Daten in der Cloud Test

Sie dienen als zentraler Speicher für Bilder und Dokumente. Sensibles sollten Nutzer nur verschlüsselt ablegen. Kein Dienst ist gut, etliche sind nur ausreichend.

Edward Snowden ist ein gefragter und gesuchter Mann. Der US-Amerikaner löste die seit langem größte Diskussion um Daten­schutz im Internet aus. Er enthüllte das Späh­programm „Prism“ des US-Geheim­dienstes NSA, ebenso das britische „Tempora“-Programm. Der ehemalige tech­nische Mitarbeiter der NSA machte bekannt, dass die Internet­über­wachungen weit umfang­reicher seien als angenommen und dass es Verbindungen zwischen US-Behörden und den Internetriesen Microsoft, Apple und Google geben soll.

Auch wenn diese abwiegeln, sie würden nur auf juristische Anordnung Nutzer­daten heraus­geben, und das ganze Ausmaß des Skandals noch nicht absehbar ist –eine Frage stellt sich schon jetzt: Sollten Internetnutzer ihre persönlichen Daten US-amerikanischen Unternehmen anver­trauen? Sind deutsche oder europäische Anbieter per se sicherer? Die Fragen treiben besonders Nutzer von Online-Speicher­diensten um. Hat der Service doch die Funk­tion, die digitalen Besitztümer des Anwenders im Netz zu speichern. Sei es um Daten zu sichern oder Bilder und Dokumente unterwegs parat zu haben.

USA, Deutsch­land, Irland, Schweiz

Daten in der Cloud Test

Verschlüsseln. Persönliche Daten wie Konto­auszüge oder die Steuererklärung sollten Nutzer nur verschlüsselt in der Cloud ablegen.

Die Tester haben 13 Online-Speicher­dienste geprüft: sechs mit Sitz in den USA, fünf in Deutsch­land, einen in der Schweiz, einen in Irland. Fast alle Dienste sind kostenlos. Besser als befriedigend schneidet keiner ab (Tabelle). Sicherheit und Daten­schutz sind neben der Bedienung das wichtigste Prüfkriterium. Einen Dienst mit gutem Daten­schutz fanden die Tester nicht. Die amerikanischen Dienste schneiden bei dem Thema alle­samt schlecht ab, auch die iCloud von Apple. Doch auch bei den deutschen Anbietern gibt es Nach­holbedarf. Sensible Daten sollten Nutzer daher selbst verschlüsseln.

Fotos und Dokumente teilen?

Daten in der Cloud Test

Unbe­denk­lich. Urlaubs­fotos, die auch der Chef oder Unbe­kannte sehen dürften, können Nutzer unver­schlüsselt hoch­laden.

Online-Speicher­dienste sind für alle praktisch, die zwischen Notebook, Tablet und Smartphone hin und her jonglieren, auf allen Geräten aber stets die Einkaufs­liste, Fotos oder einen wichtigen Brief parat haben möchten. Nutzer laden ihre Daten einmal auf den Onlinespeicher und können sie dann mit allen ihrer internet­fähigen Geräten einsehen.

Clouddienste, wie die Onlinespeicher auch heißen, bieten einen weiteren Vorteil: Sie ermöglichen es, Daten zu „teilen“. Lebt der Sohn in Hamburg und möchte seine Urlaubs­bilder den Eltern in München zeigen, kann er sie bei einem Cloud­dienst hoch­laden und seine Eltern für die jeweilige Bildergalerie frei­schalten. Über einen Internetlink können sie die Fotos am Computer, Tablet oder Smartphone zuhause ansehen.

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Auf keinen Fall. Urheberrecht­lich Geschütztes wie Filme sollten Nutzer nicht in die Cloud laden. Hier herrscht eine recht­liche Grauzone.

Die Funk­tion ist auch im Job praktisch: „Teilt“ der Nutzer zum Beispiel eine Powerpoint-Präsentation mit Arbeits­kollegen, können sie die Präsentation gleich­zeitig und gemein­sam bearbeiten, ohne am selben Computer zu sitzen. Das geht zum Beispiel mit dem Dienst Google Drive. Noch vielseitiger ist Microsofts SkyDrive, der sich mit vielen weiteren Microsoft-Anwendungen verbinden lässt, etwa mit Outlook. Auch Dropbox über­zeugt, weil viele Dritt­anbieter den Dienst als Speicher unterstützen. Das ist besonders auf Smartphone oder Tablet praktisch, weil Dropbox in viele Bedienmenüs einge­bunden ist. So können Nutzer leicht in einer E-Mail angehängte Fotos in die Dropbox laden.

Eine Frage des Serverstand­orts

Nicht nur wegen der Entwick­lungen in den USA sind viele Nutzer verunsichert, ob sie ihre Daten einem Speicher­dienst anver­trauen sollten. Besonders, wenn es nicht nur um harmlose Urlaubs­fotos oder die Einkaufs­liste, sondern um die Kranken­akte oder das Arbeits­zeugnis geht. Sind die Daten vor Zugriffen von Dieben geschützt? Was macht der Anbieter selbst mit den Daten? Und wem macht er sie zugäng­lich?

Eine wesentliche Rolle spielt, wo die Server stehen, auf denen die Daten gespeichert und verarbeitet werden. Je nach Land herrscht ein anderes Daten­schutz­niveau und eine andere Rechts­lage. Im europäischen Wirt­schafts­raum gibt es Daten­schutz­gesetze mit hohen Anforderungen. In den USA sieht das anders aus. Dort ist es für Ermitt­lungs­behörden sehr leicht, auf Daten, die auf US-Servern liegen, zuzugreifen. Möglich machen das zwei Gesetze: der „Patriot Act“ und der „Foreign Intelligence Surveil­lance Act“. Es macht keinen Unterschied, ob es sich um Daten von US-Bürgern handelt oder nicht. Jeder, der einen amerikanischen Anbieter wählt, muss das wissen.

Offenheit und Trans­parenz gefragt

Wie sicher ein Speicher­dienst ist, wie seine Daten­schutz­politik aussieht und wo seine Server stehen, lässt sich nur schwierig prüfen. Die Tester waren auf Offenheit und Trans­parenz der Unternehmen angewiesen. Sie haben unter anderem die Anbieter befragt und das „Verfahrens­verzeichnis“ geprüft. Ein solches Verzeichnis regelt, wie ein Unternehmen mit den Nutzer­daten umgeht, an wen es Daten weiterleitet und was mit den gesammelten Informationen passiert, wenn Kunden ihren Account gelöscht haben. Ein Verfahrens­verzeichnis ist Pflicht, jeder kann es von einem Unternehmen anfordern. Der Umfang dieser Informationen unterscheidet sich bei den Firmen aber deutlich.

Vier bleiben eine Antwort schuldig

Die Frage nach dem Serverstand­ort hat nicht jedes Unternehmen beant­wortet. Google, Microsoft, Pro Softnet und Sugar­Sync blieben eine Antwort schuldig. Das ist intrans­parent, fließt negativ in die Bewertung ein. Alle vier haben ihren Sitz in den USA.

LaCie Wuala verschlüsselt

Eine gute Figur bei Daten­schutz und Sicherheit macht kein Anbieter. LaCie Wuala, ein Dienst mit Sitz in der Schweiz, ist der einzige, der die vom Nutzer hoch­geladenen Daten nicht einsehen kann. Zwar liegen die Daten bei allen Diensten verschlüsselt auf den Servern. Den Schlüssel besitzen außer bei LaCie aber auch die Anbieter. Sie könnten die Daten einsehen und entschlüsselt weitergeben. Immerhin: Auf dem Weg vom Computer des Nutzers zum Server sind die Daten bei allen Diensten stan­dard­gemäß verschlüsselt.

Auch Europäer mit Schwächen

Die europäischen Dienste sind nicht viel besser als die US-Anbieter. Deutsche Telekom und Mozy aus Irland lassen positive Ansätze erkennen durch verständliche Daten­schutz­erklärungen oder die Benennung eines Daten­schutz­beauftragten. Genauso gut ist Strato. Die beiden 1&1-Töcher Web.de und GMX aus Deutsch­land reihen sich aber in das schlechte Bild der Amerikaner ein. Sie haben auf die Fragen der Prüfer nicht geant­wortet.

Auch bewertet: Wie sicher sind die Apps und senden sie unnötige Daten? Die iOS-App von Microsoft ist „sehr kritisch“, der Über­tragungsweg vom Nutzer zum Onlinespeicher ist unsicher. Das heißt, Dritte könnten Daten, die er in die Cloud lädt, etwa im offenen Wlan eines Cafés, abfangen.

Nutzer sollten selbst handeln

Wer trotz der Daten­schutz­probleme nicht auf den Komfort der Cloud verzichten will, hat zwei Möglich­keiten. Erstens: Nur Daten hoch­laden, die ohnehin jeder einsehen darf. Zweitens: Sensible Daten verschlüsselt in die Wolke schieben. So ist es wesentlich schwieriger für den Anbieter oder für Außen­stehende, die Daten einzusehen. Allerdings leidet darunter der Komfort. Einige Funk­tionen, zum Beispiel das Anzeigen von Bildern in einer Galerie, sind dann nicht möglich.

Bedienung oft schwierig

Alle Speicher­dienste können Nutzer auf einem Wind­ows-Rechner und jeweils per App auf einem Android- und einem iOS-Gerät anwenden. Möglich ist auch der Zugang über die Internetseite des Anbieters. Der ist praktisch, wenn Anwender bei Freunden oder im Urlaub am Hotel­rechner sind. Bevor es losgehen kann, müssen sich Interes­sierte aber erst einmal beim Dienst registrieren. Außer bei Trend Micro stehen 2 bis 25 Gigabyte Speicher­platz kostenlos zur Verfügung. Auf dem Computer hilft eine Software beim Einrichten, auf Tablets oder Smartphones reicht der Download der App. Die Prüfer haben die Bedienung mit all diesen Geräten getestet. Sie könnte besser sein. Insgesamt am besten schneidet Dropbox ab. Wenig schlechter sind Google Drive und Trend Micro Safe­Sync. Bei Dropbox über­zeugt die aufgeräumte Benutz­eroberfläche auf allen Zugangs­wegen. Die beste Wind­ows-Software bietet LaCie Wuala. Hier lässt, wie bei vielen anderen, die Hilfe­funk­tion zu wünschen übrig.

MozyHome ist lahm

Deutlich schlechter funk­tioniert MozyHome. Über die Apps können Nutzer Dateien nur ansehen, aber nicht hoch­laden. Außerdem dauert es bei Mozy mit Abstand am längsten, eine Datei hoch- und herunter­zuladen. Die Tester haben gemessen und hoch­gerechnet, wie lange der Transfer von 1 Gigabyte Daten dauert. Das entspricht zirka 200 Fotos. Bei Mozy dauerte der Upload fast elf­einhalb Stunden, der Download zirka acht­einhalb. Da kommt wenig Freude auf, wenn die Urlaubs­bilder schnell in den Onlinespeicher sollen, um sie Freunden und Verwandten zu präsentieren. Am schnellsten lädt ProSoftnet hoch. Er braucht nur 28 Minuten. LaCie erwies sich beim Download mit 3 Minuten als der Schnellste. Die Geschwindig­keit hängt aber auch immer von der eigenen Internet­verbindung ab.

Daten­sicherung eher unpraktisch

Cloud­dienste können nicht nur als Zwischenspeicher für Fotos, die Einkaufs­liste oder Dokumente dienen. Wie auf einer externen Fest­platte könnten Nutzer auch eine komplette Daten­sicherung ablegen. Praktisch ist das aber nur bedingt, aus zwei Gründen. Erstens: Daten­sicherungen sind oft sehr groß. Sie auf einen Speicher im Internet hoch- und herunter­zuladen, würde Tage dauern. Zweitens: Die wenigsten Nutzer dürften mit den Gratis­angeboten der Cloud­dienste hinkommen. Wer den Speicher auf 100 Gigabyte aufstocken will, zahlt beim güns­tigsten Anbieter, Microsoft SkyDrive, jähr­lich 37 Euro. Das ist viel Geld, wenn man bedenkt, dass Nutzer dafür eine externe Fest­platte mit wesentlich mehr Speicher­platz kaufen können.

Als Zwischenspeicher aber sind die Dienste praktisch, wenn der Nutzer Sensibles verschlüsselt. Er sollte jedoch wissen: Hundert­prozentige Sicherheit gibt es nicht. Die NSA darf verschlüsselte Daten so lange aufbewahren, bis sie doch irgend­wann in der Lage ist, sie zu entschlüsseln.

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