Interview: Kein Problem für gesunde Haut

Deodorants Test

Dr. Annett Härtel

Wir sprachen mit Dr. Annett Härtel, Leitende Oberärztin der Klinik für Dermatologie am Vivantes Klinikum Berlin-Spandau.

Enthalten Deos problematische Inhaltsstoffe?

Für gesunde Haut sind die handelsüblichen Deodorants kein Problem. Die Kritik, die manche Medien an einzelnen Inhaltsstoffen üben, finde ich oft haltlos übertrieben. Wissenschaftlich fundierte Belege über das vermeintliche Risiko findet man nicht. Ganz abgesehen davon wird auch oft nicht angegeben, in welcher Dosierung die beanstandeten Stoffe enthalten sind. Dabei hängen Wirkungen und Neben­wirkungen stark davon ab, in welchen Mengen bestimmte Substanzen enthalten sind.

Kann die Haut es übel nehmen, wenn tagein, tagaus ein Deo benutzt wird?

Die modernen Deos werden im Allgemeinen gut vertragen. Wenn sich die Haut dennoch plötzlich rötet, hilft es meist, das Deo vorübergehend abzusetzen.

Was müssen Menschen mit empfindlicher Haut beim Einkauf eines Deos beachten?

Sie sollten Deos kaufen, die frei von Farb- und Konservierungsstoffen, Parfüm und Alkohol sind. Das sind die Substanzen, auf die empfindliche Haut im Allgemeinen sehr sensibel reagiert.

Was ist mit den schweißhemmenden Aluminiumsalzen in vielen Deos?

Die sind sehr sinnvoll, wenn es darum geht, starkes Schwitzen in den Griff zu bekommen. Am besten man trägt diese Antitranspirantien zur Nacht auf, denn während dieser Zeit wird unter der Achsel nicht so stark geschwitzt wie am Tage. Die Mittel können dann besonders gut einziehen und ihre Wirkung entfalten. Allerdings: Bei empfindlicher Haut können sie zu Hautrötungen und Reizungen führen.

Verstopfen sie die Poren?

In der Tat verengen sie die Ausgänge der Schweißdrüsen. Medizinisch gibt es allerdings keine Bedenken dagegen. Schließlich wird die Schweißabsonderung mit handelsüblichen Deos nicht völlig gestoppt, sondern höchstens um die Hälfte reduziert. Außerdem findet der Schweiß genug andere Stellen am Körper, wo er ungehindert austreten kann.

Ist störender Schweißgeruch immer eine Frage der Reinlichkeit?

In den meisten Fällen schon. Es gibt allerdings auch eine Krankheit, Bromhidrosis, bei der die krankhaft vermehrte Schweißproduktion mit stechendem Schweißgeruch Hand in Hand geht. Hier kann der Hautarzt aber helfen.

Was kann der Hautarzt gegen starkes Schwitzen tun?

Wenn abgeklärt ist, dass keine anderen Krankheiten zugrunde liegen, wird mit hohen Konzentrationen von Aluminiumsalzen behandelt. Oder mit Injektionen von Botulinumtoxin, einem Nervengift. Die medizinischen Möglichkeiten reichen über Gleichstromanwendungen, die so genannte Leitungswasser-Iontophorese, bis hin zu operativen Maßnahmen zur Durchtrennung des Nervus sympathicus.

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