Diagnose Demenz

Über 50 Erkrankungen gehen mit Demenz-Symptomen einher. Je nach Demenzform handelt es sich dabei um eine heilbare oder unheilbare Erkrankung. Medizinisch gilt Demenz als eine fortschreitende Krankheit des Gehirns, die zu einem Verlust der Geistes- und Verstandesfähigkeiten führt. Der Hausarzt ist in der Regel die richtige Anlaufstelle für eine erste Diagnose.

Der Verdacht

Meist führt Leidensdruck Erkrankte oder ihre Angehörigen zum Arzt. Demenz führt zu Problemen - in der Familie, im Alltag oder im Beruf. Anfangs lassen sich erste Symptome einer Demenz wie Vergesslichkeit oder Gefühle von Überforderung überspielen und verdrängen oder mit Stress im Beruf oder Alltag erklären. Zunehmende Orientierungslosigkeit, depressive oder aggressive Verstimmungen sowie der Verlust des Antriebs und Interesses führen zu der Annahme, dass mehr dahinterstecken könnte. Je früher ein Arzt die Diagnose Demenz oder demenzieller Prozess treffen kann, desto besser für den Patienten. Dabei muss ein Facharzt beispielsweise auch eine in der Regel gut behandelbare Depression von einer fortschreitenden demenziellen Erkrankung unterscheiden. So kann der Erkrankte zügig die Behandlung erhalten, die er braucht. Angehörige haben nach einer Diagnose die Möglichkeit, sich rechtzeitig zu informieren und Hilfe zu organisieren.

Tipps

  • Sie haben bei sich oder einem Angehörigen mehr als sechs Monate Probleme beim Erinnern beobachtet? Teilen Sie dies dem Hausarzt mit. Bestehen Sie gegebenfalls auf weiterführende Untersuchungen.
  • Wenn möglich, begleiten Sie Angehörige zum ersten Diagnosegespräch. Bereiten Sie sich vor. Berichten Sie etwa über Auffälligkeiten in Sprache oder Verhalten, über Schlafstörungen oder eine beginnende Inkontinenz. Womöglich können Sie den Zeitraum benennen, seit dem sich die Auffälligkeiten zeigen.
  • Einige an Demenz Erkrankte verleugnen ihre Krankheit. Sie verweigern den Arztbesuch. Informieren Sie den Hausarzt über Ihren Verdacht. Er kann beim nächsten „Routinebesuch“ das Thema von sich aus anschneiden.

Vom Verdacht zur Diagnose

Der Hausarzt sollte mit dem Patienten und den Angehörigen ausführlich über die Beschwerden sprechen. Nur so kann er herauszufinden, ob sie auf eine Demenz oder einen demenziellen Prozess hinweisen. Erhärtet sich der Verdacht, muss die Ursache geklärt werden - am besten mit Hilfe von Spezialisten. Eine Demenz kann zum Beispiel auch durch eine Unterfunktion der Schilddrüse, Vitamin-B12-Mangel oder eine Ansammlung von Nervenwasser in den inneren Hirnkammern ausgelöst werden. Solche Demenzformen sind heilbar, vorausgesetzt sie werden frühzeitig erkannt und behandelt. Ansonsten drohen nicht umkehrbare Schäden. Handelt es sich bei der Demenz um eine unheilbare Erkrankung wie Alzheimer, ist Früherkennung ebenfalls wichtig. Sie hilft den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Tipps

  • Fragen Sie den behandelnden Hausarzt, wie erfahren er im Umgang mit Demenzerkrankungen ist. Fehlt ihm die Erfahrung, ziehen Sie Spezialisten hinzu.
  • Erkundigen Sie sich nach Gedächtnisambulanzen in Ihrer Nähe. Sie bieten sowohl Spezialsprechstunden zu Gedächtnisstörungen als auch die komplette Diagnostik an.

Diagnoseverfahren

Eine Reihe von Diagnoseverfahren helfen, eine mögliche Erkrankung mit objektiven Messinstrumenten und standardisierten Tests zu beurteilen. Dazu gehören psychologische Tests, in deren Verlauf Betroffene zur Beurteilung ihrer Gedächtnisleistung bestimmte Aufgaben lösen sollen. Da eine Demenz im Gehirn passiert und den Untergang von Zellen im zentralen Nervensystem verursacht, haben auch neurologisch-psychiatrische Untersuchungen eine große Bedeutung. Sie helfen Störungen etwa der Motorik, Sensibilität, Koordination, Wahrnehmung oder anderer Funktionen zu finden. Die laborchemische und apparative Diagnostik hilft im nächsten Schritt, nach der Ursache der Demenzerkrankung zu suchen. Darunter fallen zum Beispiel Blut- oder Nervenwasseruntersuchungen, Röntgen oder andere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz- oder Computertomografie. Möglich sind auch genetische Tests. Sie enthüllen in manchen Fällen bestimmte Formen der Demenz.

Tipps

  • Befreien Sie sich oder Ihren Angehörigen von der Vorstellung, bei auch nur einem dieser Tests möglichst gut abschneiden zu müssen. Alle Ergebnisse dienen ausschließlich der Diagnostik.
  • Die Ärzte besprechen - wenn gewünscht - alle Untersuchungsergebnisse mit Ihnen und auch Ihren Angehörigen. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.

Bedeutung der Diagnose

Erst wenn die Ursache für eine Demenz geklärt ist, kann der Patient die für ihn optimale Behandlung erhalten. Die Diagnose hat unmittelbare therapeutische Konsequenzen. Liegt etwa eine heilbare Demenzform vor, kann der Arzt die dahinterliegende Grunderkrankung behandeln, oft heilen. Liegt dagegen eine unheilbare Demenzform vor, hilft eine frühe und möglichst genaue Diagnose dabei, den richtigen Behandlungsplan zu erstellen, etwa Begleiterkrankungen zu erkennen, zu behandeln und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Nicht zu unterschätzen ist zudem die emotionale Bedeutung, die eine klare Diagnose für Betroffene hat. Sie erlaubt dem Patienten, die Abnahme seiner bisherigen Leistungsfähigkeit als krankheitsbedingt zu akzeptieren. Die Familie kann die Veränderung des erkrankten Angehörigen dadurch besser verstehen und akzeptieren. Das wiederum erleichtert die Planung und Organisation der Zukunft.

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