Durch den Wechsel zu einem billigeren Depotanbieter sparen Anleger oft hunderte Euro pro Jahr. Am güns­tigsten ist Flatex. Internetmuffel sind bei der Post­bank gut aufgehoben.

Mehr als 800 Euro Gebühren im Jahr liegen zwischen der teuersten Filial­bank und der billigsten Onlinelösung für unser Musterdepot mit 30 200 Euro. Bezogen auf den Depot­wert entspricht das einem Rendite­unterschied von fast 3 Prozent. Das ist etwa das Doppelte der Rendite, die Anleger zurzeit mit den besten, sicheren Zins­anlagen erzielen können.

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Gesparte Kosten sind ein sicherer Weg, die Rendite zu steigern. Finanztest hat die Konditionen von 42 Filial- und Direkt­banken anhand von zwei Modell­fällen untersucht. Dazu kommen mit Flatex und Vitrade zwei sogenannte Onlinebroker, die mit der biw Bank zusammen­arbeiten.

Entscheidend waren die Jahres­kosten fürs Depot und die Gebühren für Käufe und Verkäufe von Wert­papieren wie Aktien, Anleihen, Zertifikate und Fonds. Die meisten Anleger können viel Geld sparen, wenn sie zu einem preis­werten Anbieter wechseln. Sie müssen es nur wagen.

Einfache Lösung für Kunden

Für Filial­bank­kunden gibt es oft noch eine einfachere Möglich­keit, die Order­kosten deutlich zu senken. Bei jedem Auftrag können sie zwischen Service und Selbst­bedienung wählen. Wenn sie sich in ihrer Filiale beraten lassen, zahlen sie für die anschließende Wert­papierorder einen höheren Preis als für eine Trans­aktion, die sie selbst am heimischen Computer ausführen.

Ersparnis bei Post­bank und Targo­bank

Die Eigen­initiative bringt spektakuläre Erspar­nisse: Ein Kunde der Post­bank mit unserem mittel­großen Modell­depot kann mehr als 200 Euro, ein Kunde der Targo­bank sogar rund 450 Euro pro Jahr sparen, wenn er alle sechs Kauf- und Verkaufs­aufträge selbst ausführt.

Noch billiger kommen Anleger davon, die im Banken­verbund zum lupenreinen Online­angebot wechseln. Für Sparkassen­kunden liegt der Sparkassenbroker nahe, für Deutsche-Bank-Kunden das Portal Maxblue. Eine Beratung in der Filiale ist nach dem Wechsel aber nicht mehr möglich.

Die meisten Anleger in Deutsch­land zahlen unnötig viel für Lagerung und Handel von Wert­papieren. Nur etwa ein Zehntel des Wert­papier­vermögens deutscher Privat­anleger ist bei Direkt­banken deponiert, der Rest bei Filial­banken.

Filial­banken sind aber die teuerste Adresse. Das betrifft die Verwahrung, vor allem aber den Kauf und Verkauf von Aktien, Fonds und Anleihen, wenn die Kunden nicht die Online­angebote der Bank nutzen.

Bei einer Direkt­bank verzichten Anleger komplett auf den persönlichen Kontakt zu einem Berater und führen alle Kauf- oder Verkaufs­aufträge über Computer oder Telefon selbst aus. Das geht einfacher als viele glauben, setzt allerdings voraus, dass der Anleger keine zusätzlichen Informationen zu seinem Investment benötigt.

Es kann gute Gründe geben, selbst einem teuren Depotanbieter die Treue zu halten. Wenn sich der Kunde dort gut aufgehoben fühlt und Wert auf regel­mäßige Beratung legt, sollte er den Preis für diesen Service auch zahlen.

Vielen Anlegern sind die unaufge­forderten Investmenttipps des Bank­beraters ihrer Haus­bank aber sogar lästig. Sie wissen ohnehin genau, welche Aktien, Fonds oder Anleihen sie kaufen wollen. Warum sollten sie dann nicht zum für sie güns­tigsten Anbieter wechseln?

Manche zögern aus Bequemlich­keit, andere haben Sicher­heits­bedenken. Dabei ist ein Wert­papierdepot bei einer Direkt­bank ebenso gut geschützt wie bei einer Filial­bank. Von einer Bankenpleite ist es in keinem Fall betroffen.

Bleibt der mögliche Widerwille gegen die Abwick­lung von Bank­geschäften übers Internet. Sie ist nicht jeder­manns Sache. Auch müssen Anleger peinlich darauf achten, dass ihre Bank­daten wie Geheimzahlen und die Nummern­listen für einzelne Trans­aktionen nicht in falsche Hände geraten.

Bei vielen Direkt­banken können Anleger die Wert­papierorder auch telefo­nisch über einen Sprach­computer eingeben. Das kostet dann ebenso wenig wie die Onlineorder, ist aber umständlicher. Wollen sie mit einem Bank­mit­arbeiter sprechen, schrumpft der Spar­effekt. Dann ist die Order teurer als ein Onlineauftrag.

Kostenlose Depotführung ist möglich

Die Gesamt­kosten für ein Wert­papierdepot setzen sich aus den Gebühren für die Aufbewahrung und den Order­kosten zusammen.

Die Verlagerung des Depots zu einer Direkt­bank oder einer der wenigen preis­werten Filial­banken bringt schon dann eine deutliche Ersparnis, wenn der Anleger sein Depot nur in Ausnahme­fällen anrührt, also kaum einmal ein Wert­papier kauft oder verkauft.

Die bloße Verwaltung kostet für unser großes Musterdepot mit einem Wert von 101 500 Euro üblicher­weise zwischen 150 und 200 Euro pro Jahr. Die Sparda-Bank Berlin nimmt sogar 305 Euro. Bei den meisten Direkt­banken und einigen Filial­banken kostet die Aufbewahrung gar nichts.

Manche Anbieter knüpfen die kostenlose Verwahrung allerdings an Bedingungen. Bei der Post­bank ist dazu zum Beispiel ein Depotvolumen von 50 000 Euro nötig. Bei Comdirect und Sparkassenbroker reicht bereits ein Fonds­sparplan für ein kostenloses Depot, bei 1822direkt ist sogar nur ein Depot­bestand am Quartals­ende nötig.

Teure Umschichtungen

Die größten Spar­möglich­keiten bieten sich aktiven Anlegern. Wer seine Wert­papiere gern einmal umschichtet, ist bei der Bank­filiale um die Ecke selten gut aufgehoben. Wie viel sich durch den Wechsel zu einem billigeren Anbieter sparen lässt, hängt maßgeblich von der Anzahl der Käufe und Verkäufe ab.

Statistisch gesehen sind für Filial­bank­kunden jähr­lich höchs­tens vier bis fünf Wert­papierorders üblich. Die akti­vere Klientel von Direkt­banken kommt ungefähr auf die doppelte Anzahl.

Wir haben uns mit unseren Musterdepots an diesen Zahlen orientiert und zwei Varianten durch­gerechnet. Die erste geht von einem Anleger aus, der sein Depot mit rund 100 000 Euro weit­gehend laufen lässt und nur im Notfall etwas an seinen Positionen verändert.

Depot­variante zwei unterstellt einen jüngeren, akti­veren Anleger mit einem deutlich kleineren Vermögen von 30 200 Euro. Regel­mäßiges Umschichten seiner Geld­anlagen ist für ihn normal.

Der aktive Anleger kommt bei preisgüns­tigen Direkt­banken mit 150 bis 200 Euro pro Jahr davon, dagegen zahlt er selbst bei den attraktivsten Filial­banken das Doppelte bis Dreifache. Der teuerste Anbieter im Test, die Münchner Bank, verlangt für diese Depot­variante fast 1 000 Euro.

Flatex für aktive Anleger ideal

Erste Wahl für alle, die regel­mäßig Wert­papiere handeln, ist Flatex. Mit einer Order­gebühr von 5 Euro ist der Onlinebroker der mit Abstand güns­tigste Anbieter im Test. Der Preis ist für alle Ordergrößen gleich und bei sehr großen Beträgen äußerst günstig.

Flatex ist sogar eine gute Adresse für sogenannte Heavy Trader: Wer mehrere hundert Trans­aktionen pro Jahr macht, zahlt sich bei herkömm­lichen Banken dumm und dämlich, bei Flatex nicht.

Auch Onvista und Vitrade wenden sich vor allem an sehr aktive Anleger. Vitrade bietet dazu verschiedene Platt­formen mit unterschiedlichen Konditionen. Die HTX-Platt­form ist nur etwas für Leute, die den Börsen­handel zum Haupt- oder Neben­beruf gemacht haben. Das von uns untersuchte „Webtrading“ eignet sich dagegen auch für Normal­anleger, die häufiger kaufen und verkaufen als der Durch­schnitt.

Das Internet­angebot von Onvista ist Börsen­interes­sierten schon lange ein Begriff, die Onvista Bank gibt es erst seit ein paar Jahren. Sie bietet ihrer Klientel interes­sante Konditionen für die Umsetzung ihrer Anlageideen. Der Clou sind sogenannte Free Trades: Wer viel handelt, sichert sich damit im Folgemonat kostenfrei Wert­papierkäufe und kann so den Durch­schnitts­preis für seine Trans­aktionen drücken.

Anleger, die jähr­lich mehr als 100 Trans­aktionen machen, profitieren besonders von diesem Modell. Bei unseren Musterdepots kommt der Vorteil nicht zum Tragen. Für Normal­anleger ist die Onvista Bank deshalb nur Durch­schnitt.

Orders unter 500 Euro sind sehr teuer

Fast alle Banken nehmen für eine Wert­papierorder entweder einen prozentualen Anteil der Anlagesumme oder arbeiten mit Fest­preisstaffeln, die sich an der Anlagesumme orientieren. Flatex ist der einzige Anbieter in unserem Test mit einer echten Flatrate, einer Pauschale für jede Wert­papier­trans­aktion unabhängig von ihrer Größe. Sie ist mit 5 Euro nicht nur günstig, sondern auch trans­parent und kundenfreundlich.

Bei allen anderen Anbietern zahlen Anleger umso mehr, je mehr sie investieren. Direkt­banken ziehen allerdings in der Regel eine Höchst­grenze ein, die selbst bei Riesen­aufträgen nicht über­schritten wird. Sie liegt zwischen 24 Euro (Netbank) und 75 Euro (Augs­burger Aktien­bank).

Filial­banken halten nichts von solcher Deckelung. Für Aktie­norders ist meist 1 Prozent der Anlagesumme als Provision fällig. Eine 20 000-Euro-Order schlägt also mit 200 Euro zu Buche. Zur Erinnerung: Bei Flatex kostet dieselbe Order 5 Euro!

Selbst wer nur sehr selten hohe Beträge investiert, kann also gewaltig sparen, wenn er ein Depot bei einer Direkt­bank eröffnet – warum nicht als Zusatz­depot für eben diesen Zweck?

Prozentual besonders teuer sind bei allen Anbietern sehr kleine Aufträge. Richtig teuer werden Orders unter 500 Euro, wenn die Mindest­gebühr für einen Wert­papierkauf, 25 bis 35 Euro beträgt – wie bei den meisten Filial­banken. Das gilt erst recht bei einer Mindest­gebühr von 50 Euro, wie sie die Münchner Bank verlangt. Von wirt­schaftlich derart unsinnigen Aktionen sollten Anleger die Finger lassen.

Ein Kosten­punkt ist nicht in unseren Test einge­flossen, da er kaum etwas mit der Preis­gestaltung der Banken zu tun hat: die Fremd­spesen. Den Löwen­anteil einer Wert­papierorder machen die Bank­provisionen aus, aber der Gesamt­preis enthält auch andere Posten wie die Maklercourtage oder das Börsen­platz­entgelt.

Meist werden sie direkt von der Bank weitergeleitet. Allenfalls bei kleinen Order­beträgen fallen sie stärker ins Gewicht.

Direkt­handel spart Fremd­spesen

Anleger können Fremd­spesen manchmal vermeiden, wenn sie Wert­papiere außerbörs­lich im Direkt­handel kaufen. Das geht über die meisten Online- und auch über viele Filial­banken im Test.

Gerade bei Zertifikaten ist der Direkt­handel so beliebt wie sinn­voll. Über Platt­formen wie Tradegate (www.tradegate.de) oder Lang und Schwarz (www.ls-d.de) lassen sich auch viele Aktien und Investmentfonds ohne Börsenspesen kaufen und verkaufen.

Anleger sollten dabei allerdings stets den Unterschied zwischen An- und Verkaufs­kurs (Spread) im Auge behalten. Wenn der Spread im Direkt­handel deutlich höher liegt als im Börsen­handel, zahlt der Kunde sogar drauf. 

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