Dampfgarer Test

Kleingeräte zum gesunden Dämpfen sind schon ab 25 Euro zu haben. Sie überzeugten im Test genauso wie die schicken teuren Einbaumodelle.

Auf bunten Prospektseiten tauchen Dampfgarer nur selten auf. Auch im Handel sucht der Kunde sie oft vergeblich. „Die Leute fragen nicht danach. Viele wissen gar nicht, wie simpel und gesund das Dämpfen ist“, erklärt der nette Verkäufer eines großen, bundesweiten Elektromarktes.

Recht hat er. Über heißem Wasserdampf gegarte Lebensmittel laugen nicht aus, Vitamine, Mineralstoffe und das Eigenaroma bleiben weitgehend erhalten . Weil nichts anbrennt, muss auch nichts umgerührt werden. Das hält die Speisen in Form. Und den Menschen fit. Denn auf kalorienreiches Fett als Geschmacksträger lässt sich beim Dampfgaren getrost verzichten. Profis wissen das seit jeher. Doch was bei Diätköchen und auch in der Gastronomie schon lange selbstverständlich ist, fristet am heimischen Herd leider immer noch ein Schattendasein.

Dabei muss es nicht gleich ein teures Einbaugerät sein. Mobile Kleingeräte zum drucklosen Dämpfen sehen zwar nicht so edel aus und bieten weniger Komfort, sind den Großen beim Garen aber ebenbürtig. Von den sieben getesteten „Minis“ zu Preisen zwischen 25 und knapp 100 Euro machten immerhin drei eine „gute“ Figur, vier nannten wir „befriedigend“. Bei den acht wesentlich teureren Einbau- und Standmodellen (815 bis rund 1600 Euro) hieß es am Ende auch dreimal „gut“, fünfmal „befriedigend“.

Kleine sind ideal für Einsteiger ...

In der Testküche stand Hausmannskost auf dem Speisezettel – Kartoffeln, Brokkoli, Lachs, Hefeklöße und ein komplettes Menü. Bis auf wenige Ausnahmen wurde alles richtig lecker. Die nötige Hitze liefert bei den Kleingeräten ein beheizter Wassertank. Darauf stapeln sich die gelochten Garschalen übereinander. Durch die Löcher strömt der heiße Dampf zu den Lebensmitteln. Reis, Suppen und Aufzuwärmendes kommen in einem ungelochten Einsatz in eine gelochte Dampfschale. Die Garzeiten werden über mechanische Drehschalter oder per Tastendruck digital (Gastroback und Kenwood) eingestellt. Technisch sind die Kleinen also vergleichsweise simpel. Für „gute“ Garergebnisse reicht das aber allemal. Weitere Vorteile: Die Kleinen sind günstig zu haben, als zusätzliches Gargerät also ideal für Einsteiger. Und sie lassen sich nach Gebrauch einfach im Schrank verstauen – wichtig in Küchen mit wenig Arbeitsfläche. Ihre Nachteile: Wegen der vielen Einzelteile ist das Säubern manchmal etwas mühsam. Wenig Freude macht oft auch das Einfüllen des Wassers und – nach dem Dämpfen – das Jonglieren mit dem heißen Tropfwasser in den Kondensatschalen. Hinzu kommt, dass einige Deckel richtig heiß werden. An den Griffen von Clatronic, Gastroback und Severin zeigte das Thermometer rund 90 Grad Celsius. Fingerschutz ist da ein Muss. Am besten sind hohe Topflappenhandschuhe. Die schützen gleichzeitig Hände und Unterarme vor dem heißen Dampf.

... große eher für Fortgeschrittene

Optisch schöner wirken zweifellos die großen, 60 Zentimeter breiten Dampfgarer, die wie ein kleiner Backofen aussehen. Die von AEG-Electrolux, Bosch, Küppersbusch, Neff, Oranier, Siemens und Smeg werden in einen Schrank eingebaut, praktischerweise in Augenhöhe. Das schmalere Standgerät von Miele beansprucht einen festen Platz auf der Arbeitsplatte. Bis auf das Kombigerät von AEG-Electrolux können alle „nur“ Dampfgaren. Dazu erhitzt eine Bodenheizung das Wasser aus dem separaten Tank, die Garschalen stehen auf einem Rost oder werden direkt eingeschoben. Vorteile der Großen: Sie lassen sich meist einfacher bedienen und reinigen. Verbrühen kann man sich auch nicht so leicht, weil einen der heiße Dampf nur beim Öffnen der Tür umweht. Nachteile: Wegen des großen Garraums benötigen die meisten etwas mehr Strom. Und sie bieten in der Grundausstattung erstaunlich wenig Zubehör, oft nur eine Schale für eine Ebene. Wollen viele Mägen satt werden, braucht man mehr davon und einen zweiten Rost. Die gibt es bei Oranier und Smeg aber nicht. Behelfen kann man sich mit dem Erweiterungsset von Küppersbusch. Bei Preisen um die tausend Euro lohnt sich ein großer Dampfgarer wohl nur, wenn die Küche viel Platz bietet und der Genuss an Gedämpftem lange anhält.

Lieblose Anleitungen

Gerade bei ungewohnten Gartechniken sind Koch und Köchin auf gute, ausführliche Anleitungen angewiesen. Doch die sind nicht selbstverständlich. Besonders Garempfehlungen kommen häufig zu kurz. Da stimmen die Zeiten nicht oder Angaben zu Tiefkühlkost fehlen. Dass sich in den Geräten komplette Menüs zubereiten lassen, erwähnen viele Anbietern nur am Rande. Bei so viel Lieblosigkeit brauchen sie sich über mangelndes Interesse der Kundschaft dann nicht zu wundern.j

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