Dampfreiniger Test

Überzeugen konnte keiner. Mit Putzeimer und Wischmopp geht es fast immer besser.

Schluss mit Scheuern und Schrubben! Müheloses Putzen in Minutenschnelle! Entfernt Bakterien und Keime ganz ohne Chemikalien!“ Es klingt nach wirklich großem Kino, was die Werbung da verspricht. Und dann heißt der Klassiker der Branche auch noch „Merlin“. Doch ach, weitgehend fauler Zauber.

Von den 16 Dampfreinigern, die wir zum Praxistest im Putzlabor hatten, konnte kein einziger überzeugen. Der Großteil kam über „ausreichend“ nicht hinaus, ganze vier Mal gab es als beste Gesamtnote „befriedigend“. Und drei Geräte fielen wegen Mängeln in der Sicherheit komplett durch (siehe Tabelle „Dampfreiniger“). Dabei klingt die Idee so vielversprechend: Heißer Wasserdampf löst Schmutz ohne Reinigungsmittel, erreicht jede Ecke und ein Tuch über der Düse wischt gleichzeitig alles auf. Doch grau ist alle Theorie. Auf herkömmliche Weise, mit Wischmopp und einem Schuss Allzweckreiniger, geht der Dreck fast immer schneller, einfacher und gründlicher weg. Außerdem braucht die Extraportion Dampf meist deutlich mehr Energie als ein Eimer warmes Wasser. Was auf Dauer nicht nur zulasten derUmwelt geht, sondern auch ins Geld. Und manche Geräte brauchen auch noch regelmäßig Entkalkungsmittel. Bei besagtem Merlin treibt das die Betriebskosten bei einem wöchentlichen Putztag gar auf über 70 Euro im Jahr.

Zu allem Überfluss sind Dampfreiniger nicht ungefährlich. Die meisten Geräte arbeiten mit einem Druckkessel, in dem das Wasser verdampft wird.

Verbrühungsgefahr!

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Vor dem Nachfüllen müssen Druckkessel abkühlen, sonst schießt heißes Wasser hoch.

Ist alles verdampft, muss direkt in den Kessel nachgefüllt werden. Wer hier nicht einige Minuten abwartet, bis der Kessel abgekühlt ist, der muss mit einem zischenden Geysir rechnen. Hier wäre zum Beispiel ein Tankdeckel wünschenswert, der sich nicht sofort öffnen lässt. Eine Alternative bieten jene drei Geräte im Test, die mit einem separaten Nachfülltank ausgestattet sind. Auch Dampfreiniger, die nach dem Durchlauferhitzerprinzip arbeiten, sind hier ungefährlich, weil nicht der Kessel erhitzt wird, sondern das Wasser über eine heiße Platte im Gerät verdampft wird.

Manche Geräte werden zudem an berührbaren Stellen ziemlich heiß: So erreichen etwa die Handgriffe des Nilfisk-Alto und des Fakir rund 70 Grad Celsius. Ebenfalls heikel: schmutzige Reinigungstücher während des Putzens zu wechseln. Die Tücher sind nicht nur heiß, zwischen Tuch und Düse sammelt sich oft auch ein Rest an Dampf, der beim Tuchwechsel entweicht. Mehr als einmal haben sich unsere Tester die Finger verbrüht. Hier sind Handschuhe nötig.

Schmutz wird in Teppich einmassiert

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Einige Dampfreiniger werden im Betrieb außen sehr heiß. Beim De'Longhi liegen die wärmsten Gehäusestellen, in der Thermografie­aufnahme gelb dargestellt, allerdings im unkritischen Temperaturbereich.

Teppiche, Polster und Oberflächen aus Holz sind für die Reinigung mit Dampf eher ungeeignet. Weil Dampf leicht in feinste Ritzen eindringt, raten Fachleute selbst bei versiegeltem Parkettboden ab – Feuchtigkeit könnte das Holz aufquellen lassen. Auf Teppichböden oder Polstern massieren Dampfreiniger den Schmutz lediglich tiefer ein, mitunter zerstören sie gar das Gewebe. Ebenfalls tabu: Elektrogeräte. Im Elektroherd zum Beispiel kann Feuchtigkeit zum Kurzschluss führen.

Auch wer angespornt von vollmundiger Reklame den Hausstaubmilben in seiner Matratze den Dampf ansagen will, muss enttäuscht werden. Minutenlang müsste er die Düse auf die Schlafstatt setzen, immer ein Stückchen weiter. Danach wären eventuell einige der Tierchen tot, doch die Matratze wäre zugleich so feucht, dass sie tagelang trocknen müsste. Und in der feucht-warmen Umgebung würden sich die verbliebenen Milben so richtig wohlfühlen – und sich stark vermehren.

Bakterien ist kaum beizukommen

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Beim Wechseln der Reinigungstücher besteht das Risiko, sich am Dampf zu verbrühen.

Ähnlich verhält es sich beim Kampf gegen Keime und Schimmel, zu dem die Werbetrommel antreibt. Zum einen sind die Temperaturen nur direkt an der Düsenöffnung hoch genug, um Bakterien beizukommen. Zum anderen müsste auch hier die Düse minutenlang auf einer Stelle dampfen, um einen sterilisierenden Effekt zu erzielen. Hygieneexperten winken ohnehin ab – die Bakterien im heimi­schen WC sind in der Regel harmlos. Und bei Schimmel muss die Ursache bekämpft werden – zu viel Feuchtigkeit.

So bleiben als Anwendungsgebiete neben exotischen Einsätzen an großblättri­gen Grünpflanzen vor allem Kunststoff- und Keramikböden, Küchenarbeitsplatten, Fenster und Sanitäreinrichtungen. Genau dort haben wir schließlich geputzt. Mit Ausnahme der Fenster wurden die Oberflächen einen Tag vorher mit allerlei klebrigen und fettigen Flecken versehen: von Erdbeermarmelade über Zahnpasta bis hin zu Striemen schwarzer Gummisohlen. Auf jeder Fläche musste die Dampfmaschine gegen ein herkömmli­ches Reinigungsverfahren antreten.

Nur vereinzelt konnte manch ein Dampfreiniger vergleichbare Ergebnisse erzielen, war etwa mal beim Putzen der Arbeitsplatte oder im Sanitärbereich dem Scheuerlappen ebenbürtig. Dann konnte tatsächlich auf Putzmittel verzichtet werden. Aber: Wer das Waschbecken mit maschineller Hilfe sauber bekam, musste für den Boden meist doch wieder zum Feudel greifen. Alleskönner, wie die Werbung weismachen will, sind Dampfreiniger nicht.

Fast immer war der Boden nach der Bedampfung mit einem klebrigen Film überzogen. Das Reinigungstuch auf der Düse war meist nicht saugfähig genug, sodass es den Schmutz, statt ihn aufzunehmen, großflächig verteilte. Auch die Fugen zwischen den Fliesen waren mit Dampf allein nicht sauberzubekommen. Im porösen Fugenmaterial sitzt Schmutz so fest, dass hier gescheuert werden muss. Vorsicht bei verklebten Böden wie etwa PVC: Durch die hohen Temperaturen können sich Kleber lösen und Farben verändern. Daher gilt: Erst an einer unauffälligen Stelle ausprobieren.

Auch auf den anderen Oberflächen konnten die Dampfreiniger nicht richtig glänzen. Auf der Küchenarbeitsplatte hinterließen sie ebenfalls oft einen klebrigen Film. Beim Fensterputzen waren Tropfenspuren und Schmutzränder an den Stellen, an denen die Düse an- und abgesetzt wurde, meist nicht zu vermeiden. Die besten Ergebnisse gelangen der Putzkolonne noch im Sanitärbereich, wenngleich auch hier Armaturen oft streifig zurückblieben.

Drei fallen bei Sicherheit durch

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Auf verchromten Armaturen hinterlassen die Dampfreiniger oft streifige Spuren.

Hoover, Solac und Tien Vita fielen wegen Mängeln in der Sicherheit durch. Beim Hoover war zum Beispiel die Verkabelung und deren Befestigung im Geräteinneren zu bemängeln. Solac und Tien Vita haben einen arretierbaren Schalter zur Dampfaktivierung, was laut Sicherheitsnorm wegen Unfallgefahr nicht erlaubt ist. Der Solac hat außerdem die für Handgeräte vorgeschriebene Fallprüfung aus zwei Metern Höhe nicht bestanden. Beunruhigend: Alle drei Geräte tragen das Siegel „GS – Geprüfte Sicherheit“. Es wird von Ins­titutionen wie etwa Tüv, LGA oder einer ausländischen Prüfstelle vergeben. Der Anbieter beantragt dort freiwillig eine Sicherheitsprüfung für ein Gerätemodell. Besteht es die Prüfung, darf er die GS-Plakette anbringen – und dem Verbraucher so signalisieren, dass das Gerät gewissen Sicherheitsstandards genügt. Die drei mangelhaften Dampfreiniger im Test tragen das GS-Zeichen nach dem Urteil unserer Sicherheitsprüfer zu Unrecht.

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