Daten­schutz Schnelltest

In Zeiten von Prism und Tempora können Verbraucher ihre Daten gar nicht genug absichern. Mitt­lerweile gibt es sogar „abhörsichere“ Brieftaschen, die mit einer besonderen Schutz­schicht verhindern sollen, dass Kriminelle die Daten von RFID-Chips auf Ausweisen und Kreditkarten auslesen können. Die Stiftung Warentest hat ein Modell von Samsonite untersucht und erklärt, ob man eine solche Brieftasche wirk­lich braucht.

Kontaktlose Technik

RFID-Technik – die Abkür­zung steht für radio-frequency identification – ist mitt­lerweile an vielen Stellen im Einsatz. Der kleine Chip, der per Funk kontaktlos ausgelesen werden kann, wird zum Beispiel Haustieren implantiert, um sie und ihre Besitzer eindeutig identifizieren zu können. Nicht nur die elektronische Wegfahr­sperre bei Autos basiert auf der Technik – auch in Ausweis­papieren, dem Reisepass und dem neuen Personal­ausweis, befindet sich ein RFID-Chip. Kritiker befürchteten schon bei der Einführung, die Technologie sei zu unsicher für Ausweisdokumente, weil Kriminelle die im Chip gespeicherten Informationen relativ leicht auslesen könnten. Im RFID-Chip sind zahlreiche sensible Informationen über den Ausweis­inhaber gespeichert, darunter Name, Anschrift, Geburts­datum und Finger­abdrücke, sofern der Ausweis­inhaber diese abge­geben hat.

Brieftasche schirmt den Chip ab

Hersteller spezieller Brieftaschen werben damit, dass ihre Produkte den Chip mit einer integrierten Schutz­schicht abschirmen. Die Stiftung Warentest hat ein Modell von Samsonite untersucht. Kosten­punkt: knapp 25 Euro. Der Test zeigt: Ist die Brieftasche verschlossen, schirmt sie alle im Inneren befindlichen RFID-Chips so stark ab, dass sie kaum noch ausgelesen werden können. Die Abschirmung lag im Test zwischen 50 und 60 dB, was eine Reduzierung von zirka 99 Prozent bedeutet. Der Schutz wirkt dabei doppelt: Sowohl das Signal, das von außen auf den Chip einwirken könnte, wird gedämpft, als auch das schwache Antwort­signal des Chips.

Alufolie im Inneren schützt

Daten­schutz Schnelltest

Alufolie im Innenfutter.

Einfache Alufolie im Innenfutter schirmt den Ausweis ab.

Ein Blick ins Innere der Brieftasche zeigt, wie es funk­tioniert: Im Innenfutter befinden sich mehrere Schichten Alufolie, die dafür sorgen, dass die Funk­wellen von außen nicht an die innenliegenden RFID-Chips auf Ausweis oder Pass­wort gelangen. Tatsäch­lich konnte die Stiftung Warentest die gleiche Wirkung auch mit haus­halts­üblicher Alufolie erzielen.

Ausweis auch ohne Portemonnaie sicher

Wer ganz sicher gehen will, braucht also nicht zwingend eine RFID-sichere Brieftasche, um seinen Ausweis abzu­schirmen. Ein einfaches Stück Alufolie reicht aus. Aber auch ganz ohne Schutz­folie ist die Gefahr relativ gering, dass Kriminelle die sensiblen Ausweis­daten an jeder Ecke auslesen können. Um an die Daten zu gelangen, brauchen Hacker nicht nur die tech­nischen Möglich­keiten, die relativ einfach und kostengünstig zu haben sind. Sie benötigen vor allen Dingen auch ein spezielles Sicher­heits­zertifikat, das vom Bundes­verwaltungs­amt vergeben wird. Nur mit Hilfe dieser speziellen elektronischen Signatur ist es möglich, die Daten auszulesen. Zusätzlich schützt die auf dem Ausweis befindliche Nummer vor illegalem Zugriff. Nur mit dieser Nummer können ausschließ­lich staatliche Stellen auf die biome­trischen Daten im Ausweis zugreifen. Aus diesem Grund sollten Ausweis­inhaber ihren Ausweis nicht einscannen oder fotokopieren Zum Special Personalausweis auf test.de.

test-Kommentar

Die Samsonite Attack Safety Reisepass­hülle hält, was sie verspricht: Sie schirmt RFID-Chips so stark ab, dass sie kaum noch ausgelesen werden könnten. Trotzdem ist sie eher etwas für Paranoiker, da besonders der RFID-Chip im Personal­ausweis auch ohne Abschirmung relativ sicher ist. Kreditkarten mit RFID-Chips sind in Deutsch­land bisher kaum im Einsatz.

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