Demenz Meldung

Eine Reha kann Alzheimer nicht heilen, sich bei vielen Patienten aber günstig auswirken und ihre geistige und körperliche Mobilität verbessern.

Schon wenn Aussicht darauf besteht, dass sich eine Kur oder Reha positiv auf einen Krank­heits­verlauf auswirken kann, müssen gesetzliche Krankenkassen im Einzel­fall zahlen. Das gilt auch für unheil­bare Krankheiten wie Alzheimer. Das zeigt ein Urteil des Landes­sozial­gerichts Baden-Württem­berg. Es entschied, dass die Kasse Reha­kosten über­nehmen muss (Az. L 11 KR 1154/18), selbst wenn der Aufenthalt die Demenz nicht heilen kann.

Der Fall

Eine Alzheimer­patientin und ihr Mann beantragten 2016 eine vierwöchige stationäre Rehamaß­nahme für beide. Fach­ärzte für Neurologie befür­worteten den Aufenthalt. Er sollte helfen, die körperliche und geistige Mobilität der Frau zu verbessern und den Krank­heits­verlauf günstig zu beein­flussen, wenn auch nicht zu heilen. Die Krankenkasse lehnte den Antrag ab.

Wider­spruch

Die Versicherte legte Wider­spruch ein. Dafür hatte sie einen Monat Zeit – ab dem Erhalt der Ablehnung. Für einen Wider­spruch reicht ein von Hand unter­schriebener Brief, am besten per Einschreiben. Manchmal schaltet die Kasse zuvor den Medizi­nischen Dienst der Kranken­versicherung (MDK) ein, der für sie ein Gutachten erstellt. Im Fall der Alzheimer­patientin war das Gutachten nach Ansicht der Richter jedoch nur eine unzu­reichende, spekulative Stellung­nahme.

Klage

Lehnt die Krankenkasse auch den Wider­spruch ab, bleibt dem Versicherten wieder ein Monat Zeit, um dagegen beim Sozialge­richt zu klagen. Weil die Kasse auch den Wider­spruch der Alzheimer­patientin ablehnte, finanzierte sie ihre Reha zunächst privat, legte danach aber Berufung beim Landes­sozialge­richt ein und bekam recht. Der Ablehnungs­bescheid der Kasse sei rechts­widrig, weil sie die individuellen Verhält­nisse sowie mögliche und wichtige Behand­lungs­ziele der Patientin nicht ausreichend geprüft habe.

Tipp: Wie Sie Wider­spruch einlegen, erklären wir Schritt für Schritt in unserem Special Gesetzliche Krankenkasse

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