Lovoo, Tinder & Co

„Es ist schwer, gleich­zeitig offen und vorsichtig zu sein“

Lovoo, Tinder & Co - Wie schlud­rig Dating-Apps mit Daten umgehen
Susanne Baumer, Team­leiterin beim Markt­wächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern. © privat

Die Verbraucherzentralen haben Beschwerden von Kunden zu Dating-Portalen ausgewertet. Sie handeln von Abo-Fallen, Fake-Profilen und anderen Schwind­lern.

Lovoo, Tinder & Co Alle Testergebnisse für Daten­sicherheit von Dating Apps 03/2018

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Sie haben 307 detaillierte Beschwerden zu Dating-Portalen ausgewertet. Worüber beschweren sich die Verbraucher?

Viele Kunden haben sich über Abo-Fallen beschwert: Es gibt Probe-Abos, die nicht ausreichend gekenn­zeichnet sind und dann in dauer­hafte Abos übergehen, wenn der Nutzer nicht recht­zeitig kündigt. Oft wird ihm das so erschwert, dass er die Kündigungs­frist nicht einhalten kann. Ein weiteres Problem sind Verträge mit langen Lauf­zeiten, aus denen der Kunde nicht vorzeitig raus­kommt.

Beschwerden gab es auch über Fake-Profile.

Einige Dating-Portale stellen Schreiber ein, die den Nutzern vormachen, sich für sie zu interes­sieren. Mit erfundenen Profilen regen sie zu kosten­pflichtigen Angeboten an. Zwar wird das oft in den AGB erwähnt, aber wenn auf der Start­seite steht „100 Prozent geprüfte Profile“, geht man nicht davon aus, dass es sich um Fake-Profile handelt.

Welche unechten Nutzer gibt es noch?

Es gibt zum Beispiel noch Heirats­schwindler, die sogenannten Love-Scammer. Das sind einzelne Leute oder organisierte Banden, die sich als Dating-Willige ausgeben und unwissende Kunden abzo­cken. Über die Zeit bauen sie Vertrauen auf und bitten dann um Geld.

Lovoo, Tinder & Co Alle Testergebnisse für Daten­sicherheit von Dating Apps 03/2018

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Wie gehen Love-Scammer für gewöhnlich vor?

Sie nutzen die Offenheit der Nutzer aus. Das ist das Gefähr­liche: Wenn ich mich fürs Online-Dating entscheide, muss ich ja offen sein. Es funk­tioniert nicht, wenn man denkt, jeder ist ein Betrüger. So beginnen die Schwindler mit einer normalen Unterhaltung und gehen auf die Punkte ein, auf die der Nutzer anspringt. Ihre Scheinidentität trifft so die Bedürf­nisse des Suchenden.

Wie erkenne ich einen Betrüger am besten?

Die meisten sind nicht bereit, außer­halb des Dating-Portals zu chatten oder sich gar persönlich zu treffen. Sie sind dann plötzlich im Ausland oder umge­zogen. Sehr offensicht­lich wird es, wenn sie nach Geld fragen. Dabei täuschen sie meist vor, in einer Notlage zu sein. Man wird selber aber so reingezogen, dass man die Betrüger gar nicht mehr erkennt.

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3 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

macco85 am 29.08.2018 um 10:30 Uhr
Das Dilemma von Online-Diensten

Das Dilemma der meisten Onlinedienste und Apps ist, dass sie eine Menge Daten benötigen, um Ihre Angebot gut zu erbringen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Suchmaschinen und Partnervermittlungen wenig.
Das ist bei das ist bei Online-Diensten insofern problematisch, da ihre Daten viel leichter multipliziert und verteilt werden können. Insofern ist der Missbrauch mit persönlichen Daten viel schwerwiegender als das beispielsweise beim Anwalt der Fall ist.

GuessWhat am 15.03.2018 um 17:53 Uhr
@Thorsten.Maverick

Ich stimme ihnen zu. Nur sehe ich das Datensendeverhalten nicht als Problem. Um ein solches Angebot (egal ob App oder browserbasiert) sinnvoll nutzen zu können, muss ich unweigerlich persönliche Details von mir preisgeben. Ich möchte ja jemanden kennenlernen. Dazu muss ich etwas von mir preisgeben. Anders geht es nur offline.
Wenn ich bei diesen Diensten logischerweise eh mein Geschlecht, meine Interessen, Hobbys, Alter und auch Bilder von mir angeben bzw. hochladen muss, um die gewünschten Kontakte zu knüpfen, ist das Senden einer eindeutigen Geräte-ID und ähnliches nun wirklich das geringste Problem.
Deshalb finde ich den Test selbst relativ sinnfrei.

Thorsten.Maverick am 08.03.2018 um 11:30 Uhr
Apps sind immer kritisch

Das Datensendeverhalten von Apps ist schwieriger zu kontrollieren, als das von Seiten im Browser. Da hilft nämlich oft ein Werbeblocker. Bei vielen Apps muß man sich mit einem Online Konto anmelden, um sie nutzen zu können. Über die E-Mail-Adresse können dann Daten verknüpft werden. Was in den AGBs steht, ist ziemlich egal, weil man nicht kontrollieren kann, was wirklich passiert.