Daten in der Cloud: Längst drin

Welchen dieser Dienste nutzen Sie? Nicht repräsentative Online-Umfrage auf test.de im Juni 2013. Antworten in Prozent. Mehr­fachnennungen möglich. Prozent­zahl zu Onlinespeichern aus offenen Antworten ausgezählt.

Fast alle Internetnutzer schweben in Daten­wolken. Knapp zwei Drittel wissen das gar nicht. Videos, E-Mails, Kalender und Onlinespeicher sind in der Cloud abge­legt.

Sie kommt harmlos daher, wirkt leicht, luftig und locker: die Cloud. Mit dem eng­lischen Wort für Wolke verkaufen Internet- und Tele­kommunikations­unter-nehmen wie Google, Microsoft oder die Telekom einen neuen Service, Online-Speicher­dienste. Dabei ist die Daten­wolke so alt wie das Internet selbst. Nutzer schweben längst auf ihr – ohne es zu wissen. Das zeigt eine Umfrage auf test.de.

Ein zentraler Speicher im Netz

Die Idee hinter der Cloud: Daten wie E-Mails, Fotos oder Videos liegen zentral auf Speichern im Internet, damit Nutzer vieler­orts darauf zugreifen können. Das ist praktisch, besonders bei der wachsenden Zahl verschiedener Geräte, die sie täglich bedienen. Da ist das Notebook zuhause, das Tablet zum Couchsurfen, das Smartphone für unterwegs, der Rechner im Büro. Über­all wollen sie E-Mails, Notizen, Dokumente parat haben, Fotos ansehen, Musik hören – ohne all die Daten einzeln auf den Geräten zu lagern. Die Daten­wolke ermöglicht das: einmal ablegen, von über­all zugreifen.

Gefahren für digitales Hab und Gut

Ein zentraler Speicher­ort für das digitale Hab und Gut birgt aber auch Gefahren. Wer seine persönlichen Daten einem Anbieter anver­traut, stellt sich viele Fragen. Kann ich ihm wirk­lich vertrauen? Ist der digitale Schatz gut bewacht und geschützt – vor Kriminellen, die Daten klauen und miss­brauchen wollen, aber auch vor Verlust durch tech­nische Pannen? Der Test von Online-Speicherdiensten zeigt: Bei Daten­schutz und -sicherheit haben viele Anbieter Nach­holbedarf. Schon deshalb sollten sich Nutzer bewusst machen, in welchen Wolken sie schon heute unterwegs sind.

Fast jeder hat ein E-Mail-Konto

Die wohl bekann­teste Anwendung im Internet ist das E-Mail-Konto. 98 Prozent der mehr als 8 000 Umfrage­teilnehmer auf test.de nutzen eines. Wer seine elektronische Post zum Beispiel über GMX, Web.de oder Googlemail verschickt und empfängt, lagert sie in der Wolke. Auf die Frage, ob sie die „Cloud“ nutzen, antworten aber knapp 62 Prozent der E-Mail-Nutzer mit Nein. Sie wissen also nicht, dass sie längst in der Wolke sind. Das Beispiel zeigt außerdem: An vielen Stellen bleibt den Nutzern kaum etwas anderes übrig, als sich der Daten­wolke anzu­vertrauen. Einen eigenen E-Mail-Dienst einzurichten, dürfte die meisten über­fordern und kostet Geld. Die kostenlosen Alternativen von GMX, Google und Co. sind da deutlich bequemer.

Fotos und Termine in der Wolke

65 Prozent der Befragten surfen regel­mäßig Bilder­dienste wie Flickr und Picasa oder Video­portale wie Youtube an. Wer dort Fotogalerien anlegt oder selbst­gedrehte Filme hoch­lädt, nutzt ebenfalls die Cloud. In diesen Bereichen mag das nicht so sensibel sein wie bei privaten E-Mails, erfüllen die Portale doch eigens den Zweck, Inhalte zu veröffent­lichen. Dennoch sollten Nutzer sich darüber im Klaren sein, dass sie ein Stück ihrer Privatsphäre aufgeben.

Notiz­dienst wurde gehackt

Auch wer einen Notiz­dienst wie zum Beispiel Ever­note wählt, sollte wissen, dass der Einkaufs­zettel, aber auch die Liste mit den wichtigsten Pass­wörtern im schlimmsten Fall von Dritten gelesen werden kann. Kriminelle hatten den Dienst Anfang des Jahres gehackt und sich Zugang zu sensiblen Daten wie E-Mail-Adressen und Pass­wörtern verschafft. Zwar waren die von Nutzern hoch­geladenen Notizen von dem Angriff nicht betroffen, trotzdem gilt: Persönliche Daten haben bei einem solchen Dienst nichts verloren. Immerhin fast jeder Fünfte gab in der Umfrage auf test.de an, Notizen online zu speichern.

Smartphones locken in die Cloud

Auch an anderer Stelle landen Nutzer schneller in der Cloud, als ihnen vielleicht lieb ist. Wer sich ein modernes Smartphone mit Googles Android-, Apples iOS- oder Microsofts Wind­ows-Phone-Betriebs­system kauft, bekommt den Zugang zur jeweils haus­eigenen Wolke bereits mit dem Gerät. Android-Smartphones sichern die Daten in Googles Wolke – so ist es voreinge­stellt. Dieses Backup kann sensible Daten wie Pass­wörter für kabellose Funk­netze (Wlan) oder Zugänge für Onlineshops enthalten. Bei iOS hat der Nutzer die Wahl, ob und welche konkreten Daten er in Apples iCloud laden möchte. Das können das Telefon­buch, Bilder oder der Kalender sein.

Auch Wind­ows-Phone-8.0-Smartphones lagern die Daten­sicherung auf Microsofts Speicher im Internet. Zudem sind einige Anwendungen, etwa die Fotoapp, bevor­zugt mit Microsofts Online-Speicher­dienst SkyDrive verknüpft.

Fazit: Die Daten­wolke ist für Internet- und Smartphonen­utzer allgegen­wärtig, ob sie wollen oder nicht, oft ohne Alternative und unbe­wusst. Hinter der Wolke steckt weit mehr, als das, was uns Marketing­experten unter dem schi­cken Mode­begriff „Cloud“ verkaufen wollen.

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