Day-Trading Meldung

Die Wirtschaftswelt ist ungerecht: Während Otto Normal-Anleger seine Miesen selber zahlt, haben es hartgesottene Zocker leicht, eigene Verluste der Bank aufs Auge zu drücken. So entschied das Oberlandesgericht Hamburg, dass ein Kunde, der ständig Käufe und Verkäufe in kürzester Zeit abwickelte, seine Spekulationsschulden bei der Bank nicht bezahlen muss (Az. 11 U 27/99, nicht rechtskräftig). Begründung: Der Day-Trader wollte nie wirklich etwas erwerben, sondern nur durch laufendes Kaufen und Verkaufen von Währungen Kursgewinne erzielen. Die Devisen hätte er auch gar nicht bezahlen können. Die Bank sorgte dafür, dass er kurzfristig horrende Außenstände durch sekundenschnelle Verkäufe wieder ausgleichen konnte. Das bewertete das Gericht als Differenzgeschäft, das nach dem Gesetz wie eine Wette behandelt wird. Peinliche Konsequenz für die Bank, die dem Zocker immerhin rund 600.000 Mark vorgestreckt hatte: Rückforderung ist ausgeschlossen, wie das auch bei einer privaten Pokerpartie gelten würde.

Discount-Kunden, die bei guter Marktlage Werte durchaus in Sekunden kaufen und verkaufen können, sollten das Urteil nicht als Einladung zum Zocken verstehen. Zum einen wird sich der BGH noch mit dem Richterspruch befassen. Zum anderen schieben die Onlinebroker Zockern bereits Riegel vor. So versichert etwa die Direkt Anlage Bank, dass Kunden nicht auf Kredite für sekundenschnelle Börsengeschäfte hoffen dürften. Auch Discountbroker Entrium, zuletzt wegen laxer Kreditvergabe-Praxis aufgefallen, will jetzt jede Order vor Ausführung mit dem Kundenkonto abgleichen. Würde das Konto ins Soll rutschen, wird der Auftrag storniert.

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