Anruf in der Arzt­praxis: Wenn das Telefon zum Daten­leck wird

Daten­schutz beim Arzt Test

Mit der Erlaubnis von zehn Patienten prüften wir bei deren Haus­ärzten, ob die Mitarbeiter am Telefon auf Daten­schutz achten. Anrufer aus unserem Prüf­institut gaben sich als Angehörige der Patienten aus und fragten je nach Situation verschiedene Dinge. In manchen Fällen wollten sie wissen, ob ihr Verwandter, den sie vor­geblich suchten, in der Praxis sei. Ansonsten behaupteten sie, sie meldeten sich im Auftrag des Patienten – er sei zum Beispiel gerade verhindert oder heiser. Dann erkundigten sie sich nach Labor­werten oder verordneten Arzneien.

In den Hörer geplaudert

In acht der zehn Praxen gab das Personal freimütig die gewünschten Auskünfte – ohne die Identität oder Berechtigung der Anrufer zu hinterfragen. Wir erfuhren bei unseren Nach­fragen, ob der vermeintlich gesuchte Patient in der Praxis sitzt oder nicht. Es geht aber niemanden etwas an, ob und wo ein Patient behandelt wird. Auch über Labor­werte wurde informiert, inklusive Einordnung wie „Der Wert ist minimal erhöht“. Manche Mitarbeite­rinnen nannten auch wie verlangt die Arzneien. Ferner erzählte eine ungefragt von vergangenen Arzt­besuchen und Dosis­anpassungen und schob hinterher: „Ich sehe hier auch eine Über­weisung für den HNO-Arzt.“

Zurück­haltung bei Rezepten

In zwei der zehn Praxen hielt man sich bedeckt. In beiden Fällen hatten die Anrufer nach Medikamenten gefragt und zudem gesagt, ihr Angehöriger brauche ein neues Rezept. Eine Angestellte bat um Rück­sprache mit dem Patienten, die andere um sein persönliches Erscheinen.

Risiko von Daten­lecks

Es scheint freundlich und service­orientiert, wenn das Personal am Telefon unkompliziert Auskunft gibt – birgt nur leider Risiken. Jeder, der nur ein biss­chen etwas über einen Patienten weiß, kann beim Arzt anrufen und sensible Daten erfragen. Vorstell­bar wäre zum Beispiel, dass Verwandte oder Arbeit­geber nach­forschen, ob jemand wirk­lich wie behauptet beim Arzt sitzt. Oder dass sie Dinge über seine Gesundheit heraus­finden, die er für sich behalten will – etwa eine beginnende Demenz.

Tipp: Haben Sie Verständnis, wenn Praxis­angestellte am Telefon keine Auskunft geben – oder die Berechtigung über­prüfen. Manche Praxen vergeben Pass­wörter oder Code-Nummern, womit sich Patienten am Telefon ausweisen können. Oder sie nutzen Kommunikations­wege, die grund­sätzlich als sicher gelten: Sie geben Infos nur persönlich in der Praxis, per Rück­ruf beim Patienten – ausschließ­lich an ihn selbst – oder per Post in einem verschlossenen Brief­umschlag.

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