Database-Experten Test

Eine der zentralen Aufgaben eines Database-Experten: Daten vor unerlaubten Zugriffen schützen.

Laut IT-Wirtschaft haben ausgewiesene Datenbank-Experten bei der Jobsuche keine Probleme. Sich mit einer Weiterbildung die Kenntnisse für einen solchen Job zu verschaffen, ist aber schwierig. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest nach einem bundesweiten Test von 15 Lehrgängen zum Datenbankadministrator.

Jobmotor IT-Wirtschaft? 10 000 neue Arbeitsplätze hatte der Branchenverband Bitkom im Umfeld von Internet, Telekommunikation und neue Medien für das Jahr 2005 vorausgesagt. Doch die IT-Maschinerie kam langsamer auf Touren als gedacht: 4 000 neue Jobs sind es schließlich geworden. Was die Zahl der offenen Stellen angeht, ist der IT-Sektor nun gerade einmal auf dem Niveau angekommen, das er 1997 – vor dem Internet- und Börsenhype – hatte.

Doch es bleibt dabei: Die IT-Wirtschaft ist eine der wenigen Branchen hierzulande, in denen die Zahl der Beschäftigten steigt. Für alle Sparten gilt dies allerdings nicht, was mit den allseits bekannten Stärken und Schwächen der deutschen IT-Landschaft zusammen hängt: Einerseits wenig Entwicklung eigener Produkte im Hardware-Bereich, andererseits viel Know how bei der Kreation von Anwendungen und im IT-Dienstleistungssektor.

Gute berufliche Perspektiven

Dementsprechend werden vor allem Fachkräfte gesucht, die sich mit Software, Service und Dienstleistungen für die IT-Wirtschaft auskennen. Besonders gut sind die beruflichen Perspektiven für IT-Experten, die über alle Branchen hinweg eingesetzt werden können. So hat zum Beispiel der allgemeine Trend in der wirtschaftlichen Krise, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, um Kosten zu sparen, Datenbank-Experten gute Jobchancen beschert.

Das bestätigt auch Nicole Göttlicher, Pressesprecherin der Internet-Jobbörse Stepstone: „Database-Experten werden über alle Branchen hinweg gesucht, sei es zum Beispiel im Controlling oder im Marketing.“ Die Zeiten für Quereinsteiger sei allerdings vorbei. Ohne ausgewiesenes, per Studium oder IT-Ausbildung erworbenes Know how sei es schwer, eine Anstellung zu bekommen. Inzwischen werden von vielen Fachkräften meist noch zusätzliche Qualifikationen wie etwa betriebswirtschaftliche Kenntnisse verlangt, sagt Göttlicher. Hierfür steht zum Beispiel die wachsende Bedeutung der so genannten akademischen Bindestrichdisziplinen, etwa der Wirtschafts-Informatik.

Nur wenige Angebote vorhanden

Dass Datenbank-Experten beruflich derzeit alle Türen offen stehen, ist in der beruflichen Weiterbildung allerdings kaum zu spüren, was unsere aktuelle Untersuchung verdeutlicht: Wir haben uns Langzeitkurse angeschaut, in denen sich IT-Fachkräfte zu Datenbankadministratoren weiterbilden können, und recherchierten, dass Mitte des vergangenen Jahres gerade einmal 28 Bildungsfirmen Lehrgänge zum Datenbankadministrator im Programm hatten. Hinzu kamen noch modular aufgebaute Kurzzeitseminare, die Teilnehmern ganz spezielle Themen in kurzer Zeit vermitteln. Diese Kurzkurse haben wir in unserer Untersuchung nicht berücksichtigt, sondern ausschließlich die Angebote untersucht, die als kompletter Lehrgang aufgebaut waren.

17 der Anbieter waren bereit, ihre Räume, ihre Lehrpläne und Lehrgangskonzepte, die Qualifikation der Trainer, Kundeninformationen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen unter die Lupe nehmen zu lassen. Mit den so gewonnenen Informationen können wir beurteilen, ob die Voraussetzungen bei den Bildungsanbietern vorhanden sind, den Kursteilnehmern einen guten Lehrgang zu bieten. In die Lernprozesse in den Kursen selbst, die gerade bei längerfristigen Kursen wichtig für eine erfolgreiche Teilnahme sind, hatten wir allerdings keinen Einblick. Deshalb ist eine positive Beurteilung der Lehrgangsvoraussetzungen zwar Voraussetzung, nicht aber Garantie für eine gelungene Weiterbildung.

Da sich die Angebote der Bildungsanbieter stark voneinander unterschieden und nicht alle Kurse aufgrund mangelnder Teilnehmerzahlen auch wirklich stattfanden, sehen wir von einer vergleichenden Bewertung der Kurse ab. Stattdessen bewerten wir jeden der insgesamt 15 in die Veröffentlichung aufgenommenen Kurse für sich (siehe „So sind wir vorgegangen“).

Kammern schnitten besser ab

Fazit: So klein derzeit der Markt von IT-Weiterbildungen zum Datenbankadministrator ist, so unterschiedlich sind auch die Kurse, die dem Verbraucher angeboten werden. Das verdeutlicht zum Beispiel die Dauer der Weiterbildungen: Die Spanne reichte hier von 112 bis 1 740 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Das macht die Suche nach einem Kurs, der zu den Vorkenntnissen des jeweiligen Teilnehmers passt, nicht gerade leicht, zumal die Weiterbildungen mit den unterschiedlichsten Abschlüssen enden.

Die Lehrgangskonzepte beziehen sich in fast allen Fällen auf Richtlinien von IT-Herstellern wie zum Beispiel Oracle oder den Industrie- und Handelskammern (IHKs). Damit sind den meisten Lehrgängen bereits gewisse Qualitätskriterien zugrunde gelegt. Im Schnitt waren allerdings die Lehrgangsbedingungen bei den IHKs besser als bei den Bildungsanbietern, deren Kurse mit Hersteller-Zertifikaten abschließen. Das hat zum Beispiel damit zu tun, dass die Vorgaben der Hersteller sich eher auf reine IT-bezogene Tätigkeiten beziehen, während die IHKs in ihren Konzepten mehr Wert auf den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen legten, das thematische Spektrum der Lehrgangskonzepte hier also größer ist.

Wie man Database-Experte wird

Eine geregelte Berufsausbildung zum Datenbankadministrator gibt es nicht. Üblicherweise bieten sich die Wege über einen der vier staatlich anerkannten IT-Ausbildungsberufe oder der Einstieg über ein Studium – zum Beispiel der Informatik, Wirtschaftsinformatik, Mathematik oder Ingenieurswesen – an. Mit einem fundierten fachlichen Hintergrund ist es dann nur ein weiterer Schritt bis zur Spezialisierung zum Database-Experten. Unsere Untersuchung zeigt jedoch, dass diese Möglichkeit in der Praxis vor allem angestellten IT-Experten offen steht, die sich im eigenen Betrieb weiterbilden können.

Das liegt zum Beispiel an den Kosten: Eine Weiterbildung zum Datenbankadministrator kann bis zu einem Jahr dauern, und die Kursgebühren sind für eine Privatperson nur schwer aufzubringen. Im Gegensatz zu fest angestellten IT-Experten können Freiberufler, Arbeitnehmer in nicht-festen Beschäftigungsverhältnissen und Arbeitslose nicht auf die Unterstützung des eigenen Unternehmens bauen. So bleibt zum Beispiel Arbeitslosen meist nur die Hoffnung auf eine öffentlich geförderte Weiterbildung (siehe Tipps).

Laut dem aktuellen Zwischenbericht der Bundesregierung zur Evaluation der Hartz-Gesetze, der sich insbesondere mit der Umgestaltung der Bundesagentur für Arbeit (BA) und den Wirkungen der Arbeitsmarktpolitik beschäftigt, ist aber die „Zahl der jährlich neu begonnenen Weiterbildungsmaßnahmen (...) von 520 000 im Jahr 2000 um gut 64 Prozent auf nur noch 185 000 im Jahr 2004 zurückgegangen.“

Fachkapseln statt Komplettlehrgänge

In der Praxis bedeuten diese Änderungen also weniger geförderte Kurse und auch immer kürzere Weiterbildungen: So berichtet zum Beispiel Dr. Michael Galwelat, dass sich in den vergangenen zwei Jahren die durchschnittliche Dauer einer Weiterbildung von acht auf vier Monate verkürzt habe. Damit bestätigt der Leiter des Arbeitskreises Arbeitsmarkt in der Fachgruppe Aus- und Weiterbildung des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) und Geschäftsführer des Berliner IT-Bildungsanbieters Cimdata die Evaluation der Bundesregierung, in der von einem scheinbaren „Bedeutungsverlust längerer Weiterbildungsmaßnahmen“ die Rede ist. „Unter diesen Voraussetzungen können wir nur noch einzelne Fachkapseln vermitteln, aber keine komplette Weiterbildung anbieten“, sagt Galwelat.

Diese Tendenz hat auch dazu geführt, dass Weiterbildungskurse nur für diejenigen IT-Fachkräfte sinnvoll sind, die eine gute Qualifikation mitbringen. „Einen Newcomer, der nur wenig mehr als allgemeine EDV-Kenntnisse mitbringt, zum Datenbankadministrator zu schulen, ist unter 1 000 Unterrichtsstunden nicht zu machen“, so Galwelat. Einen IT-Spezialisten zum Beispiel in eine neue, für seinen Arbeitsbereich relevante Anwendung einzuführen, sei dagegen in 100 Stunden durchaus möglich. Die oben angesprochenen großen Unterschiede in der Dauer der von uns untersuchten Lehrgänge können also durchaus einen ersten Hinweis darauf geben, ob ein Kurs auch Grundlagen vermittelt oder bereits viel spezielles Wissen vorausgesetzt wird.

Vorkenntnisse der Teilnehmer entscheidend

Für Weiterbildungs-Interessierte bedeutet dies, dass nie pauschal entschieden werden kann, welcher Kurs für ihr berufliches Fortkommen der beste ist. Entscheidend ist immer, welche Kenntnisse der Teilnehmer mitbringt und ob die Kursinhalte zu diesem Wissen passen. Das macht eine gute Beratung vor der Buchung eines Kurses so wichtig. Auch Einstiegstests sind geeignet, das Vorwissen potenzieller Kursteilnehmer besser einschätzen zu können.

Bei vergleichbaren Kursen ist der Preis oft ausschlaggebend für die Entscheidung, welcher Kurs gebucht wird. Unsere Untersuchung offenbart tatsächlich große Unterschiede zwischen den einzelnen Lehrgängen: Die Preisspanne reicht von rund 5 Euro (Bonner Akademie, Cit, Taylorix und Systemhaus Barkow & Urlaub) bis zu über 40 Euro pro Unterrichtseinheit (Skill Networks und PC College, Institut für IT-Ausbildung). Allerdings sollten Interessierte bei den Anbietern nachfragen, ob diese Praxisphasen während der Weiterbildungen bei der Angabe der Unterrichtseinheiten berücksichtigt haben oder nicht, um zu einer realistischen Einschätzung des Preis-Leistungs-Verhältnisses zu kommen.

Wichtig für Weiterbildungs-Interessierte ist auch, sich über die Bedeutung der unterschiedlichen Abschlüsse der IT-Weiterbildungen im Klaren zu sein: Das Spektrum reicht von IHK- und Hersteller-Abschlüssen über Abschlüsse einzelner Bildungsanbieter bis zur Personenzertifizierung im Rahmen der Spezialistenprofile des IT-Weiterbildungssystems. Unsere Untersuchung – so klein der Ausschnitt auch ist, den sie innerhalb der IT-Weiterbildungslandschaft repräsentiert – verdeutlicht, dass die so genannten Hersteller- oder Industrie-Zertifikate den größten Marktanteil besitzen.

Diese Zertifikate sind Prüfbescheinigungen von Unternehmen wie zum Beispiel Cisco, Oracle oder Microsoft, die Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen von IT-Fachkräften dokumentieren. Besonders nachgefragt unter diesen Zertifikaten sind gegenwärtig die Bescheinigungen der Firma Oracle. Wie oben bereits erwähnt, bieten die Bildungsanbieter, deren Lehrgänge in Hersteller-Zertifikate münden, allerdings keineswegs die besten Lehrgangsbedingungen. In dieser Hinsicht schnitten die IHKs besser ab.

IT-Weiterbildungen sind Nischenprodukte

Doch es bleibt dabei: Gegenwärtig sind IT-Kurse in der beruflichen Weiterbildung nicht mehr als Nischenprodukte. Nach unseren Berechnungen wurden bei den 28 Bildungsfirmen, die 2005 Kurse zum Datenbankadministrator im Angebot hatten, im Jahr zuvor insgesamt 400 Abschlüsse erworben. Angesichts der Nachfrage in der IT-Wirtschaft nach qualifizierten Köpfen erscheint diese Zahl sehr klein.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3801 Nutzer finden das hilfreich.