Sport­streaming Dazn Drastische Preis­erhöhung – so reagieren Sie richtig

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Sport­streaming Dazn - Drastische Preis­erhöhung – so reagieren Sie richtig
Streaming­dienst Dazn. Wer rasante Bundes­liga-Zweikämpfe wie hier zwischen Leon Goretzka (FC Bayern München) und Jude Bellingham (Borussia Dort­mund) weiter bei Dazn verfolgen will, soll ab August 29,99 Euro pro Monat statt vorher 14,99 Euro bezahlen. © picture alliance / augenklick/Marcel Engelbrecht

Drastische Preis­erhöhung beim Sport­streaming­dienst Dazn auch für Stamm­kunden: So kommen Sie vielleicht daran vorbei.

Dazn-Preis verdoppelt sich

Der Streaming­dienst Dazn will auch von Bestands­kunden viel mehr Geld haben als bisher. Zum Start der neuen Saison in der Fußball-Bundes­liga soll der Preis von 14,99 auf 29,99 Euro pro Monat und bei Einmalzahlung von 149,99 auf 274,99 Euro pro Jahr steigen. Das Unternehmen verschickt entsprechende Nach­richten an seine Abonnenten. Danach sollen die neuen Preise schon von Montag, dem 1. August 2022, an zu zahlen sein. Bei Kunden mit voraus­bezahlten Jahres­abo soll die Gebühren­erhöhung offen­bar nach Ablauf des Jahres in Kraft treten.

Neuer Preis mit Zustimmung wirk­sam

Ob Dazn von seinen Kundinnen und Kunden eine Zustimmung für die Preis­erhöhung einholen wird oder sich vorbehält, die Preise mit Blick auf eine Vertrags­klausel einseitig zu erhöhen, steht immer noch nicht fest. Das Dazn-Schreiben zur Preis­erhöhung an eine test.de-Leserin, das uns vorliegt, klingt nicht so, als wolle das Unternehmen eine Zustimmung einholen. „Um dir weiterhin den besten Sport anbieten zu können, passen wir den Preis deiner Jahres­mitgliedschaft an“, heißt es in dem Schreiben wörtlich – samt Recht­schreib­fehler. Möglicher­weise holt Dazn trotzdem eine ausdrück­liche Zustimmung ein. Es könnte vor Anzeige von Streams eine entsprechende Aufforderung anzeigen. Wer da auf Zustimmung klickt, muss auch zahlen.

Ohne Zustimmung rechts­widrig

Stimmen Kunden der Preis­erhöhung nicht zu, dürfte sie unwirk­sam sein. Zwar behält sich Dazn in den Nutzungs­bedingungen einseitige Preis­erhöhungen vor, wenn sich die Kosten zum Beispiel für den Erwerb von Sendelizenzen verändern. Wir halten diese Regelung aber für intrans­parent und unfair und daher unwirk­sam. Dazn hat dadurch nämlich die Möglich­keit, neue teure Senderechte zu kaufen und den Preis in ungeahnte Höhen zu treiben. Sofern Dazn die Preise gestützt auf diese Vertrags­klausel einseitig erhöhen will, ist das nach unserer Einschät­zung rechts­widrig.

Solange Kunden nicht zustimmen, müssen sie den neuen Preis nicht bezahlen. Allerdings: Sie laufen Gefahr, dass Dazn ihnen dann kündigt.

Interes­sant für Dazn-Kunden dürfte das Beispiel Netflix sein. Das Land­gericht Berlin hat die Rechts­lage beim Streaming­dienst Netflix beur­teilt. Einzel­heiten dazu: Netflix-Gebührenerhöhungen: Nur mit ausdrücklicher Zustimmung wirksam.

Recht auf Stream auch ohne Zustimmung

Stimmen Kunden der Preis­erhöhung nicht zu, dürfen sie erst mal weiter auf die abonnierten Dazn-Streams zugreifen. Sollte Dazn die Anzeige von der Zustimmung zum neuen Preis abhängig machen, wäre das rechts­widrig. Wenn Dazn Abos zum alten Preis nicht fortsetzen will, darf der Bild­schirm erst schwarz bleiben, nachdem Dazn den Vertrag gekündigt hat.

Dazn-Guthabenkarten zum alten Preis

Noch ein Tipp: Wer noch Dazn-Guthabenkarten, wie sie oft an Supermarkt-Kassen zu haben sind, zum alten Preis bekommt, kann Dazn weiter zum gewohnten Preis schauen. Zumindest in einzelnen Berliner Supermärkten gab es in der vergangenen Woche solche alten Karten noch. Beachten Sie aber: Wenn Sie ein Dazn-Abo haben, müssen sie das erst beenden. Und: Wir haben die Vertrags­bedingungen für Dazn-Guthaben nicht geprüft und können daher nicht sagen, wie lange Sie berechtigt sind, das Guthaben von einer älteren Karte zu nutzen.

Streaming­dienste immer wichtiger

Immer mehr Sport­ver­anstaltungen verschwinden aus den öffent­lich-recht­lichen und privaten Fernseh­programmen und sind nur noch bei Sky, Dazn, Euro­sport und ähnlichen Anbietern zu sehen. Einzel­heiten dazu: Fußball im TV: Welche Spiele wo laufen.

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AlterTester am 26.07.2022 um 18:09 Uhr
Gibts nur eine Reaktion

Auf solch ein Verhalten gibts doch nur eine einzige passende Antwort: Selber das Abo zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen !
Soweit bin ich noch nicht, dass ich bettele, Geld ausgeben zu dürfen und mir deshalb fast 100 % Preissteigerungen gefallen zu lassen. Der Kunde bin immer noch ich !