Enttäuschung pur: Ein Eisen verabschiedete sich gleich zu Beginn der Prü­fungen. Andere versagten im Dauertest vorzeitig. Der kläg­liche Rest bügelt nicht besser als ein übliches Dampfbügeleisen ohne Druck.

Es waren Experten, die für uns im Labor gebügelt haben: ganz normale Hausfrauen mit viel Bügelerfahrung. Sie sollten testen, was dran ist an den teuren Bügelsystemen und -stationen, die „mit Volldampf perfekte Wäsche“ in der „halben Zeit“ verheißen. Da sind die Hoffnungen auf echte Arbeitserleichterung natürlich sehr hoch und es wird Spitzenleistung erwartet. Diese Erwartungen wurden bitter enttäuscht. Von den zehn Geräten schnitten nur drei mit „befriedigend“ ab, drei mit „ausreichend“, vier sogar mit „mangelhaft“. Um es vorwegzunehmen: Die Damen bügelten mit allen Druckgeräten nur „befriedigend“ – weder besser noch schlechter als mit einem Dampfbügeleisen.

Dabei soll die feuchte Hitze durch den Druck besonders kräftig durchs Gewebe schießen, tief liegende Fasern besser aufquellen und dadurch leichter formbar machen. Schwere Stoffe werden so angeblich genauso mühelos glatt wie besonders empfindliche Textilien. Im Unterschied zu herkömmlichen Dampfbü­geleisen dampfen viele Druckgeräte schon bei niedriger Einstellung (ein Punkt am Regler) und auch in senkrechter Haltung. Das bringt auch hängende Kleidungsstücke wie zum Beispiel das Sakko oder die schon einmal getragene Samthose schnell wieder in Form.

Dass das nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist, liegt auf der Hand. Werden normale Dampfbügeleisen schon ab etwa 40 Euro feilgeboten, muss der Kunde für Dampfdruckgeräte tief in die Tasche greifen. Stationen mit separatem Generator können locker 300 Euro kosten; Bügelsysteme mit Tisch samt Gebläse und Heizung sogar noch mehr.

Ohne Druck genauso gut

Dampfdruckbügeln Test

Dampfdruckbügeleisen können auch hängende Textilien aufdampfen.

In den praktischen Versuchen hatten die Frauen einen Wäscheposten vor sich, der ihnen zugegebenermaßen viel abverlangte. Hier hätten die Geräte ihre wahren Talente unter Beweis stellen können. Doch eher traten die Talente der Büglerinnen zutage. Sie bügelten mit dem klassischen Dampfeisen genauso gut wie mit den Druckgeräten. Deren Vorzüge zeigten sich nur beim Aufdampfen hängender und mehrlagiger Teile. Bügeln in der halben Zeit ist in vielen Fällen übertrieben und mehr vom Geschick der Büglerin und den Wäschestücken abhängig. Die eine bekam das Oberhemd in knapp sechs Minuten glatt, eine andere brauchte dafür mit demselben Eisen die doppelte Zeit. Insgesamt schafften die Büglerinnen den Wäscheberg in einer halben bis dreiviertel Stunde weg.

Viele noch nicht ausgereift

Dampfdruckbügeln Test

Blick ins Innere: Labyrinth mit Kalkablagerungen (beige) und maroden, durchlässigen Dichtungen (rot).

Bügeln mit Dampfdruck ist keine neue Erfindung. Umso verwunderlicher, dass viele Geräte noch nicht ausgereift sind. Das zeigte sich besonders im Dauertest. 240 Stunden sollten sie durchhalten, was bei drei Stunden Bügeln in der Woche ungefähr drei Jahren entspricht – halb mit, halb ohne Dampf wohlgemerkt. Nicht zu viel verlangt, meinen wir. Doch nur Domena Dual force 45 und Philips Provapor GC 6065 hielten das anstandslos durch; Domena sogar, ohne dass zwischendurch Kalkablagerungen ausgespült werden mussten. Sechs hatten schon zur Halbzeit keine Puste mehr. Dichtungen hielten nicht stand, es dampfte und tropfte unkontrolliert, Heizungen fielen aus. Sogar das Bügeleisen aus dem superteuren LauraStar-System wurde undicht.

Pech für Solac

Dampfdruckbügeln Test

Als Pleite entpuppte sich die „erste Kompakt-Bügelstation“ der Welt, Solac Evolution P 216. Kaum hatten die Büglerinnen ihren Wäscheposten in Angriff genommen, war das Gerät schon nicht mehr zu gebrauchen. Gleich bei mehreren Modellen knallten die Thermosicherungen durch – Heizung defekt. „Sie fielen um wie die Fliegen“, konstatierte der Testleiter. Schade, denn das drucklose Solac-Gerät wäre durchaus eine Alternative. Es ist mit 80 Euro viel billiger als die geprüften Druckstationen, verspricht aber ähnliche Vorteile. Der Trick: Auf Knopfdruck wird eine gewisse Menge Wasser aus dem Reservoir in die eingebaute Dampfkammer gepumpt, dort erhitzt, dabei verdampft und danach drucklos zur separat beheizten Bügelsohle befördert. Das macht Dampf unabhängig von der Sohlentemperatur – theoretisch.

Rückruf fürs Quelle-Gerät

Dampfdruckbügeln Test

Der Wäscheposten: Mischgewebe, empfindliche Stoffe, Baumwolle und schweres Leinen.

Gefahren lauern beim Active Board von Quelle. Wer unter den Generator greift, kann durch ein Loch im Gehäuse stromführende Teile berühren. Das sorgte für blankes Entsetzen – bei uns und beim Anbieter. Quelle reagierte prompt, hat Nachbesserung zugesichert und eine Rückrufaktion gestartet. Die Öffnung wird so abgedeckt, dass neugierige Finger nicht mehr an die gefährlichen Leitungen kommen. Es bleibt die Frage, warum dieses Manko die firmeneigene Qualitätskontrolle passieren konnte.

Wo Druck entsteht, muss er im Zaum gehalten werden. Fast alle Generatoren lassen sich unter Druck öffnen. Aber die Ventile haben ein so langes Gewinde mit Nut, dass der Druck beim Schrauben abgeht, ohne dass einem der Verschluss um die Ohren fliegt. Der Benutzer muss nur darauf achten, dass er sich am heißen Dampf nicht die Finger verbrennt. Ganz Eilige, die Wasser nachfüllen wollen, bevor das Gerät abgekühlt ist, müssen also aufpassen. Komfortabler und schneller geht das Nachtanken bei Geräten, die einen drucklosen, abnehmbaren Wassertank haben. Das ist bei De'Longhi, LauraStar Steamup, Rowenta und Tefal so.

Entkalkungsmittel sind absolut tabu

Stichwort Wasser: Billig und stets zur Hand ist Leitungswasser. Damit können alle Geräte betankt werden, je nach Kalkgehalt solo oder vermischt mit destilliertem Wasser. In welchem Mischungsverhältnis, steht in der Gebrauchsanleitung. Nur das Domena Dual force 45 verträgt kalkhaltiges Wasser auch pur – ein Plus für dieses preisgünstige, haltbare Eisen mit integriertem Dampferzeuger. Das Minus: Der kleine Tank fasst nur rund einen drittel Liter Wasser, was gerade mal für zehn Minuten Dampfbügeln reicht. Die Stationen und Systeme schaffen bis zu einer halben Stunde mit einer Füllung.

Unbedingt beachten sollte man die Reinigungshinweise. Absolut tabu sind Entkalkungsmittel, Duftwässerchen oder Troc­knerwasser. All das kann die verschlungenen Wege im Innern zerstören, Düsen verstopfen oder sich als braune Flecken auf der Wäsche wiederfinden. In der Regel reicht es, den Generator auszuspülen. Das ist manchmal umständlich: Beim Quelle-System muss man den ganzen Bügeltisch mit umstürzen.

Seide besser mit Teflonschutz

Rätsel geben die Anweisungen für Seide auf. Als wir uns nach dem Textiletikett richteten, blieb sie oft knitterig. Die Geräteangaben reichen vom Bügeln auf links, mit oder ohne Dampf, bei niedrigster Hitze bis zur höchsten mit Teflonsohle. Am glattesten wurde die Seide mit dem teflonbeschichteten Metallschuh, der die Hitze abmildert. So kann man ordentlich dampfen, ohne das zarte Gewebe zu schädigen. Das braucht etwas mehr Strom. Insgesamt zapfen die Geräte aber nicht viel ab, pro Wäscheposten rund 270 bis 380 Wattstunden. Bei drei Körben pro Woche kommt man im Jahr auf Stromkosten von rund sieben bis zehn Euro.

Geduld und Geschick sind besonders bei den Active Boards gefragt. Das Aufheizen dauert und man muss lernen, die feuchte Hitze so zu dosieren, dass die gebügelte Wäsche nicht klitschnass bleibt. Bis die Geräte wieder abgekühlt sind, vergehen ein bis zwei Stunden.

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