Der Alltag II: Körperpflege und Tagesstruktur

Nicht nur die Situation beim Kommunizieren, Essen und Trinken verändert sich. Pflegende müssen im Lauf der Zeit auch andere, alltägliche Abläufe für den an Demenz erkrankten Menschen neu organisieren, etwa die Körperpflege sowie Aktivitäten am Tag und Ruhe in der Nacht.

Körperpflege und Kleidung

Hilfe bei der Körperpflege und Hygiene ist für die meisten erwachsenen Menschen ein heikles Thema. Deshalb gilt auch für Demenzkranke: Sie sollten sich möglichst lange selbst waschen, pflegen und anziehen - ihren alten Gewohnheiten gemäß und eingebettet in einen strukturierten Tagesablauf. Oft reicht es aus, alles vorzubereiten. So sollte etwa das Badezimmer geheizt, das Wasser in der Dusche aufgedreht oder in die Wanne eingelassen sein. Seife, Handtücher oder Zahnbürste, gegebenenfalls die Kleidung sollten bereitliegen. Kommt der Zeitpunkt, an dem das allein nicht mehr reicht, müssen Helfer den Kranken weitgehender unterstützen, etwa ihn beim Waschen und Anziehen anleiten. Erst wenn der Kranke gar nicht mehr klarkommt, sollten sie seine Körperpflege vollständig übernehmen.

Tipps

  • Versuchen Sie Gewohnheiten und Gefühle des an Demenz erkrankten Menschen so weit wie möglich zu berücksichtigen. Gerade, wenn Sie bei der Körperpflege helfen müssen, kommt es oft zu Konflikten und Streit. Manchmal ist es für alle einfacher, wenn eine professionelle Pflegekraft die Körperpflege übernimmt.
  • Achten Sie bei der Körperpflege darauf, dass der Raum ausreichend geheizt ist. Wenn Sie Ihren Angehörigen mit dem Waschlappen waschen, sollte ein Teil des Körpers bedeckt bleiben. Dies kommt dem Schamgefühl der Kranken entgegen und schützt vor dem Auskühlen.
  • Wählen Sie zusammen die Kleidung aus. Dabei hilft es, die Kleidungsstücke nach Sommer- und Wintergarderobe zu trennen. Gibt es bestimmte Favoriten, kaufen Sie mehrere Teile davon.
  • Legen Sie die Kleidungsstücke in der richtigen Reihenfolge hin. Achten Sie auf praktische Kleidung mit Reiß- oder Klettverschlüssen und Schuhe zum Hineinschlüpfen.

Herausforderung Inkontinenz

Mediziner sprechen von Inkontinenz, wenn jemand seinen Harn oder Stuhl nicht halten kann. Sie kommt bei demenzkranken Menschen häufig vor. Das kann viele Ursachen haben: Manche Kranke schaffen es nicht, sich schnell genug auszuziehen, finden den Weg zur Toilette nicht mehr oder wissen nicht, dass sie den Toilettendeckel anheben müssen. Solche Probleme lassen sich durch entsprechende Kleidung, ausreichende Beleuchtung des Weges und Kennzeichnung der Toilettentür sowie geöffnete Toilettendeckel häufig beseitigen. Helfen solche Maßnahmen nicht weiter, sollte ein Arzt klären, ob die Inkontinenz medizinische Gründe hat. Kann der Kranke auf Dauer Blase oder Darm nicht kontrollieren, sollten Pflegende Hilfsmittel wie Inkontinenzeinlagen oder -hosen in Betracht ziehen.

Tipps

  • Gehen Sie regelmäßig etwa alle drei bis vier Stunden mit dem Kranken auf die Toilette, etwa nach den Mahlzeiten. Das vermeidet Hektik.
  • Geben Sie dem Kranken tagsüber viel zu trinken, abends eher weniger. Vermeiden Sie abends harntreibende Lebensmittel.
  • Inkontinenzhilfen zum richtigen Zeitpunkt erleichtern die Pflege und geben dem Kranken mehr Freiheit. Vorausgesetzt, sie passen gut und behindern und stören nicht. Lassen Sie sich dazu ausführlich von Sanitätshäusern, Ärzten oder Pflegefachkräften beraten.
  • Ist das Missgeschick passiert, versuchen Sie sachlich zu bleiben und helfen Sie dem Kranken, sich zu waschen, zu trocknen und die Kleidung zu wechseln. Sie sollten die verschmutzte Wäsche direkt waschen oder geruchsdicht lagern.
  • Schützen Sie Betten und andere Möbel mit flüssigkeitsabweisenden Auflagen, die sich waschen lassen. So vermeiden Sie Geruchsbildung.
  • Einen Blasenkatheter sollten Sie nur im Ausnahmefall einsetzen lassen. Infektionen drohen. Zudem verletzen sich viele Demenzkranke, wenn sie versuchen, sich den Katheter zu ziehen.

Struktur für den Tag und die Nacht

Grundsätzlich sollten Tag und Nacht für demenzkranke Menschen immer im gleichen Rhythmus ablaufen. Das bietet ihnen Orientierung und Sicherheit. Die Mahlzeiten bieten dafür wichtige Eckpfeiler. Zwischen den Mahlzeiten sollten körperliche Aktivitäten und Phasen der Ruhe und Entspannung wechseln. Art und Maß orientieren sich an den Wünschen und Vorlieben der Kranken. Genügend Aktivität am Tag ist eine grundlegene Voraussetzung für guten Schlaf. Viele Demenzkranke sind sehr unruhig, so dass die Nachtruhe oft Probleme bringt. Wer nachts schlecht schläft, döst häufig am Tag und umgekehrt. Ein Teufelskreis kann entstehen, der Pflegende und Kranke belastet. Beruhigungsmittel sind aber in der Regel keine dauerhafte Lösung.

Tipps

  • Gehen Sie gemeinsam spazieren. Gerade wenn der Kranke sehr unruhig ist, sind Spaziergänge eine ideale Freizeitbeschäftigung. Sie kräftigen die Muskulatur und verbessern die Koordination. Das hilft Stürzen vorzubeugen. Zudem fördert Sonnenlicht die Gesundheit und hebt die Stimmung.
  • Gartenarbeit aber auch Bepflanzen von Balkonkästen und Blumentöpfen eignen sich besonders für Demenzkranke. Sie spricht viele Sinne an und der Kranke kann sinnvoll arbeiten. Aber auch Musik und Tanz, Malen oder einfache Gesellschaftsspiele können eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sein.
  • Sie sollten die sprachlichen Fähigkeiten des Kranken regelmäßig trainieren, sonst verkümmert sie schnell. Sprechen Sie regelmäßig mit dem Kranken, etwa über die Bilder im Erinnerungsalbum oder lesen Sie ihm regelmäßig etwa aus der Zeitung vor.
  • „Verdeutlichen“ Sie Tageszeiten, indem Sie Tageslicht hereinlassen oder durch eine intensive Beleuchtung unterstützen. In der Nacht sollte es bis auf die Notbeleuchtung wirklich dunkel sein. Nutzen Sie Einschlafrituale.
  • Steht der Kranke nachts auf, heißt es Ruhe bewahren. Unter Umständen ist es einfacher, wenn Sie ruhig mit ihm sprechen und der Aktivität ein Ziel geben - etwa gemeinsam etwas trinken sowie zur Toilette gehen und ihn danach zu Bett bringen.

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