Daten­kraken und Alles­über­wacher: Bei den Big Brother Awards gibt es Auszeichnungen für Firmen, Institutionen und Politiker, die den Daten­schutz und die Privatsphäre in besonderer Weise miss­achten. Dieses Jahr unter den Gewinnern: Apple, Google und der Nach­folger der GEZ.

Apple-Tochterfirma verletzt Bürgerrechte

In der Kategorie „Arbeits­welt“ hat die Firma Apple Retails Germany GmbH & Co in München einen Negativ­preis erhalten. Das Unternehmen betreibt die Apple Stores in Deutsch­land. Dort gibt es laut dem Verein digitalcourage e.V., der die Negativ­preise verleiht, eine Total­kontrolle von Beschäftigten: Nicht nur die Verkaufs- und Lagerräume würden flächen­deckend über­wacht, sondern auch die Pausenräume. Die Kunden würden über die Total­kontrolle ihres Einkaufs­verhaltens nur mit kaum hand­großen Hinweisschilder informiert.

Google häuft zu viele Daten

Für die Total­kontrolle der anderen Art bekam das amerikanische Unternehmen Google einen Big Brother Award in der Kategorie „Globales Daten­sammeln“. Der Welt­konzern häuft enorme Massen an Echt­zeit-Daten für den eigenen Werbe­profit an, und das unter dem Deck­mantel einer Suchmaschine und anderen Gratis-Diensten wie Google Maps, Google Docs oder Youtube – so die Begründung der Jury.

Kritik am Nach­folger der GEZ

In der Sparte „Politik“ haben die Preis­richter den Negativ-Preis den Minister­präsidenten der 16 Bundes­länder zuerkannt für die Einrichtung des gemein­samen Beitrags­service von ARD, ZDF und Deutsch­land­radio als Nach­folger der GEZ. Seit Anfang Januar zahlt jeder Haushalt einen Rund­funk­beitrag. Die ausufernde Daten­sammelei ist damit aber nicht vorbei, wie Laudator und Jury­mitglied Frank Rosengart vom Chaos Computer Club fest­stellte. So ist im Rund­funk­beitrags­staats­vertrag fest­geschrieben, dass die Meldebehörden weiterhin Daten an den Beitrags­service über­mitteln, wenn ein Bürger umzieht. So stünden also immer noch die gebühren­pflichtigen Menschen im Fokus der Erhebung – und nicht die Haushalte. In der mehr­jährigen Über­gangs­phase soll der neue Beitrags­service sogar viel mehr Daten verarbeiten als zuvor die GEZ.

Post und Polizei negativ gekürt

Die Polizei hat den Negativ­preis in der Kategorie „Behörden“ bekommen. Grund: Sie führe Polizei­kontrollen durch, bei denen Personen aufgrund ihres äußeren Erscheinungs­bildes – also zum Beispiel wegen der Hautfarbe – aus der Menge heraus­gegriffen wurden. Der Preis in der Sonder-Sparte „Neusprech“ geht an das Wort „Über­sichts­aufnahme“. So hat die Berliner Polizei das Filmen einer Demons­tration ohne konkreten Anlass bezeichnet. „Der richtige Ausdruck wäre Video­über­wachung und sie ist eine Bedrohung für unsere Grund­rechte“, erklärten die beiden Laudatoren Kai Biermann und Martin Haase von neusprech.org. Die Deutsche Post Adress GmbH und Co KG, eine Tochterfirma der Deutschen Post, erhielt den Big Brother Award in der Kategorie „Wirt­schaft“ für das Weiterverkaufen von Adress- und Umzugs­daten von Kunden an die Werbe­wirt­schaft.

Über 250 Nominierte in 2013

Die Negativ­auszeichnungen werden jedes Jahr von einer Experten-Jury vergeben. Diese setzt sich aus Bürgerrecht­lern und Daten­schützern zusammen. Der Verein digitalcourage e.V. aus Biele­feld organisierte die Awards zum 13. Mal. Dieses mal gab es über 250 Nominierungen. Mehr Informationen zu den Gewinnern finden Sie unter www.bigbrotherawards.de.

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