Interview: „Sie beob­achten uns“

Daten­schutz bei Apps Test

Nur 26 der 63 geprüften Apps sind verschwiegen, 9 geben sogar sehr persönliche Daten ihrer Nutzer weiter. Dr. Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Daten­schutz, rät zum Umdenken.

Was macht Ihnen bei den Zusatz­programmen Sorgen?

Viele Apps sammeln ohne Wissen ihrer Nutzer Informationen, teil­weise sogar sehr persönlicher Art. Das soll einer individuell zuge­schnittenen Werbung dienen, ist aber der falsche Weg: Sie fragen uns nicht, sie beob­achten uns.

Der deutsche Daten­schutz hat doch Regeln. Gelten die für Smartphone-Apps nicht?

Im Regelfall landen die Daten in den USA, dort wird unsere Auffassung von Daten­schutz nicht geteilt. Es gibt kein Auskunfts­recht und kein Recht auf Löschen gespeicherter Daten. Die Nutzer erfahren meist nicht einmal, wem etwas gesendet wird.

Ist das Tausch­geschäft Privatsphäre gegen Dienst­leistung nicht fair?

Der Deal dient nur auf den ersten Blick beiden Seiten. Tatsäch­lich zahlt der Nutzer drauf. Sein Profil ist bares Geld wert und er kann sich nicht einmal gegen falsche Daten wehren, die durch tech­nische Fehler entstehen können. Da ließen sich Parallelen zur Bonitäts­bewertung durch Banken ziehen, wo der Kunde im Zweifel durch ungerecht­fertigte Kreditzinsen Geld verliert.

Wozu raten Sie?

Sehr kritische Apps haben auf dem Smartphone nichts verloren. Die Nutzer sollten abwägen, ob der Nutzen eines Zusatz­programms den Verlust der Privatsphäre recht­fertigt. Die Branche sollte nach den Vorlieben fragen, statt Kunden auszuspähen. Und sie sollte Daten anonym nutzen. Im Internet werden Kontakte verschiedener Nutzer oft mit sogenannten Hash-Werten abge­glichen, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dagegen über­tragen Apps Klar­namen und Telefon­nummern. Das ist nicht Stand der Technik.

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