Frühbuchen zahlt sich trotz Rabatt manchmal nicht aus. Treue zu einem Veranstalter auch nicht. Familie Beinert*) aus Berlin wollte den Sommerurlaub ´99 frühzeitig unter Dach und Fach bringen und buchte bereits Anfang Januar bei Neckermann Reisen zwei Wochen im türkischen Side in den Sommerferien.

Obwohl die Situation in der Türkei im Laufe des Jahres durch PKK-Drohungen im Zusammenhang mit dem Öcalan-Prozess nicht die sicherste war und viele Urlauber von einer Türkeireise Abstand nahmen, blieben Beinerts bei ihrer Buchung. Was sie allerdings mit dem Erhalt der Reiseunterlagen im Juli bereuten. Denn durch extrem ungünstige Flugzeiten (Ankunft in Antalya um 19.20 Uhr, Abflug 6.05 Uhr) verloren sie einen Urlaubstag. Und der Rückflug sollte nicht, wie im Katalog ausgeschrieben, mit der deutschen Fluggesellschaft Aero Lloyd, sondern mit dem türkischen Carrier Sun Express stattfinden.

Auf eine Reklamation reagierte Neckermann ziemlich barsch. Man könne dem Kunden nur garantieren, dass die Pauschalreise an einem bestimmten Wochentag beginnt und endet. Eine Minderung des Reisepreises wurde "rein vorsorglich" abgelehnt.

Für die Beinerts kam es dann noch etwas schlechter. Ankunft im Hotel in Side: 2.30 Uhr, Abfahrt vom Hotel am Ende des Urlaubs: 2.05 Uhr. Ein Urlaubstag war definitiv futsch, und die ausgeschriebene Airline flog auch nicht.

Eine weitere Reklamation blieb wiederum erfolglos. Als Reiseveranstalter, so verteidigte sich Neckermann, hätte man keinen Einfluss auf die Startzeiten der Fluggesellschaften und die Airline Sun Express besäße eine Landelizenz für Deutschland, sei also sicher.

Familie Beinert tröstet das wenig. Auf Katalogangaben, die durch den Hinweis "Änderungen vorbehalten" erheblich zum Nachteil des Kunden verändert werden können, verlassen sie sich nicht mehr. Auch zu den Frühbuchern wird man sie in Zukunft nicht mehr zählen können.

*) Name geändert

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