Identitäts­diebstahl: „Konto im Blick behalten“

Finanztest-Redak­teur und Rechts­experte Michael Sittig klärt auf, welche Folgen Identitäts­miss­brauch und Identitäts­diebstahl im Netz haben können – und wie man sich am besten dagegen wehrt.

Betrüger arbeiten mit gehackten Daten

Welche Folgen kann ein Identitäts­miss­brauch für mich haben?

Der Klassiker: Ein Betrüger hat zwar nicht Ihre Bank- oder Kreditkarte, aber irgend­woher Ihren Namen und die Konto­daten. Damit kauft er anschließend online zu Ihren Lasten ein, zum Beispiel ein teures Handy. Als Empfangs­adresse gibt er beim Einkauf nicht Ihre Adresse an, sondern eine abweichende Anschrift. Wenn die bestellte Ware dort ankommt, fangen die Täter den Paketboten zum Beispiel direkt vor der Haustür ab und nehmen das Handy unter Ihrem Namen und einer gefälschten Unter­schrift an. Sie erfahren von Ihrer angeblichen Handy­bestellung erst mit der Belastung auf Ihrem Konto oder wenn der Onlineshop die ersten Mahn- und Droh­briefe an Sie verschickt.

Hafte ich, wenn ein Hacker in meinem Namen Kauf­verträge abschließt?

Nein, bezahlen müssen Sie nur, was Sie bestellt haben. Es muss ein Kauf­vertrag zwischen Ihnen und dem Verkäufer zustande gekommen sein. Beim oben beschriebenen Handy­betrug haben Sie keinen Kauf­vertrag geschlossen. In vielen Fällen wird der Onlineshop Ihnen zunächst nicht glauben, wenn Sie sagen, dass Sie das Handy nicht bestellt und auch gar nicht bekommen hätten. Vielleicht schaltet der Händler sogar ein Inkassounternehmen ein, das bei Ihnen Druck macht. Sie als Verbraucher sind aber recht­lich in einer guten Position. Selbst wenn der Onlineshop Sie tatsäch­lich verklagen würde, hätte er wenig Chancen. Denn er kann nicht nach­weisen, dass Sie das Handy bestellt haben. Auch die Umstände sprechen für Sie: die Unter­schrift bei Über­gabe des Handys ist ja gefälscht. Außerdem ging die Ware nicht an Ihre Wohn­adresse.

Konto im Auge behalten

Wie wehre ich mich am besten, wenn ich Opfer eines Identitäts­diebstahls geworden bin?

Das Wichtigste ist: Behalten Sie Ihr Bank­konto und Ihre Kreditkarten­abrechnung im Auge. Sobald Ihr Konto durch Dritte unbe­rechtigt belastet wurde, sollten Sie die Belastung rück­gängig machen. Das ist beim Online­banking mit wenigen Klicks über die Funk­tion „Last­schrift zurück­geben“ ganz einfach möglich. Kurz darauf haben Sie Ihr Geld wieder. Länger dauert es, einen Kreditkarten­miss­brauch erfolg­reich zu reklamieren. Wurden Ihre Kreditkarten­daten von Betrügern zum Shoppen benutzt, müssen Sie sich umge­hend bei Ihrem Kreditkarten­unternehmen melden. Oft verlangen die Kreditkarten­unternehmen, dass Sie zusätzlich Anzeige erstatten. In der Regel wird es nach einem Kreditkarten­miss­brauch auch ratsam sein, die Karte sperren zu lassen und eine neue zu beantragen. Wenn das alles erledigt ist, muss Ihnen das Kreditkarten­unternehmen das unzu­lässig abge­buchte Geld erstatten. Das dauert zwar ein paar Wochen, aber am Ende haben Sie keinen finanziellen Schaden.

Bekomme ich einen negativen Schufa-Eintrag, wenn ich solche Zahlungen an ein Unternehmen verweigere?

Nein. Inkassobüros drohen damit zwar manchmal. Aber wenn Sie Opfer eines Bestell­betrugs geworden sind und der angeblichen Forderung gegen Sie wider­sprochen haben, darf es nach der bisherigen Recht­sprechung zu keinem Schufa-Eintrag kommen. Schreiben Sie die Inkassofirma per Einschreiben an und wider­sprechen Sie. Kommen dennoch weitere Droh­briefe, können Sie diese ab dann ignorieren. Wenn Sie über das Inkassounternehmen zum ersten Mal vom Karten­miss­brauch erfahren, sollten Sie wenigs­tens einmal darauf antworten, den Sach­verhalt erklären und bestreiten, dass Sie etwas bestellt haben. Einmal jähr­lich sollten Sie online (meineschufa.de) eine kostenlose Auskunft über die zu Ihrer Person bei der Schufa gespeicherten Daten anfordern.

Paypal-Käufer­schutz

Was passiert, wenn mein Paypal-Konto gehackt wurde und Kriminelle mein Guthaben dort zum Onlineshopping nutzen?

Paypal selbst verspricht seinen Kunden bei Konto­miss­brauch Käufer- beziehungs­weise Verkäufer­schutz. Allerdings gibt es viele Nutzer, die beklagen, dass ihnen der Schutz verweigert worden sei. Das liegt auch daran, dass Kriminelle die Lücken des Schutzes kennen und ausnutzen. Beispiel: Ein Betrüger hackt ein Paypal-Konto und bezahlt darüber Ware, die er persönlich beim arglosen Verkäufer abholt. Bei Abholung greift der Verkäufer­schutz nicht. Dieser gilt nur, wenn der Verkäufer die Ware mit aussagekräftigem Versandbeleg verschickt. Folge: Der Kunde, dessen Paypal-Konto gehackt wurde, genießt wegen des Konto­miss­brauchs Käufer­schutz. Paypal holt das Geld vom Verkäufer­konto zurück und schreibt es dem Käufer wieder gut. Der Verkäufer steht am Ende ohne Geld und Ware da.

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