Rettungsanker für Depressive: Sie brauchen unbedingt Hilfe

Gehen Sie auf jeden Fall zum Arzt oder Psychotherapeuten, wenn Sie schon mehrere Wochen ununterbrochen depressiv sind, Ihren Alltag nicht mehr oder nur mit größter Anstrengung meistern, häufig über den Tod nachdenken, keinen Sinn mehr darin sehen, zu leben, oder so verzweifelt sind, dass Ihnen das Schlussmachen als einziger Ausweg erscheint. Diese Gedanken sind Symptome einer Krankheit. Sie lässt sich behandeln.

Der Weg zur Psychotherapie

Wer psychische Probleme hat, kann einen Psychotherapeuten mit Krankenkassenzulassung direkt, ohne Überweisung eines Arztes aufsuchen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für drei Therapieverfahren: Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie.

Beim Erstgespräch wird die Diagnose gestellt. Danach können bis zu fünf (Psychoanalyse: acht) Probesitzungen stattfinden. Die eigentliche Therapie muss bei der Krankenkasse beantragt und von einem Gutachter befürwortet werden. Die Therapiedauerdauer hängt vom Verfahren ab. Private Krankenversiche­rungen re­geln die Kostenübernahme im Vertrag.

Angst vor Psychopillen

Neben Beratung und Psychotherapie gilt die medikamentöse Therapie einer Depression heute weltweit als eine sichere und effektive Behandlungsmethode. Kaum eine andere psychopharmakologische Therapie ist derart gut erforscht und erprobt. Dennoch sind Vorbehalte gegenüber Antidepressiva weit verbreitet. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, ein Medikament zu nehmen, das ihr Seelenleben beeinflusst. Auch Ärzte üben offenbar Zurückhaltung: Studien zufolge wird nur etwa ein Drittel der depressiv Kranken ausreichend lange und in ausreichender Dosierung mit Antidepressiva behandelt. Effektive und zeitlich angemessene Psychotherapien werden ebenfalls zu selten verordnet. Die größte Erfahrung bei der Behandlung von Depressionen haben Fachärzte für Nervenkrankheiten oder Psychiatrie. Sie können Therapien und Medikamente gezielt einsetzen, kombinieren oder variieren.

Sport als Medizin

Eine Studie an Patienten mit leichten De­pressionen konnte überzeugend den positiven Einfluss von regelmäßig betriebenem Ausdauersport auf den Verlauf der Depression belegen.

Tipp: Wenn Sie bisher Sport getrieben haben, machen Sie weiter, auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können. Wenn Sie ein Bewegungsmuffel waren, suchen Sie Hilfe bei einem Bewegungstherapeuten oder einer Krankengymnastin.

  • Die Adressen finden Sie im Telefonbuch.

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