Darm­krebs Meldung

Begehbarer Darm. Das größte Modell in Europa gehört der Felix-Burda-Stiftung. Es kann zu Aufklärungs­zwecken ausgeliehen werden, etwa von Kommunen oder Krankenhäusern.

Darm­krebs ist die dritt­häufigste Krebs­art in Deutsch­land. Früh entdeckt, stehen die Heilungs­chancen gut. Doch viele Menschen nehmen Früh­erkennungs­unter­suchungen nicht in Anspruch – sei es aus Unwissenheit oder aus Scham. Ein neues Scree­ning­programm will ab 2019 mehr Menschen zum Mitmachen bewegen. test.de informiert über den derzeitigen Stand.

Schriftliche Einladung plus Infomaterial

Voraus­sicht­lich ab Juli 2019 werden gesetzlich Versicherte von ihren Krankenkassen per Brief zur Darm­krebs­früh­erkennung einge­laden – und zwar alle fünf Jahre ab dem 51. Lebens­jahr bis zum 66. Lebens­jahr. Die Einladung enthält Informationen zu Unter­suchungen, Daten­schutz, Wider­spruchs­rechten und Programm­beurtei­lungen.

Mehr­monatige Über­gangs­zeit

Das Einladungs­verfahren ist Teil des neuen Darm­krebs-Scree­nings, das auf Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses deutsch­land­weit einge­führt wird. Bisher gibt es Einladungen dieser Art nur für die Mammografie (Früherkennung Brustkrebs). Erfahrungen zeigen, dass Einladungen die Bereitschaft, mitzumachen, steigern können. Das Darm­krebs-Scree­ning tritt zum 1. Oktober 2018 in Kraft – die Rege­lungen aber werden nach jetzigem Stand erst Mitte 2019 genutzt werden können. Grund sind noch ausstehende Prüfungen und Verhand­lungen zur Vergütung. Bis dahin gelten die bisherigen Früh­erkennungs­richt­linien. Details lesen Sie in den Specials Stuhltest ist Kassenleistung und Darmkrebs Früherkennung.

Darm­spiegelung schon ab 50 möglich

Weitere wichtige Neuerung: Männer können künftig bereits ab dem 51. Lebens­jahr auf Kassen­kosten eine Darm­spiegelung – in der Fach­sprache Koloskopie genannt – in Anspruch nehmen. Das sind fünf Jahre früher als bisher. Grund: Sie erkranken häufiger und vor allem früher an Darm­krebs als Frauen. Die Darm­spiegelung gilt als aufwendig, aber als zuver­lässigste Methode. Fach­ärzte wie Gastroenterologen unter­suchen dabei mithilfe eines Schlauchendoskops den Dick­darm auf Gewebe­ver­änderungen und können Krebs­vorstufen wie Polypen direkt entfernen.

Wer früh einsteigt, hat Anspruch auf mehr Tests

Für Frauen bleibt es vorläufig bei 55 Jahren als Einstiegsalter für eine Darm­spiegelung. Beide Geschlechter können sie ein zweites Mal auf Kassen­kosten vornehmen lassen – aber erst nach zehn Jahren Mindest­abstand, denn Darm­krebs entwickelt sich in der Regel lang­sam. Wer sich mit 65 Jahren oder später erst­mals unter­suchen lassen will, hat nur Anspruch auf eine einzige Früh­erkennungs­koloskopie.

Stuhltest bleibt schnel­lere Alternative

Daneben gibt es eine zweite gesetzlich finanzierte Früh­erkennungs­methode – den immunologischen Stuhltest (iFOBT). Er ersetzt seit 2017 den früheren, chemischen Stuhltest. Beim immunologischen Test wird eine Stuhl­probe mittels Antikör­pernach­weis auf nicht sicht­bare Blutspuren analysiert – möglicher Hinweis auf einen Tumor. Männer und Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren können ihn – wie bisher – jähr­lich machen lassen. Über 55-Jährige haben jedes zweite Jahr Anspruch darauf – solange keine Darm­spiegelung gemacht wurde. Wichtig zu wissen: Wird Hämoglobin im Stuhl nachgewiesen, kann der Krebs­verdacht nur mittels einer Darm­spiegelung geklärt werden. Der Anspruch auf eine Abklärungs­koloskopie besteht jeder­zeit.

Lob und Kritik der Fachgesell­schaften

Die deutschen Fachgesell­schaften der Gastroenterologen sehen die Einführung des Scree­nings als wesentlichen Fort­schritt, hätten sich in manchen Punkten aber weitergehende Rege­lungen gewünscht. So befür­wortet die Deutsche Gesell­schaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoff­wechselkrankheiten (DGVS), bei Männern bereits ab 45 Jahren mit der Früh­erkennung zu beginnen. Zudem wäre es laut DGVS sinn­voll, den Stuhltest zusammen mit dem Einladungs­verfahren zu versenden. Auch sollte für Angehörige von Darm­krebs­patienten ein früherer Beginn der Vorsorge fest­gelegt werden, da sie ein erhöhtes Krebs­risiko haben.

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