Coaching-Verbände: Haupt­sache Mitglied?

Den richtigen Coach finden Special

In Deutsch­land gibt es mehr als zwei Dutzend Verbände für Coaches. Was nützen sie Verbrauchern, die einen Coach suchen? test.de informiert über ihre Aufnahme­kriterien und beant­wortet 13 häufige Fragen.

Verbände achten auf Stan­dards

Dass Verbände als Interes­senvertretung für Coaches nützlich sind, ist klar. Aber was bringen sie Menschen, die einen Coach suchen?

Ein Berufs­verband kümmert sich um Richt­linien und Stan­dards, zum Beispiel im Hinblick auf die Qualifikation seiner Mitglieder. Kurz: Wer dazu gehören will, muss vom Verband aufgestellte Kriterien erfüllen. Verbände sorgen so für die Qualitäts­sicherung in ihrer Branche. Gerade der Coaching-Sektor hat es in dieser Hinsicht nötig, denn Coach kann sich jeder nennen, auch ohne Ausbildung. Die Berufs­bezeichnung ist nicht geschützt. Für Coach-Suchende ist das Engagement von Verbänden gut, weil es die Chance auf Qualität erhöht und das Risiko mindert, an unseriöse Anbieter zu geraten. Konkrete Hilfe bieten Verbände mit Daten­banken auf ihren Websites, in denen ihre coachenden Mitglieder aufgelistet sind. Dort können Verbraucher auf Coach-Suche gehen.

Wie viele Verbände für Coaches gibt es?

In Deutsch­land gibt es verwirrend viele Verbände. Die Stiftung Warentest hat bei ihren Recherchen 27 Verbände und Netz­werke ermittelt, in denen Coaches Mitglied werden können So sind wir vorgegangen. 22 davon haben an unserer Befragung teil­genommen und sind in der Tabelle aufgelistet.

Wie sieht die Verbands­land­schaft aus?

Es gibt große Verbände mit tausenden Mitgliedern und kleine mit gerade mal 25. Es gibt alte Vereinigungen, die seit Jahr­zehnten bestehen, und junge, die erst seit drei bis vier Jahren existieren. Einige richten sich explizit an Coaches, andere haben weitere Berufs­gruppen wie Psycho­logen, Trainer oder Berater im Fokus. Das erklärt auch die teils hohe Differenz zwischen Mitgliedern und gelisteten Coaches in der Daten­bank (siehe Tabelle) und warum die Wörter „Coaching“ oder „Coach“ manchmal nicht im Verbands­namen auftauchen.

Bislang keine geregelte Berufs­ausbildung

Warum existieren in Deutsch­land so viele Verbände?

In Deutsch­land konnte bis heute kein Konsens darüber erzielt werden, was einen guten Coach ausmacht und welche Qualifikationen er haben sollte. Eine geregelte Berufs­ausbildung für Coaches gibt es bis heute nicht. Diese Uneinigkeit spiegelt die Verbands­land­schaft wider. Jeder Verband kocht sein eigenes Süpp­chen und formuliert eigene Qualitäts­kriterien.

Tipp: Die Stiftung Warentest hat Kriterien für Fort­bildungen entwickelt, die einen Einstieg in das Thema Coaching bieten sollen. Wenn Sie wissen möchten, was angehende Coaches nach Ansicht der Stiftung Warentest im Rahmen ihrer Erst­ausbildung alles lernen sollten, werfen Sie einen Blick in den umfang­reichen Kriterienkatalog. Das Infodokument können Sie unter www.test.de/coaching-kriterien kostenlos herunter­laden.

Wie viele Coaches gibt es in Deutsch­land insgesamt? Und wie viele von ihnen sind in Verbänden organisiert?

Experten gehen bundes­weit von rund 8 000 Coaches aus, die sich beruflichen Fragen widmen. In Verbänden organisiert sind laut unseren Recherchen etwas über 7 000. Diese Summe ergibt sich, wenn man die in der Tabelle angegebenen Mitglieder­zahlen in den Coach-Daten­banken der Verbände addiert. Auch wenn man einige Karteileichen und Doppel-Mitgliedschaften berück­sichtigt, lässt sich damit wohl sagen: Die große Mehr­heit der Coaches in Deutsch­land ist Mitglied in einem Verband.

Welche Anforderungen stellen die Verbände an Coaches, die Mitglied werden wollen?

Jeder Verband verlangt etwas anderes. Bei einigen hängt die Latte durch­aus hoch. Da müssen Kandidaten zum Beispiel ein Studium, eine Coaching-Qualifizierung, mehrere Jahre Berufs­erfahrung als Coach und Referenzen von Auftrag­gebern nach­weisen. Anders beim Verband Ganz­heitliches Führungs- und Persönlich­keits-Coaching. Hier genügt allein Interesse am Thema Coaching, um Mitglied zu werden. Wir haben die Aufnahme­kriterien der Verbände in der Tabelle aufgelistet. So können Verbraucher besser einschätzen, was die Mitgliedschaft bei einem bestimmten Verband bedeutet. Coach-Suchende sollten jedoch nicht nur die Aufnahme­kriterien allein vergleichen. Denn einige Verbände fordern beispiels­weise nur den Abschluss einer vom Verband anerkannten Ausbildung. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn die Teil­nahme an der Ausbildung ist in der Regel ihrer­seits an Voraus­setzungen geknüpft. Bei der Systemischen Gesell­schaft (SG) müssen Interes­senten zum Beispiel meist einen Studien­abschluss und mehrere Jahre Berufs­erfahrung nach­weisen. Für den Verbraucher heißt das: Er sollte nicht nur die Anforderungen für die Mitgliedschaft, sondern auch die Anforderungen für die geforderte Qualifizierung hinterfragen. Falls nötig, sind auch diese Anforderungen in der Tabelle aufgeführt.

Zertifizierung durch den Verband

Bei der Coach-Suche stolpert man über Titel wie „dvct-zertifizierter Coach“. Was bedeuten sie?

Coaches können oft nicht nur Mitglied eines Verbands werden, sondern sich darüber hinaus auch von ihm „zertifizieren“ lassen. Das bedeutet, dass sie meist nicht nur die Grund­voraus­setzungen für die Mitgliedschaft erfüllen, sondern einige Anforderungen mehr. Zertifizierte Coaches dürfen einen bestimmten Titel tragen. Dieser beinhaltet die Abkür­zung des Verbands­namens, also zum Beispiel „Coach EASC“ oder eben „dvct-zertifizierter Coach“.

Einige Verbände vergeben gleich mehrere Titel. Warum?

Oft existieren verschiedene Stufen der Zertifizierung, also der Anerkennung durch den Verband. Je mehr Kriterien seines Verbands ein Coach erfüllt, desto höher kann er in der Hierarchie steigen. Ein Beispiel: Wer Mitglied beim DBVC, dem Deutschen Bundes­verband Coaching, werden will, muss unter anderem eine Coaching-Qualifizierung, fünf Jahre Berufs­erfahrung, davon drei als Coach, sowie in der Regel ein Hoch­schul­studium nach­weisen. Diese Mitglieder dürfen sich „Coach DBVC“ nennen. Die nächst­mögliche Stufe ist der „Senior Coach DBVC“. Wer sich so nennen will, muss unter anderem eigene Führungs­erfahrung vorweisen und mindestens sieben Jahre Berufs­erfahrung, davon mindestens fünf Jahre als Coach.

Wie soll man nun damit umgehen, wenn ein Coach sagt, er sei Mitglied im „Verband XY“ und trage den Titel „Coach XY“?

Coach-Suchende sollten unbe­dingt hinterfragen, was genau die Mitgliedschaft und der Titel bedeuten. Dafür können sie zum Beispiel in unserer Tabelle unter „Aufnahme- und Zertifizierungs­kriterien“ nach­schauen oder sich auf der Webseite des jeweiligen Verbands schlau machen. Fakt ist: Je höher die Anforderungen sind, die ein Verband an seine Mitglieder stellt, desto größer ist die Chance für Verbraucher, in seinen Reihen einen qualifizierten Coach zu finden. Eine hohe Anforderung für die Mitgliedschaft ist beispiels­weise eine umfang­reiche Ausbildung und mehr­jährige Berufs­erfahrung, unter anderem als Coach.

Daten­banken erleichtern die Suche

Bieten alle Verbände eine Coach-Daten­bank?

Ja. Alle Verbände in unserem Über­blick verfügen über eine Daten­bank auf ihrer Website und die dort gelisteten Coaches müssen Mitglied im Verband sein – mit zwei Ausnahmen: Bei der Systemischen Gesell­schaft und beim Berufs­verband Deutscher Psycho­loginnen und Psycho­logen müssen Coaches, die in die Daten­bank möchten, eine Zertifizierung des Verbands vorweisen, Mitglied müssen sie nicht sein.

Tipp: Klicken Sie auf die Webadressen in unserer Tabelle, dann gelangen Sie direkt zur jeweiligen Coach-Daten­bank. Über die Start­seiten der Verbands-Home­pages sind die Daten­banken manchmal nur sehr schwer zu finden.

Welche Informationen bieten die Coach-Daten­banken der Verbände?

Coach-Suchende finden dort die Kontakt­daten der gelisteten Coaches und meist auch ein Foto. Im besten Fall erfahren sie, welche Themen, Ziel­gruppen und Branchen der Coach bedient und mit welchen Methoden er arbeitet. Manchmal haben Coaches die Möglich­keit, sich in dem Eintrag etwas individueller zu beschreiben. Das haben wir „Individuelles Profil“ genannt Tabelle.

Hinweis: Bei einigen Daten­banken bleibt es dem jeweiligen Coach über­lassen, was er einträgt und was nicht. Es kann also vorkommen, dass bestimmte Angaben zu einem Coach nicht aufgeführt sind.

Probleme mit unseriösen Coaches

Kann man sicher sein, dass die in den Daten­banken gelisteten Coaches seriös arbeiten?

Eine Garantie gibt es nie. Aber durch die Über­prüfungs­verfahren für Mitgliedschaft und Zertifizierung versuchen die Verbände ja gerade, dieses Risiko zu minimieren. Außerdem müssen Coaches bei fast allen Verbänden schriftlich versichern, dass sie keiner Sekte angehören.

Kann man sich beim Verband beschweren, wenn es Probleme mit einem Coach aus seinen Reihen gibt?

Ja. Die meisten Verbände haben einen Ansprech­partner für Beschwerden, meist ist das die Geschäfts­stelle. Manchmal gibt es auch verbands­interne Ombuds- oder Schlichtungs­stellen.

Tipp: Fragen Sie sich am besten über die zentrale Rufnummer durch. Wenn Sie Ihr Problem lieber einer unabhängigen Stelle anver­trauen wollen, kontaktieren Sie die Evangelische Zentral­stelle für Welt­anschauungs­fragen (www.ezw-berlin.de) oder über www.sekten-info-nrw.de den Verein Sekten-Info Nord­rhein-West­falen (siehe auch das Interview mit Uta Bange ).

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