Deos und Anti­transpirantien Test

Schwitzen ist natürlich. Körperhygiene schützt vor Geruch.

Die meisten Sprays im Test schützen vor Achselgeruch. Darunter sind auch Produkte, die keine Aluminiumsalze enthalten.

Als es schnell gehen musste im Supermarkt, geriet Anneliese Weber* ins Schwitzen. „Im Einkaufs­stress habe ich gemerkt, wie es unter meinen Achseln nass wurde“, erzählt sie. „Zum Glück hat es nicht gleich auch noch unangenehm gerochen.“ Anneliese Weber hat als Probandin am Test teil­genommen. Wie bei allen Test­personen bleibt ihr richtiger Name geheim. Anonymisiert war auch das Spray, das sie zum Schutz vor Achselgeruch erhalten hatte. Sie benutzte es mehrere Tage unter einer Achsel – die andere blieb unbe­handelt.

Die meisten schützen zuver­lässig

24 Achselsprays für Frauen, darunter ein Unisex-Produkt, hat die Stiftung Warentest im Labor unter­suchen und von Probanden wie Anneliese Weber anwenden lassen. Alle Sprays sollen vor Achselgeruch schützen. Auf fast jedem zweiten Produkt ist auch eine anti­transpirante, also schweiß­mindernde Wirkung ausgelobt. Diese Sprays enthalten Aluminium­chlorhydrat. Insgesamt 12 Sprays schneiden gut ab, darunter auch alumini­umfreie. 4 sind befriedigend, 6 ausreichend. Zwei Deos versagen: Ombia Body Deospray Exotic Dream von Aldi Süd und Sebamed Balsam Deo Sensitive schützen keine 24 Stunden vor Achselgeruch. Diese Schluss­lichter im Test sind mangelhaft.

In die Kritik geraten

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Die Deutschen sprühen laut Statistik lieber als zu rollen oder zu cremen. Das war schon 1966 so, als wir zum ersten mal Deosprays testeten. Auch fast 50 Jahre später haben wir nur Sprays ins Labor geschickt – darunter 13 mit Aluminium­chlorhydrat. In den Medien werden Aluminiumsalze in Kosmetika kritisch diskutiert. Verbraucher fürchten, dass Aluminium im Körper aufgenommen wird und dauer­hafte Schäden anrichtet, etwa Brust­krebs oder Alzheimer.

Ausreichend wissenschaftliche Belege, die gesundheitliche Beein­trächtigungen durch aluminiumhaltige Kosmetika eindeutig stützen oder widerlegen, gibt es bislang nicht. Nach Auswertung der derzeit vorliegenden Daten kam das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) aber kürzlich zu dem Schluss, dass Verbraucher die Aufnahme von Aluminium vorsichts­halber senken sollten. Auch Gesund­heits­beein­trächtigungen durch Anti­transpirantien schätzte es als möglich ein. Das Bundes­institut ging davon aus, dass Anti­transpirantien üblicher­weise etwa 20 Prozent Aluminium­chlorhydrat enthalten.

Vorsicht nach der Achselrasur

In der Praxis erreicht jedoch keines der von uns im Labor über­prüften Produkte diesen Wert auch nur annähernd. Die höchste Konzentration Aluminium­chlorhydrat enthält Kult Dry Control Deodorant von Aldi (Nord): 7,4 Prozent. Bei allen anderen Sprays liegt sie darunter, zum Teil deutlich.

Für die Produkte im Test räumt das BfR deshalb ein: „Bei Verbrauchern, die diese Sprays einmal am Tag auf gesunder Haut anwenden, ist keine gesundheitliche Beein­trächtigung zu erwarten“. Das sagt Dr. Ariane Lenzner von der Fach­gruppe Sicherheit von Produkten ohne Lebens­mittel­kontakt am BfR. Die Empfehlung, aluminiumhaltige Sprays nicht auf frisch­rasierte Achseln aufzutragen, gilt aber weiterhin. „Durch die Rasur können winzige Haut­verletzungen entstehen, über die mehr Aluminium in den Körper gelangen könnte“, so Lenzner.

Tipp: Wer weder auf rasierte Achseln noch auf Sprays mit Aluminium­chlorhydrat verzichten möchte, sollte sich vor dem Schlafen rasieren. So kann sich die Haut über Nacht erholen, bevor am Morgen das Produkt aufgetragen wird.

Aluminiumsalze erkennen

Enthält ein Spray Aluminium­chlorhydrat, steht das in der Liste der Inhalts­stoffe auf dem Produkt. Zusätzlich kenn­zeichnen viele Hersteller es deutlich als „Anti­transpirant“. Gesetzlich vorgeschrieben ist das nicht, für Verbraucher aber ein wichtiger Hinweis. Aluminiumsalze verengen die Schweiß­drüsen zeit­weise und mindern so die Schweiß­produktion. Einige Hersteller vermeiden den Begriff Anti­transpirant, schreiben aber aufs Produkt, dass es die Schweiß­produktion mindert oder Achselnässe reduziert.

Balea und Fenjal verwirren

Deos und Anti­transpirantien Test

Hinsehen. Fenjal und dm/Balea bezeichnen ihre Sprays als Deos. In den Inhalts­stoff­listen taucht jedoch auch Aluminum Chlorohydrate auf. Das ist ein Aluminiumsalz.

Hinsehen. Fenjal und dm/Balea bezeichnen ihre Sprays als Deos. In den Inhalts­stoff­listen taucht jedoch auch Aluminum Chlorohydrate auf. Das ist ein Aluminiumsalz.

Nichts davon ist auf den getesteten Produkten von dm/Balea und Fenjal ausgelobt. Diese sind nur als „Deospray“ beziehungs­weise „Deodorant Spray“ gekenn­zeichnet. In der Inhalts­stoff­liste auf beiden Spraydosen findet sich aber „Aluminum Chlorohydrate“. Das ist verwirrend für alle, die ganz bewusst Sprays mit reiner Deowirkung ohne Aluminiumsalze suchen. Solche Produkte beein­flussen die Schweiß­produktion nicht. Sie wirken vor allem dadurch, dass sie den Körpergeruch mit Duft­stoffen über­lagern.

Nach Meinung der Stiftung Warentest sollte eine schweiß­mindernde Wirkung durch Aluminiumsalze auf den Produkten immer klar gekenn­zeichnet sein – auch wenn dies keine gesetzlich geregelte Vorgabe ist. Fenjal und dm/Balea wurden deshalb im Prüf­punkt Deklaration und Werbeaussagen mit ausreichend bewertet. Sie kommen als Deodorant daher, in den Produkt­beschreibungen im Internet stellt dm/Balea aber die Anti­transpirant-Formel und den Schutz vor Achselnässe heraus, Fenjal nimmt „24 Stunden Anti­transpirant-Schutz“ für sich in Anspruch.

Tipp: Der Test zeigt, dass nicht jedes als Deodorant deklarierte Produkt frei von Aluminiumsalzen ist. Wer voll­ständig darauf verzichten will, sollte beim Deokauf beachten, dass keine Aluminium­verbindungen wie Aluminum Chlorohydrate in der Inhalts­stoff­liste aufgeführt sind.

Guter Schutz auch ohne Aluminium

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Locker und luftig. Leichte Kleidung lässt die Haut atmen und weniger schwitzen.

Um den ganzen Tag vor Achselgeruch geschützt zu sein, bedarf es keiner Aluminiumsalze. Auch die Deosprays von CD, Aldi (Nord) und Lavera verhindern Achselgeruch gut. Das Nivea Deodorant Fresh Natural wirkt sogar 48 Stunden.

Ob ein Deo so lange vor Schweiß­geruch schützt, wie drauf­steht, haben aufs Riechen geschulte Fachleute geprüft. Sie steckten ihre Nasen unter die Achseln der Probanden – 24 oder 48 Stunden nach dem letzten Auftragen des Sprays, je nachdem, welche Wirk­dauer der Anbieter verspricht. Bei Produkten ohne Zeit­angabe, wie dem 8 x 4 Modern Charme Deo, schnüffelten die Experten nach 24 Stunden. Das Anti­transpirant Fa Sport Invisible Power über­prüften sie nach 48 Stunden, obwohl der Anbieter eine 72-Stunden-Wirkung angibt. Der Grund dafür: Wir schätzen es als unrealistisch ein, dass sich Verbraucher drei Tage nicht waschen und zum Schutz vor Achselgeruch lediglich auf ein einmal aufgetragenes Spray verlassen.

Zum Schwitzen in die Klimakammer

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Feine Nase. Eine geschulte Expertin schnuppert, wie gut die Sprays vor Achselgeruch schützen.

Probanden, die in unserem Auftrag ein Anti­transpirant anwendeten, baten wir auch zum Schwitztest in die Klimakammer. In ihr herr­schen 38 Grad Luft­temperatur und 35 Prozent Luft­feuchtig­keit. Mehr­mals mussten die Test­personen dort ruhig sitzen – zunächst ohne ein Anti­transpirant verwendet zu haben. Mit Kieselgel gefüllte Papiersäck­chen unter ihren Achseln nahmen den in dieser Zeit entstehenden Schweiß auf. Vor und nach dem Schwitztest wurden die granulatgefüllten Säck­chen gewogen. Später mussten die Probanden erneut in die Klimakammer – dieses Mal war eine Achsel mit einem Anti­transpirant behandelt.

Eine gute Note für die Schweiß­minderung vergaben die Tester, wenn die besprühte Achsel entsprechend der ausgelobten Wirk­dauer deutlich weniger Schweiß produzierte als die unbe­handelte Achsel.

Deos und Anti­transpirantien Test

Feine Waage. Granulatgefüllte Säck­chen nehmen im Schwitztest den Schweiß auf. Anschließend werden sie gewogen.

Tipp: Wenn Sie mit Hautrei­zungen oder allergisch auf ein Spray reagieren, sollten Sie die Ursachen vom Haut­arzt abklären lassen. „Am wahr­scheinlichsten ist es, dass Reaktionen im Achselbereich durch Duft­stoffe hervorgerufen werden“, sagt Professor Dr. Axel Schnuch, Dermatologe an der Universität Göttingen. Nehmen Sie zum Arzt­termin das Spray am besten mit.

Anneliese Weber war mit ihrem Test­produkt übrigens nicht zufrieden. „Es ist viel zu schwach“, sagt sie. Die Experten mit den feinen Nasen fanden das auch. Zum Glück gibt es Sprays, die besser schützen – auch im Einkaufs­stress.

* Name von der Redak­tion geändert.

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