Pauline Johannes stand am letzten Tag am Flughafen Charles de Gaulle und freute sich auf zu Hause. Doch die Dame am Air-France-Schalter eröffnete ihr, dass die Maschine nach Nürnberg leider überbucht und ihr Platz schon vergeben sei. Sie könne die nächste Maschine am späten Abend oder den gleichen Flug einen Tag später nehmen.

Da die alte Dame nicht den ganzen Tag bis abends am Flughafen warten wollte, entschied sie sich für den Flug am nächsten Tag. „Ich hatte gedacht, wenn ich ein Ticket habe und pünktlich einchecke, dann fliege ich auch“, klagt sie.

Falsch gedacht. Um die Maschinen besser auszulasten, buchen die Gesellschaften oft zu viele Passagiere auf ein Flugzeug. Die Betroffenen können wählen zwischen einem Ersatzflug – schnellstmöglich oder nach eigener Wahl – oder der Rückzahlung des Kaufpreises. Zudem erhalten sie Schadenersatz. Bei Flügen bis zu 3 500 Kilometern gibt es 150, darüber 300 Euro. Die Summe halbiert sich bei weniger als 2 beziehungsweise 4 Stunden Verspätung. Frau Johannes bekam das Geld anstandslos. Sie konnte zwischen 150 Euro in bar und 300 Euro Gutschrift wählen.

Zusätzlich müssen die Gesellschaften Unterbringung und Verpflegung übernehmen sowie die Kosten für Telefon und Taxi. Darauf konnte Frau Johannes verzichten, da sie in Paris bei ihrer Tochter wohnte.

Die EU will die Rechte der Passagiere erweitern. Voraussichtlich ab 2004 gibt es für überbuchte Flüge unter 1 500 Kilometer 250 Euro, bis 3 500 Kilometer 400 Euro und darüber hinaus 600 Euro. Das gilt auch für Billigtickets, deren Preis unter der Entschädigungssumme liegt, und für Charterflüge. Schadenersatz muss die Gesellschaft auch dann zahlen, wenn sie einen Flug streicht und nicht mindestens zwei Wochen vorher informiert oder für eine zeitnahe Umbuchung gesorgt hat.

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