Priors, Rieblers, das Ehepaar Jost und wohl viele andere Kunden der Raiffeisenbank im Allgäuer Land sind platt. Sie haben Mitte der neunziger Jahre Vermögensaufbaupläne abgeschlossen, vorwiegend für die Altersvorsorge. Sie sollten bis zu 20 Jahre lang ­einen monatlichen Betrag einzahlen, den die Bank verzinst. Schrittweise sollte der Zins steigen – von damals eher dürren 4,5 Prozent bis auf 6,25 Prozent ab dem dreizehnten Jahr.

Die attraktiven Zinsstufen erreichen die Sparer nun aber nicht. Die Bank hat die Verträge gekündigt, weil sie für sie unrentabel sind. Lapidar erklärte sie den Sparern, die Konditionen am Kapitalmarkt hätten sich geändert. Die Kunden wie Rosemarie Prior sind verblüfft, „von Kündigung war nie die Rede.“ „Im Gegenteil“, sagt Herman Riebler aus Dietmansried, „uns wurde gesagt, die Bank sei an den Sparplan gebunden.“

In der Tat wäre der als „sicher“ beworbene Sparplan mit einem Banken-Ausstiegsrecht sonst nur für die Bank von Vorteil: Sie bekommt Kundengeld zum günstigen Anfangszinssatz und zieht bei Bedarf die Reißleine. Kunden und auch konkurrierende Banken, die zu ihren Kalkulationen stehen, haben das Nachsehen. So mutmaßt Kunde Riebler denn auch: „Wir glauben, dass die Bank den Ausstieg von Anfang an einkalkuliert hat.“

Die Kunden wollen die Kündigungen nun rechtlich überprüfen lassen. Für die Raiffeisenbank steht deren Rechtmäßigkeit außer Frage. Das hat sie Finanztest mitgeteilt, gibt sich ansonsten aber zugeknöpft: Wie das Kündigungsrecht begründet wird, wie viele Kunden betroffen sind, wie diese seinerzeit beraten wurden und wie der Begriff „sicher“ in der Sparplanwerbung zu verstehen ist, wird nicht verraten.

Zudem trickst die Bank: In einer E-Mail an einen enttäuschten Kunden erklärte Bankenvorstand Werner Niessler, dass auch der „Verbraucherschutzverband Bayern“ die Sache für rechtens halte. Das ist nach Auskunft von Andreas Winkler von der Verbraucherzentrale Kempten (die Nisseler gemeint hatte) aber nicht korrekt: „Wir haben bei der Bank lediglich auf kundenfreundliche Lösungen gedrängt und nichts für rechtens erklärt.“

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