Der Fall Meldung

Guter Stil? Kunden halten zu wollen, ist eine schöne Sache. Doch ein freundliches Schreiben der Deutschen Bahn mit kleinem Wiedereinstiegsbonbon wäre wohl besser gewesen.

Guter Stil? Kunden halten zu wollen, ist eine schöne Sache. Doch ein freundliches Schreiben der Deutschen Bahn mit kleinem Wiedereinstiegsbonbon wäre wohl besser gewesen.

Schon als Uwe D. den Umschlag der Deutschen Bahn aus dem Briefkasten nimmt, ist er genervt. Er hatte seine Bahncard 25 fristgerecht gekündigt, doch jetzt fühlte er durch das Papier eine Plastikkarte.

Der Brief enthielt aber keine neue Bahncard, sondern eine NichtsCard. „Da war ich dann richtig sauer. Schlimm genug, dass man die Bahncard nicht von vornherein auf ein Jahr befristen kann, sondern aktiv kündigen muss. Jetzt unterstellt mir die Bahn auch noch, dass ich unwirtschaftliche Entscheidungen treffe“, ärgert sich der Kollege aus der Stiftung Warentest. „Für diese überflüssige Marketingaktion ist Geld da, womöglich finanziert durch die regelmäßigen Preiserhöhungen.“

Den Brief hat die Deutsche Bahn allen Kunden zugeschickt, die seit dem 1. April 2006 ihre Bahncard 25 gekündigt haben. Laut Bahnsprecher Achim Stauß haben nur die unter 60-jährigen Kündiger diesen Brief bekommen. „Die Aktion ist zugegebenermaßen ein unkonventioneller und frecher Weg. Sie erzeugt Aufmerksamkeit und polarisiert“, sagt er. Es gäbe positive und negative Reaktionen. Wie viele Kunden sich aufgrund dessen doch wieder für eine Bahncard entschieden haben, will er nicht verraten.

Kurz vor Redaktionsschluss rief der Pressesprecher noch einmal an: „Diese Mailingaktion ist eingestellt worden.“

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