Persönlicher Besuch in der Arzt­praxis: Intimes mitgehört

Daten­schutz beim Arzt Test

Wir über­prüften den Daten­schutz in zehn Haus­arzt­praxen vor Ort. Eigens geschulte Testpatienten nutzten dazu einen regulären Termin bei ihrem Haus­arzt. Sie achteten genau auf die räumlichen Strukturen und Abläufe in der Praxis und dokumentierten die Beob­achtungen nach­träglich. Es ging darum, ob sensible Gesund­heits­daten der Tester oder anderer Patienten für unbe­rechtigte Dritte hörbar, lesbar oder anderweitig zugäng­lich waren.

In drei von zehn Praxen wurden sensible Themen öffent­lich erörtert

Der Empfang ging in drei Praxen ohne Tür in den Warte­bereich über. Wer dort sitzt, kann also alles erfahren, was an der Anmeldung mit und über Patienten gesprochen wird. In drei Praxen hörten die Tester sensible Infos mit und konnten die Betroffenen zuordnen – etwa beim Anstehen am Empfang. Einmal ging es um eine Schuppenflechte inklusive Behand­lung; einmal um eine Frau, die schnell einen Platz im Pfle­geheim brauchte. Im dritten Fall wurden Wartende nicht nur mit ihrem Namen aufgerufen, sondern auch mit dem konkreten medizi­nischen Anlass. Ein Beispiel: „Herr Müller, bitte zur Grippe­schutz­impfung.“ Das mag häufig in Praxen vorkommen, kann aber problematisch sein, wenn etwa Krankheiten genannt werden.

Abge­schirmte Sprech­zimmer

Aus den Behand­lungs­zimmern bekamen die Tester von außen nichts mit. Sie konnten auch keine Infos über andere Patienten auf Papier oder Computer­bild­schirmen sehen.

Risiko von Daten­lecks

Wenn Praxis­mit­arbeiter vor Dritten über Patienten reden, verletzen sie die Privatsphäre des Betroffenen, gerade bei intimen Beschwerden. Mithörende können Gesprächs­inhalte weitergeben und im schlimmsten Fall zum Dorf­gespräch machen – eine Aushöhlung der ärzt­lichen Schwei­gepflicht.

Tipp: Sagen Sie wenn nötig offen, dass Sie über Ihre medizi­nischen Belange nur im Behand­lungs­zimmer sprechen möchten – nicht draußen an der Anmeldung. Achten Sie schon bei der Praxis­wahl darauf, dass Empfang und Warte­bereich voneinander getrennt sind. Oft gibt es ein eigenes Warte­zimmer. Hinein- und Hinaus­gehende schließen die Tür hinter sich.

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